Mail mit Bitte um Plasterouter-Abschaltung bekommen - wie reagieren?


#1

Hallo zusammen,

ich bekam vorhin über die Kontaktmailadresse die ich bei meinem Node angegeben habe, eine Mail, offenbar von einem Anwohner/einer Anwohnerin. Die absendende Person bat darum, dass ich meinen Node bitte abschalten möge, weil sich offenbar gerade in den Abendstunden “zwielichtige Personen” in der Gegend aufhalten, und die Person sich daher nicht mehr vor die Tür traut.

Grundsätzlich habe ich überhaupt kein Problem damit, den Node abzuschalten, wenn es um die Sicherheit Unbeteiligter geht, auch wenn ich es sehr schade finden würde. Allerdings: Der Node steht nicht in gerade der besten Gegend, es ist hier doch ein ziemlicher Brennpunkt (Dortmunder Nordstadt). Die zwielichtigen Personen werden hier nicht verschwinden, nur weil ich den Node abschalte, gerade bei der aktuellen Wetterlage sind so oder so sehr viele Personen auf der Straße hier.

Vor allem: Ich sehe im Grafana von Freifunk Dortmund, dass in meinem Node allerhöchstens mal vier Clients gleichzeitig eingebucht sind. Wenn ich jetzt mal grob abschätzen müsste, wie viele Leute hier gerade auf der Straße…herumlungern, würde ich auf über 20 kommen. Die werden nicht schlagartig alle verschwinden, nur weil ich den Node abschalte.

Und darüber hinaus: Ich habe hier an diesem Standort schon relativ lange einen Node in Betrieb. Ein kurzer Blick in meine Amazon-Bestellhistory sagt, dass ich die erste Hardware für diesen Standort vor 4 Jahren gekauft habe. Es ist also nicht so, dass ich den Node erst vor 2 Wochen in Betrieb genommen habe, und dadurch eine Agglomeration zwielichtiger Gestalten verursacht habe.

Wie würdet ihr in dem Fall reagieren? Ich bin mir recht sicher, dass die Abschaltung des Nodes nichts an der Situation ändern würde, aber andererseits möchte ich auch nicht, dass die Person, die mir diese Mail geschickt hat, dann keinen guten Eindruck von Freifunk im Allgemeinen bekommt.

Ich bin mir sicher, dass dies nicht das erste Mal ist, dass Dritte sich aufgrund der beschriebenen Situation wünschen, dass Nodes abgeschaltet werden. Wie reagiert man auf sowas?


#2

Ich würde das Konzept von Freifunk einfach erklären und darauf Verweisen das nur ein paar Clients eingebucht sind das können ja die Nachbarn sein. Du kannst ja auch mitschreiben das du diesen Knoten schon seit einigen Jahren betreibst du das sich die Situation nicht verbessern würde wenn du dein Freifunk Router Abstellst.

Man könnte auch Reagieren wie die Meisten Firmen und deren Kundenservices einfach aussitzten und Ignorieren.


#3

Da ich das Aussitzen einiger Kundendienste nicht so toll finde, habe ich der Person gerade eine freundliche Mail geschrieben, in der ich genau das geschildert habe. Mal abwarten, was da so kommt. Offenbar hat die Person das aber auch schon an Freifunk Dortmund hocheskaliert, aber ein Bekannter der da etwas aktiver ist, sieht das genau so lässig wie ich - und du offenbar auch.


#4

Siehe auch die Diskussion in

Zum konkreten Fall:

  1. prüfe, ob sich die Mailadresse und der exakte Standort vielleicht etwas “generischer” gestalten lassen
  2. beobachte, ob die vorgebrachte Argumentation in die Klasse “besorgniserregende BürgerInnen” fällt. Und wenn ja, versuche dann NICHT mehr dagegen zu argumentieren, sondern ignorie ab dann alle weiteren Anfragen.

#5

Sowas würde ich lässig nehmen solche Leute haben scheinbar Langeweile. Alle wollen Offenes WLAN haben und wenn es dann mal da ist, ist es auch wieder Falsch.

Sollte ich sowas mal bekommen gibts da ne Automatische Antwort vom Server das die Email eingetroffen ist mehr wird da nicht kommen. Sowas Landet eh alles im Spam Postfach.


#6

Wir hatten dazu mal eine Option »Nachtruhe« in der Firmware; der Knotenaufsteller konnte das anklicken und cron sorgte dafür, daß zwischen 22 und 6 Uhr das AP-Signal deaktiviert wurde.
Hintergrund war ein ähnlicher; Knotenaufsteller (diese sind in der Nachbarschaft ja schnell bekannt) wurden angesprochen, daß wegen des Freifunks nachts »mehr Publikumsverkehr« angezogen würde; und um 1 Uhr reicht hier auch ein Skypender in der Fußgängerzone, um den Lärmpegel spürbar anzuheben.
Da die offensichtliche Lösung – mehr freie WLAN-Zugangspunkte – nicht so einfach umsetzbar war, war die pragmatische Lösung die zeitgesteuerte Abschaltung des AP-, nicht aber des Mesh-Signals. (Besser für das Netz als wenn die Leute mit Zeitschaltuhren kommen.)


#7

Interessanterweise ging so eine ähnliche Mail auch in Hannover ein.
Der Autor meinte, er könne nicht mehr bei offenem Fenster schlafen, weil die Leute ziemlich laut telefonieren würden, seine Frau und seine Tochter würden sich außerdem nicht mehr alleine vors Haus trauen und es würde immer mehr Müll liegengelassen.

Auch bei uns meldet das Grafana allerdings, dass dort nur wenig los ist, insbesondere in den Nachtzeiten, die angesprochen wurden, ist die Anzahl an eingeloggten Clients relativ statisch und ändert sich die ganze Nacht nicht, was wohl eher untypisch für WLAN-Nutzer ist.

Was am Ende daraus geworden ist, weiß ich nicht. Die Mail ging erst an uns als Freifunker, bevor über den Kontakt der eigentliche Inhaber des Knotens angeschrieben wurde. Ich kann nur sagen: Der Knoten existiert noch und läuft noch.


#8

Das Thema ist bei uns in Dortmund im Ticketsystem gelandet. Ich habe den Autor auf unsere Treffen hingewiesen und das die Auslastung des Knoten Menschenmengen nicht vermuten lässt.


#9

Naja wenn die Leute zu Laut telefonieren soll er sich an Vodafone/Telekom/O2 wenden das die Nachts alle Sendemasten abschalten :wink:
Dann telefoniert keiner mehr …


#10

Ich schätze, dass zumindest vermutet wird, dass sie via Freifunk VoIP nutzen. Aber ja, mir brauchst du das nicht erzählen, ich halte das auch nicht für sinnvoll :wink:

Mir ging es eher darum, zu berichten, dass sich nicht nur um einen Einzelfall in Dortmund handelte, sondern wir sowas in Hannover gerade vor kurzem auch hatten.


#11

Ich bin ziemlich erstaunt, mit was für Befürchtungen man als Freifunk Node Betreiber konfrontiert wird, zum Glück habe ich noch keine derartigen Mails bekommen. Ich finde es allerdings sehr gewagt, was da von Anwohnern für Zusammenhänge “konstruiert” werden ohne dafür handfeste Belege zu haben. Mir scheint, dass der eine oder andere Anwohner vielleicht einfach nur frustriert ist, dass von z.B. den Behörden nicht für Ruhe und Ordnung gesorgt wird und man entsprechend nach jedem Strohhalm greift bzw. einen “Sündenbock” sucht. Im Zweifel rückt das “Unbekannte” hier der Freifunk in den Fokus. Ich könnte mir vorstellen, dass dann Freifunk schnell mal in eine Ecke mit “Darknet” gestellt wird, weil man einfach uninformiert ist.
Wie dem auch sei, ich denke man sollte in jedem Fall die Kommunikation suchen, auch auf die Gefahr hin, dass man Argumenten u.U. nicht überzeugen kann.
Grundsätzlich sähe ich die Abschaltung des WLAN Spots in den Nachtstunden als einen möglichen einvernehmlichen Kompromis an.