Freifunk, die Generationen und andere Zielgruppen

Fortsetzung der Diskussion von WLAN-Zone in Mettmann:

Man muss ein bisschen vom Gedanken wegkommen, dass junge Leute automatisch mehr Ahnung von Computern haben. Bei jungen Leuten gibt es genauso „DAUs“ wie bei allen anderen Altersgruppen auch. Und viele der jungen Leute denken auch von sich, sie sind technisch versiert, weil sie auf Facebook mal eine Seite erstellt haben oder so. Oder weil es permanent von allen Seiten eingeredet wird, dass junge Leute ja gut mit Computern umgehen können.

Ein schöner Artikel dazu (auf Englisch) Kids can't use computers... and this is why it should worry you — Coding 2 Learn

Besonders bei Freifunk finde ich, dass man beim Marketing gar nicht auf verschiedene Altersgruppen Rücksicht nehmen muss und sollte, sondern das Prinzip immer gleich erklären kann. Im Endeffekt bedient das Internet (und Freifunk) ja auch ein menschliches Grundbedürfnis, nämlich das nach Kommunikation und Informationsbeschaffung, und das ist bei allen Generationen vorhanden.

Wenn man für unterschiedliche Gruppen Werbung machen will, dann sollte man imo höchstens zwischen den „normalen Usern“, den man erst einmal nur mit dem Internet-Hotspot anwerben kann, und dem „Techniker“, der vielleicht mehr am Bürgerdatennetz und Bastelaspekt interessiert ist, unterscheiden.

Also am besten schnell von diesem Gedanken wegkommen. Dazu gehören auch Begriffe wie „Digital Native“ oder „Digital Immigrant“, damit macht sich ein Großteil der Bevölkerung nur unnötig und unverdient freiwillig schlecht. :frowning:

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"Digital Native"s sind für mich Menschen, die dazu in der Lage sind … ein Gameboymodul in den Gameboy zu stecken und den Finger auf ON zu pressen.

Ich stamme eher aus der Generation, dass man viele Codes in basic und #hexen eingeben muss; damit überhaupt etwas sinnvolles passiert. :wink:

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Vor Ort gab es 2 „kritische“ Rückmeldungen:

  1. Freifunker sind von Gestern und Freifunk ist eine Totgeburt, weil es Handy-Flats zum Abwinken gäbe.
  2. Freifunk ist für Unterpriviligierte und deren sinnloser Daddelsucht.

Das mag so sein oder auch nicht. Tatsächlich sind Freifunker aber wie ein großes Silikon-Valley-Bürgernetz-Versuchslabor.

Vielleicht in anderen, weniger priviligierten Ländern der Welt als Bürgernetz viel wichtiger als hier. Nur - wir haben offensichtlich das Know How und die Man-Power, um das Modell zu exportieren.

Spanien nutzt es notgedrungen viel offensiver

Vielleicht ist das „Abfallprodukt“ Bürgernetz selbstgemacht in anderen Ländern eine Zielgruppe, die hier zu wenig gesehen wird?

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Die Handy-Flat zum Abwinken ist ganz toll im Inneren von Geschäften oder sonstigen toten Punkten. In manchen Einkaufszentren bin ich froh, wenn Sprache durchkommt. :wink:

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Haben die nicht Störsender, damit man vor Ort keinen Preisvergleich anstellen kann? :smile:

Guifi net Spanien Bastelstunde

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Handyflat? lol.
Zur Zeit arbeite ich als Netzplaner für diverse (nicht Premium) TK Anbieter und ich denke das es bei der Telekom zwar besser, aber nicht viel besser aussieht. Echte Flatrates wird es mit LTE, UMTS und auch 5G nicht geben, da dann innerhalb kürzester Zeit das Netz zusammenbrechen würde, sowohl 2015 als auch 2020… Im optimierten Deutschland sind Handyflats nicht vorgesehen, von daher hat Freifunk schon eine Zielgruppe = ALLE.

Da können sich die TK Anbieter gerne 300MBit/s und 1GIGABIT/s auf die Fahne schreiben, wenn der Standort nur mit 150Mbit/s per Richtfunk angebunden ist (und das ist meistens der Fall)… lamo… kommen da auch keine 300 oder mehr raus :wink:

Zu dem Thema verweise ich auch mal auf „Europe loves WiFi“. Die Netze sind voll, ohne WLAN geht nix und Freifunk („solutions that allow individuals to share their bandwidth“) ist der heiße Scheiß. Press corner | European Commission :wink:

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Ich habe den Eindruck, dass die Jüngeren (<25J) kein Problem darin sehen, für Mobilfunk (Mobil-IP) signifikante Mengen ihres monatlichen Einkommens auszugeben.
Dafür ist ein tolles Auto inzwischen ziemlich unwichtig geworden. (Oder gar ein Motorrad oder eine Hifi-Anlage)

Will sagen: Wenn die Jungen alle problemlos die 5GB-Flat haben, dann lockt Freifunk dort nicht mehr.
Das zieht dann eher bei den alten Knausern, die immer für den Jahreswagen aus Sindelfingen sparen.

Äh, eine 5GB Flat kostet bei Aldi Talk 15 € und das soll eine signifikante Menge ihres monatlichen Einkommens sein?

Ich hab eher das Gefühl, dass in meiner Generation (Baujahr 80-90) es eher die Kinder waren, die damals die ersten DSL-Anschlüsse bestellt haben und ich mich daher für die Technik interessiert habe, es mir angelesen habe usw. Bei den 10 Jahre jüngeren ist es eher so, dass DSL doch bei den Eltern angekommen ist und diese ihre Kids eher mit Parental Control Systemen gängeln, sodass diese nicht die Chance haben sich damit zu beschäftigen. Digital Nativ bedeutet nur, dass sie sich mit den Oberflächen der verschiedenen Betriebssysteme(Desktop & Smartphone) intuitiv auskennen, es beduetet nicht, dass man die Technik dahinter verstanden hat. Dem Schulsystem mit beschissener Informatik sei dank.

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Ich meinte damit „Kosten für Mobillfunk“, nicht nur die Sim-Karte. (aka: Inklusive dem Knebelvertrag für das Premium-Smartphone eines edelnamigen Herstellers)
Und vielleicht einen Provider, bei dem sich das erworbene Guthaben auch nutzen lässt. (d.h. ein Netz was möglichst überall LTE liefert.)

Vielleicht wird Freifunk eines Tages DIE Rückfallebene? Wer glaubt denn noch, dass bei uns alles so bleibt und eher besser wird? Wenn es kracht, werden genau diese Know-How-Träger dringend gebraucht. OK, ist jetzt schon sehr pessimistisch.

Wenn mir ein Hartz4-ler für Freifunk dankt, weil er darüber auch am Monatsende noch kommunizieren kann, dann ist das ein Grund, wofür ich Freifunk mache. Er meinte dann noch, wenn er wieder einen Job hat, würde er sehr gerne Freifunk unterstützen.

Klar gibt es Handy-Flats. Die aber keine sind. 150 MB oder 500 MB sind so der default außerhalb des Business Umfelds für 30 Tage. Reicht das? Nie. Und Touristen/Gäste? Nun, ja.

Ist Deutschland digital auf Ballhöhe, wenn Internet Mangelware ist? Welche Unternehmen aus D (nein, nicht SAP oder Software AG nennnen) sind denn International relevant oder gar bekannt? Software? Hardware??? Und das liegt bei einer der führenden Industrienationen woran? Sicher nicht nur an freiem WLAN, aber ein Basis-Punkt ist das auf jeden Fall.

Warum hat ein 10 Familien Haus 10 x 1.000 KByte/s DSL statt gebündelten 10.0000 KByte/s Anschluß für alle 10 Haushalte die sich die Kosten teilen? Wegen der Arbeitsplätze? Weil das für Telekom & Co. einfach mehr Geld bringt? Wie viele Arbeitsplätze werden damit wo verhindert? Klingt für mich immer nach Kutschen-Industrie vs. upcoming Automobile Instustrie… die Pferde, die Radmacher! Deal with it!

Kaugummi-Ausspucker und Wild-Müll-in-DenWald-Werfer sichern Arbeitsplätze! Wenn es egal ist, welche Art Arbeitsplätze eine Gesellschaft will.

Wer Angst hat um die Arbeitsplätze soll halt Angst haben. Die mit der Angst haben uns noch nie weiter gebracht.

Egal. Darum geht es bei uns eher nicht.

Man, nein wir müssen immer erklären, welche Probleme wir wie zu welchen Kosten lösen. Alles anders ist Technik-Mambo-Jambo und interessiert gefühlt 95,6723 % der Menschen nicht die Bohne.

Immer. Produktunabhängig.

Viele Grüße, Fx

Ja, lese ich oft. Ich kann dir zwei Sachen über Eplus verraten: Das Netz ist besser als man denkt, und ich würde mir ohnehin nicht extra LTE dazu buchen. Bei Eplus habe ich LTE da, wo es ist, sogar umsonst :D.

Und: Mit gedrosselter Flatrate kann man mit Eplus noch normal, langsam surfen. Bei T-Mobile klappt da wegen absichtlich scheiße gesetzter Timeouts gar nichts mehr. Ich habe z.B. 300 MB Volumen und verbrauche trotzdem 450 MB. Ich kann bei Eplus problemlos mit gedrosselter Flatrate per GoogleMaps navigieren, Mails+Chat und surfen.

Das finde ich eine ganz wichtige Sache. Internet und das Recht frei zu kommunizieren sind für mich sehr sehr wichtig und jeder sollte daran teilhaben. Man kann über Zuckerberg und seine Motive vieles sagen, aber auch er glaubt daran, dass man jeden Menschen ans Netz anschließen sollte und das finde ich eine gute Sache. Ich kann mir keine Wetterballons mit WLAN leisten wie Google oder Facebook, aber ich kann immerhin den Leuten in meiner Umgebung freies WLAN anbieten. Das ist mein Beitrag.

Ich gebe meinen Gästen auch mein WLAN-Passwort so ist das nicht. Aber ich freue mich im Ausland auch immer, wenn ich gratis Mal ein paar 100 MB laden kann, ohne dafür gleich ein paar 10er auf den Tisch zu legen. Und das möchte ich anderen Touristen auch ermöglichen. Und dazu brauche ich kein albernes Abrechnungssystem wie FON, sondern das geht so schön elegant und einfach mit Freifunk.

Außerdem hasse ich die Störerhaftung und mit Freifunk kann man dagegen ein Zeichen setzen.

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Um mal aus einem anderen Forum die Stimmungslage „bei anderen“ zum Thema Freifunk zu zitieren, hier ein Textfragment eines Users mit reichlich generischem Pseudonym. (Quelle lässt sich ergoogeln, ich bitte jedoch darum, Trollfütterungen zu vermeiden)
"Bei dem Projekt [Freifunk für die Fußgängerzone], mehr noch bei der Argumentation zum Bürgerantrag handelt es sich leider nur um die ideologische Resterampe aus der Insolvenzmasse der Piratenpartei.
Einen Satz habe ich mir allerdings aus dem Antrag herauskopiert. Darin wird, ganz im Stil der leistungsfreien Weltverbesserer,[…] "

Merke: Die Idee „Freifunk“ kommt nicht überall gut an. Auch bei Leuten, die sich offensichtlich mit dem Thema beschäftigt haben, keine direkten kommerziellen Interessen verfolgen, sondern schlicht „partizipative Ansätze“ aus Prinzip nicht mögen.

Die Demokratie hat sich auch nur langsam und sehr schmerzhaft durchgesetzt. Wird schon :wink:

Ist halt alles ganz selbstverständlich da. Demokratie, offene Grenzen, billiges Mobilnetz - EIN IDIOT WER DAFÜR WAS TUT!

Nö, wir tun doch was. Ich bin nur optimistisch, dass es klappt.

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