Freifunk - ein Angebot wie Sauerbier?

Wenn ich so darüber nachdenke, sollten die Menschen - allen voran die Gastwirte - dem Freifunk doch die Bude einrennen. Eine einmalige, kleine Investition gegenüber monatlichen Kosten beim Wettbewerb, noch dazu eine zur Zeit ungewöhnlich große Medienpräsenz.

Trotzdem scheint mir die „Lust“ auf das Angebot doch schwer zu wecken zu sein. Es wird gerne viel geredet, doch es kommt wenig dabei rum. Manchmal denkt man, man habe Sauerbier im Koffer und keinen Freifunk-Router. Woran - denkt ihr - liegt das und wie kann man es ändern?

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Die Erfahrung habe ich auch gemacht; als wir hier mit Freifunk begonnen haben dachte ich naiverweise tatsächlich, bisher „unversorgte“ Gastwirte, Friseure, Ärzte usw. überrennen und und plündern unsere Router-Vorräte um bei Freifunk mitmachen zu können. Tatsächlich aber scheint’s irgendwo im Verständnis zu fehlen - oder einfach frei nach Oppa: Was nix kostet, kann nix sein.

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Was mir bei Wirten begegnet ist, ist auch die Einstellung, dass die Leute sich unterhalten und Bier trinken sollen. WLAN und Smartphones stören da nur :disappointed:

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Eine der möglichen Antworten gab es in einem Gastbeitrag in der FAZ im Okt. 2014:

Die Frage der Störerhaftung steht damit exemplarisch für die „German Angst“ des digitalen Zeitalters: eine irrationale Abwehrhaltung gegenüber der kreativen Vielfalt des Internets und seiner Unbeherrschbarkeit, auf deren Grundlage Zukunftschancen vertan werden.

Quelle: FAZ, 24.10.2014, von Ulf Buermeyer

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Das kann ich in kleinster Weise nachvollziehen, 90% der Gastronomen mit denen ich vor Ort spreche sind begeistert und machen mit.

Alles andere als eine persönliche Absprache vor Ort geht aber im Spam unter.

Wichtig ist dabei meiner Meinung nach den Gastronomen die an Lockangebote die nach hinten los gehen ehrlich zu kommunizieren dass wir zwar sehr viel im technischen und rechtlichen Bereich für sie machen, aber eben auch scharf auf ihre DSL Leitungen sind. Dadurch entsteht das gerechtfertigte Bild einer win win Situation statt des: Wir Freifunker schenken der Gastronomie etwas.

Auf Geschenke reagiert der typische Gastronon mit sehr viel Skepsis.

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Und spätestens wenn der erste Gast fragt: „Warum hat Du eigentlich kein Freifunk?“, steht er wieder bei Dir auf der Matte. :grinning:

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In der Tat, von den wenigen die erstmal nein gesagt haben haben sich mehrere teilweise Monate später von sich aus gemeldet und machen nun doch mit.

Die Karte mit meiner Telefonnummer und den allgemeinen Infos wird also tatsächlich aufgehoben.

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Das ist der Punkt!
Mit irgendwelchen Gratis-Lockangeboten sind viele Kleingewerbler bereits x mal auf die Nase gefallen.

Vielleicht sollten wir mal versuchen, weniger über die Lobby-Schiene zu gehen, sondern mehr mit lokaler Anspracher. Und der klaren Ansage, was wir uns erhoffen, um damit Vertrauen zu gewinnen.

(Es könnte ja durchaus sein, dass es Leute gibt, die uns nicht ernst nehmen, weil sie nicht glauben, dass wir alles verschenken. Und falls wir doch so dusselig sein sollten, dass das bestimmt nicht lange hält, weil so jemand schließlich bald Pleite ist.)

Mir begegnet immer noch die Angst vor rechtlichen Konsequenzen und auch die Meinung, dass Freifunk in einer rechtlichen „Grauzone“ operieren würde.
Selbst Anwälte und Leute die ich für technisch versiert halte vertreten diese Meinung.

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Man muss wohl auch die Zielgruppe der Gastronomen unterscheiden. Während @MrMM in Aachen vermutlich eher auf Kneipen mit jungem Publikum (Studenten) abzielen kann, gibt es bei uns in der (ländlichen) Gegend kaum Gastronomen, die nur junges Publikum ansprechen können. Wenn man jeden Tag drei Mal gefragt wird ob es WLAN gibt, hat man da eine andere Einstellung zu als wenn das drei Mal im Jahr passiert.
Mir ist eine Lokalität bekannt, in der auf Nachfrage das private WLAN-Passwort rausgegeben wird. Das passiert zwar nur zwei bis vier Mal im Jahr, ist aber trotzdem gefährlich. Störerhaftung? Nie gehört! Hat doch bis jetzt auch immer so geklappt!!

PS: Ich versuche da Überzeugungsarbeit zu leisten, aber manche Bretter sind sehr dick.

Heißt also, immer wenn man in einer Lokalität ist nach WLAN Fragen. Challenge Accepted!
Wer macht mit?!?

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Die Idee eines „Geschenks“ an denjenigen halte ich nur für bedingt sinnvoll. Jeder einzelne Router ist, wenn auch in kleiner Dimension, eine Belastung für die Infrastruktur Freifunk, die regelmäßig mit immensen Kosten aufrecht erhalten wird. Ich bin mittlerweile davon weg NUR zu behaupten, dass ich es demjenigen „schenke“. Immer wenn arbeiten Vorort abgeschlossen sind, biete ich die Möglichkeit einer Spende an und erkläre in der Beziehung auch die Verwendung dieser.

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Wir haben auch etliche alt eingesessenen Restaurants oder Ketten wie Subway dabei.

Ich habe auch schon öfters erlebt wie just in dem Moment in dem ich Freifunk vorstellen wollte ein älterer Herr nach dem WLAN Passwort gefragt hat. Zumindest hier ist Freifunk ein Thema für alle, das liegt aber mit Sicherheit auch daran dass wir mit stetiger Arbeit dafür sorgen regelmäßig in die Presse zu kommen, so wie heute:

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Da muss man dann wohl auf eine kritische Masse an Unterstützern kommen. Daran arbeite ich hier noch :smiley:

Als zweier Team. Der eine fragt nach WLAN und der andere bietet zufällig zwei Minuten später ein Freifunk-Testgerät an :grin:

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Hallo liebe Freifunkgemeinde. Ich kenne in Bochum 4 Gastronomen, die ihren Kunden gerne eine Internetverbindung bieten möchten. Momentan habe ich in einem Betrieb einen Internetzugang über Hotsplots (mit umständlicher Registrierung und Anmeldung ) eingerichtet und seit Montag bei meinem Friseur und bei mir einen Freifunkrouter aufgestellt .
Nun stehe ich vor folgendem Dilemma:
Freifunk, mit dem ich sehr sympathisiere und momentan durch kleine Spenden (boost-projekt ) unterstütze klemmt leider im Ruhrgebiet dermaßen, das ich es eigentlich nicht als zuverlässigen Internetzugang anbieten kann.
Der Hotsplotsdienst kostet den Wirt 10€ im Monat, läuft dann aber auch performant und zuverlässig.
Wenn ich jetzt den Wirten einen Freifunkrouter hinstelle, würde ich an deren Fairness appellieren das nur mit einer folgenden Mitgliedschaft machen. Nur muss der Kram dann auch funktionieren. Leider ist die Performance im Ruhrgebiet dermaßen schlecht, das ich Freifunk kaum empfehlen kann. Jedenfalls traue ich mich dann nicht mehr guten Gewissens in meine Lieblingskneipen.
Ich will hier Freifunk nicht schlecht machen. Ich wertschätze die Arbeit und das Engagement der vielen ehrenamtlichen Helfer. Bitte nicht falsch verstehen.

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im ländlichen Bereich gibt es 4 Hürden:

  1. FF ist unbekannt
  2. Internetverbindung (dort, wo für VPN nutzbar) ist zu schlecht. Die meisten haben alte Telekom- oder Vodaphone-Verträge für Telefon, mit einer Mini-Internet-Rate, und dann gibt es Probleme bei Telefon und eigener Internetnutzung, vor allem, wenn dann noch ein Kreditkartenleser dran ist, der nicht gebremst werden darf.
    Also selbst bei denen, die gerne möchten, geht es nicht, wenn nicht in Reichweite irgendwo ein brauchbarer VPN installierbar ist.
  3. Gastronomen wollen überwiegend gerne, Frisöre wollen überwiegend nicht (brauch ich nicht), spiegelt die „was hab ich davon“-Einstellung wieder. (Sonderrolle: Retaurants, die wollen das teilweise bewusst nicht, weil Surfen an sich als störend empfunden wird, und auch im Retaurant Telefonieren per Handy verpönt ist)
  4. haben doch alle eh ihre Flatrate (also das Argument der Sinnlosingkeit)

Treffe ich hingegen auf jemanden, der weis, was das ist, also schon mal was gelesen hat dazu, habe ich i.d.R. offene Türen, oder sofort ein „bin dagegen“, wo auch jegliche Diskussion zwecklos ist.

Werde in den nächsten Wochen mal die umliegenden Garten-Ausflugslokale abklappern. Weis nicht, was für Internet die haben, ob es bei denen überhaupt geht.

Edit
es macht m.E: keinen Sinn, FF irgendwo zu installieren, wo es dann Störungen gibt oder Nutzer ein „zu langsam, funktioniert nicht richtig“ ablassen. Also nicht nur darauf achten, ob es meshed, sondern bei jedem Router explizit testen, wie der Durchsatz ist und - wenn vpn - ob da eine ISP-seitiges Problem ist (Faustregel: wenn Vertrag nicht mindestens 5Mbit/s down als tatsächlichen Wert beinhaltet, Finger weg, dann nur WLAN wenn möglich). Nicht die Zahl der Nodes ist wichtig, sondern die Zahl der gut funktionierenden mit gutem Internet-Durchsatz.

Erst mal checken, was für Internet überhaupt dort ist, ob VPN geht. Dann Testgerät anbieten, möglichst andere Gäste in Kneipe einbeziehen (irgend einer wird das schon kennen, wenn der Wirt es nicht kennt). Dann installieren, Gäste testen lassen (machen die sofort alle).
Wenn es dann gut ist, hat man gewonnen, ist es mies, hat man verloren.

Da fragt kleiner nach WLAN, weil die „hat doch eh jeder Flatrate“-Haltung dann raus kommt. Muss also von Gästen (in der Kneipe) als „gut“ signalisiert werden, wenn Wirt nicht sowieso überzeugt ist.

Deswegen geht das bei Frisören nicht. Dort sind die „Gäste“ unter der Haube und damit nicht ansprechbar.

Freifunk gibt keine Garantie für die Bereitstellung und erst recht keine 100%ige Zuverlässigkeit. Nutzung und Bereitstellung erfolgt nach [PicoPeering Agreement][1]

Versuche am besten kein „Kaufgeschäft“ zu erwirken. Die Erwartung an der Zuverlässigkeit von Freifunk ist dann höher als sie eigentlich sein sollte und kann. Es wird immer mal Probleme geben die sporadisch auftreten sollte aber im Normalfall bestens funktionieren. Bei Problemen solltest du allerdings nicht in der Schusslinie stehen, es sei denn du gibst dich aufopferungsvoll der Service-Techniker Rolle hin…

Freifunk ist ein Zusammenschluss loser, ehrenamtlicher Bürger, die ein gemeinschaftliches Netz aufbauen und Ihren Internetanschluss teilen. Mehr nicht. :blush: [1]: http://www.picopeer.net/PPA-de.html

Man sollte vielleicht dazu noch erwähnen, dass ihr ja zuerst die angesprochen habt, die ihr kennt, um erste Erfolge zu haben und die Mundpropaganda ans laufen zu kriegen. Danach kennen sich die Gastronomen alle und überzeugen sich auch gegenseitig.

Wenn man so einen Fuß nicht in der Tür hat, ist es sicher schwieriger :frowning:

Slippin’ Jimmy verkauft Freifunk, find ich gut :smiley:

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Möchte noch ergänzen: wir kommen vor allem in die Presse, weil wir Pressearbeit wie ich finde professionell betreiben. Kein selber auf die Schulter ömmeln, sondern ein ernstgemeinter Tipp an Community’s.

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Wenn man Freifunk „verkauft“. Auf wenige Punkte konzentrieren. 3 bis maximal 5,
Mehr überfordert definitiv JEDEn GesprächspartnerIn!

Und wie oben angsprochen, klaren Deal:
„Sie bekommen ein rechtlich sicheres Wlan für ihre Kunden. Sie stellen den Router so auf, dass er auch auf die Straße funkt und spenden einen Teil ihrer Internetleitung. Wie schnell ist das Internet denn bei Ihnen und wieviel wollen Sie maximal abgeben, dass wir die Bandbreitengrenze im Router sinnvoll einstellen können.“