Die EU wird kostenloses WLAN fördern - Und Freifunk .. ?


#1

Moin Moin,

auf Golem wurde berichtet, WLAN soll von der EU gefördert werden.

Nun sehe ich darin eine relativ große Chance für Freifunk, wenn es tatsächlich zu den 15.000€ kommen wird. (pro Ort)
Aber überall sehe ich Bilder, in welchen kunstvoll die SSID “Wifi4EU” steht.

Welche Rolle spielt Freifunk darin?
Dürfen wir die Finanzierung nutzen, um Freifunk auszubauen?
Wer beantragt das, wann muss die Initiative ergriffen werden?

Weitere Infos gibt es hier:

Mich würde es mal sehr freuen, wenn hier Leute mit mehr Ahnung mal eine große Aufklärung leisten können, es gibt wahrscheinlich sogar einige Communitys, die das wahrscheinlich einfach verpassen würden.

Zudem ist auch die Rede in einigen Stellen von “Gemeinden und öffentliche Einrichtungen sollen sich nun direkt über ein Online-Portal für Internet-Gutscheine bewerben können, mit denen bis zu 100 Prozent der Anfangskosten abgedeckt werden sollen.” (Aus dem Golem-Artikel)

Online-Portal und Gutscheine - Bin ich der Einzige, der rein garnichts dazu findet?

Wenn Freifunk das in Anspruch nehmen kann, so sollten wir sowas doch sofort nutzen!

Müssen wir dann die WLAN-Netze, welche wir darauf aufbauen, alle in “Wifi4EU” umbennen?

Wird aus der Förderung “ein Konkurrent” auf dem Markt der freien WLAN´s?
Freifunk hat ja schließlich Vorteile, welche ich mir bei Wifi4EU nicht denken könnte. (das jeder mitmachen kann, Mesh etc.)

Wer klärt auf, wer ergreift die Initiative?
Ich fühl mich da ein wenig allein, wäre super, wenn da mal jemand ein wenig weiterhelfen könnte :wink:


#2

Ich sehe KEINERLEI Chance, dass da auch nur ein Stück mit Freifunk laufen wird.

Bitte versuche zu verstehen, dass der Titel einer Initiative/eines Gesetzes nicht gleich dem Ziel ist.
Nur weil etwas auch anders/besser/sinnvoller zu erreichen ist was “oben drüber” steht, heisst nicht, dass das so gemacht werden soll.

Wie Du schon sagst: Es geht nicht um freies Wlan, es geht um ein Konjukturpaket für limitiertes Gratis-Wlan mit kostenpflichtiger Upgrademöglichkeit.

Vermutlich Huaweil, Lucent und die großen Carrier, also die nationalen und internationalen Broadband-Provider plus Mobilfunkanbieter.


#3

So wie du das schreibst klingt das direkt so negativ :slightly_frowning_face:
Ist es das, was Erwachsene die “traurige Realität” nennen?

Also alle Vorfreude weg und wir sind wieder bei null?
Bzw. genau dort wo wir vorher die ganze Zeit waren?


#4

Ich weiss ja nicht, was Du so bei Freifunk machst, ber ich bin nich bei Null.
Und ich denke, dass ich damit nicht der einzige bin.


#5

Einheitlicher EU Login (mit persönlichen Daten’?!’), ich glaube da spricht so ziemlich alles bei Freifunk gegen ein solches Model. Aber vielleicht ist es für einige Behörden ein Grund sich gegen Freifunk zu entscheiden, schließlich kennen die meisten nicht den Unterschied zwischen Frei, Kostenlos und Freibier.


#6

Man kann der Politik auch zugute halten, dass sie durchaus in der Lage gewesen sein könnten, z.b. aus dem “100-Dächer-Programm” des Landes NRW ein Fazit zu ziehen, das in die Richtung geht

  • Freifunkende sind Ehrenamtler und damit bei Geschäftszeiten wie auch in den Prozesswegen kaum kompatibel mit Verwaltungen und Immobilengesellschaften
  • Freifunkende möchten das Hobby nicht zum Beruf machen und lassen sich so kaum in ein straff strukturiertes Projektmanagement mehrerer Dienstleister einspannen
  • Freifunkende sind auch nur Menschen. Wenn erkennbar Unfug organisiert wird (aus der Freifunk-Sicht), dann schwindet die Motivation schnell, wenn es nicht mit hinreichend viel Geld (in Form von Gehalt und Sozialleistungen) aufgewogen wird, das trotzdem täglich zu ertragen.
  • Freifunk-Projekte können in der Regel weder SLAs, noch auch Absicherungen für Projekte anbieten.
  • Selbst die Teilname an Ausschreibungen stellt so ziemlich jede Freifunk-Community vor kaum überwindbare Probleme.

Will sagen: Wir haben bei Freifunk nicht die Personalstärke, um soetwas zu stemmen.
Und wir “zahlen” (oder wie auch man die Inzentivierung nennen mag) zu schlecht, als dass sich das nennenswert viele Leute freiwillig länger als nur ein paar Monate antun. Zumindest um wesentlich mehr zu tun als wir heute schon machen.

Nun gibt es zwar auch viele Beispiele von Projekten, die trotz aller Rahmenverträge, vereinbarten Konventionalstrafen etc. kollosal vor die Wand gefahren wurden.
Was aber nicht heisst, dass Verwaltungen als Konsequenz deshalb darauf verzichten dürfen bei der Verwendung öffentlicher Mittel zukünftig auf “lästige Formalien” zu verzichten. Stattdessen werden Regeln angepasst, präzisiert und dabei eben auch ggf. drastisch verschärft.


#7

Ich würde die Welt nicht zu schwarz sehen und wenn jemand wirklich an das Geld will, es einfach mal probieren.

Man kann solche bürokratischen Vorgaben auch relativ einfach wegargumentieren: „Ja wir unterstützen den einheitlichen Login.“ Fertig :wink:


#9

Bei unserem letzten Community-Treffen war jemand, der sich wohl mit den politischen Prozessen durchaus auskennt, und da auch Einblicke hinter die Kulissen hat. Ich versuche mal in etwa die Informationen zusammenzufassen.

  • Wifi4EU soll anscheinend das amtszeitsdefinierende Prestige-Projekt des neuen Digitalkommissars werden (der Nachfolger von Oettinger). Daraus folgt, dass hier nicht nur ein Strohfeuer brennt, sondern dieses Projekt durchaus forciert wird. Es ist also für jede Freifunk-Community ratsam, sich zu überlegen, wie damit umgegangen werden soll. Dass es vor Ort irgendwann relevant wird, ist mittelfristig wahrscheinlich, weil halt langfristig jedes Kuhdorf angebunden werden soll.
  • Bei dem gesamten Projekt sind bisher nur absolute Eckpunkte entschieden. Es ist wirklich angedacht, die technisch und aus Nutzersicht optimale Lösung zu finden. Dabei soll auch mit wirklich jedem geredet werden. Angeblich sitzen Freifunker auch schon am Tisch (weiß da jemand was konkretes?)
  • Das bedeutet: Es ist vollkommen offen, ob Wifi4EU nicht auf Grundlage irgendeiner Technologie auch ein Mesh-Bürgerdatennetz aufspannt. Wenn hier Freifunker den Fuß in die Tür kriegen kann man da vielleicht auch Lobbyarbeit machen, um das Picopeering-Agreement ganz oder zumindest in Teilen unterzubringen.
  • Es ist wahrscheinlich, dass auch Außenstehende bei Wifi4EU teilnehmen können sollen.

Auf der Grundlage (falls die Sachlage so stimmt, kann ich nicht beurteilen) noch ein paar persönliche Überlegungen von mir:

  • Ich halte für wahrscheinlich, dass in diesem Fall auch Gesetzgebungsprobleme schnell gelöst werden. Wenn Wifi4EU kommen soll, und man da auf Probleme mit z.B. der Störerhaftung stoßen sollte, dann wird eine EU-Regelung kommen, die Deutschland dann einfach umsetzen muss.
  • Ich denke, dass auch bei einem ambitionierten finanzstarken Projekt Netzwerkeffekte eine enorme Rolle spielen werden, und diese spielen eben gegen den Newcomer Wifi4EU. Verwaltungen und öffentliche Organisationen wird Freifunk vermutlich verlieren, aber ob Privatpersonen nun zu Wifi4EU switchen ist ne ganz andere Kiste. Also keine Panik.

#10

Naja, mit der Zeit wird man gelassener. Wir haben hier praktisch einen Verein 2016 für die Stadt gegründet um den politischen Entschluss der Freifunkunterstützung aus 2015 umzusetzen. Dennoch muss für jede Schraube in einem öffentlichen Gebäude eine Ausschreibung gemacht werden, wie uns kürzlich vom Hochtiefbauamt mitgeteilt wurde. Und das zieht sich alles wie Kaugummie. Deshalb wollten wir erst einmal die halb öffentlichen Gebäude anbieten. Letzter Kontakt zum Amt hatten wir vor 3,5 Monaten, dann war erst einmal 3 Wochen Sommerurlaub des Beamten und er wollte uns Kontaktdaten und direkte Ansprechpartner vermitteln und seit dem regiert das Amt gar nicht mehr… Personal für ein professionelles Angebot habe ich (mich eingeschlossen) natürlich nicht, denn die meisten aller Kern-Freifunker gehen einer geregelten Arbeit nach, wenn sie nicht gerade studieren. Aber das hat Adorfer oben schon gut zusammen gefasst.


#11

Alle Bewerbungen sind storniert worden. Gibt es ein Umdenken, oder nur eine Panne?


#12

Hier steht ein bisschen was, ich kanns leider nicht verlinken, daher als Quote

19.06.2018 - Widerruf des ersten Aufrufs für das WiFi4EU-Programm

Der erste Aufruf des WiFi4EU-Programms, welcher am 15. Mai 2018 erging, wird widerrufen.
Kommissarin Mariya Gabriel gab am 14. Juni bekannt, dass die erste Ausschreibung für WiFi4EU-Gutscheine zur EU-Finanzierung von kostenlosen drahtlosen Internet-Hotspots im öffentlichen Raum wegen eines technischen Problems abgesagt werden musste. Die Gutscheine aus dieser ersten Bewerbungsrunde werden dem Budget für die nächste Ausschreibung hinzugefügt. „Die Kommission hat einen Fehler in der von den Auftragnehmern gelieferten Software festgestellt. Dieses Problem erlaubte es einigen Kommunen, sich in gutem Glauben zu bewerben, bevor die Ausschreibung eröffnet wurde, während es andere daran hinderte, dies zu tun, nachdem die Ausschreibung eröffnet worden war“, erklärte Gabriel.
Bereits kurz nach dem Ergehen des Aufrufs gab es auf dem Portal WiFi4EU die technischen Probleme. „Die Kommission legt großen Wert auf die Grundsätze der Fairness, Transparenz und Zuverlässigkeit. Da diese technische Frage alle Kommunen daran gehindert hat, sich gleichberechtigt zu bewerben, habe ich meine Dienststellen gebeten, diesen ersten Aufruf abzubrechen. Die Gutscheine aus dieser ersten Bewerbungsrunde werden dem Budget für die nächste Ausschreibung hinzugefügt“, so Gabriel weiter.
Falls eine Gemeinde auf dem Portal schon erfolgreich registriert ist, erhält diese von der Kommission per E-Mail eine Information über die Wiederinbetriebnahme des Portals und den Termin der nächsten Aufforderung zur Einreichung der Anträge. Eine erneute Registrierung ist in diesem Fall nicht notwendig.
Weitere Informationen finden Sie auf der Website www.wifi4eu.eu
Wir werden frühestmöglich über den neuen Termin zur Aufforderung informieren.

Quelle


#13

Ja, heute wurde Teil 3 noch nachgereicht von der EU. Etwas später. WiFi4EU aktuelle Meldungen, Teil 3 (Stand 19.07.2018) | EU-Fördermittel-Plattform


#14

Da ich die genauen technischen Anforderungen noch nicht gefunden habe…

Spricht etwas dagegen fürs erste Freifunk parallel mit anzubieten und dann nach Ablauf der Mindestlaufdauer die (passend gewählte) Hardware zu verfreifunken?


#15

Nein geht. Es kann auch freifunk parallel mit ausgestrahlt werden… Ist kein problem nur muss der rest erfüllt sein.


#16

Da gibt es unterschiedliche Meinungen zu.
Zumindest habe ich @gbAc auf dem Freifunktag in Aachen letzten Monat so verstanden, dass das eben gerade nicht mehr geht in der aktuellen Planung.


#17

Es muss da wifi4eu mit allen Funktionen (Verschlüsselung und so da sein) aber da steht nichts da es kein weitere essid die nicht kommerziell ist mit ausgestrahlt werden darf… Aus einen anderen vlans…


#18

Soweit ich weiß, soll nur genau ein WLAN ausgestrahlt werden. Die wollen doch ihren Authentifizierungsrotz durchsetzen. Da wäre ein Billig-VPN kontraproduktiv.


#19

Es muss das eine ausgestrahlt werden von mehr steht da nix…


#20

Und Zack hier die Liste
https://ec.europa.eu/newsroom/dae/document.cfm?doc_id=55966