Ein paar Systemunterkunfts-Lehren aus den letzten Wochen

Ganz persönliche Erfahrungen und Meinungen. YMMV

  • Wenn auf 2,4GHz im Hochhaus-Gebiet die Luft voll ist, dann hilft für eine Richtfunk-Anbindung auch keine Stock-Firmware, kein WDS, WPA2 oder Tmax (oder wie auch immer der jeweilige proprietäre Herstellerstandard heisst).
    Wenn voll dann voll. Dann kann man sich nur noch aussuchen, wie schlecht die Latzenz und wie niedrig die verfügbare Brandbreite werden soll bevor Pakete verworfen werden. Batman macht dann aus einem 150m-Link bei freier Sicht nur eine TQ von 72-85%. → 5GHz für Richtfunk im urbanen Beereich unabwendbar
  • Die Fertigungsschwankungen bei CPE210 (HF und Stabilität) sind so groß, dass meine anfängliche Begeisterung komplett verpufft ist.
  • Wenn man bei Skizzen und Aufzeichnungen hudelt, dann hat man 3fache Arbeit hinterher.
  • Pläne mit Himmelsrichtungen versehen. Immer
  • Raumnumerierungen müssen nicht zwangsläufig in anderen Blöcken/Etagen identisch sein, insbesondere nicht bei „spielgelbildlichen“ Flügeln.
  • Die Aussage „es gibt keinen Kabelweg auf’s Dach“ sollte von mindestens 2 Personen bestätigt werden, die beide auf dem Dach gestanden haben
  • PowerLAN ist eine teure Möglichkeit, im Tagesverlauf abbrechende Links zu bekommen. Offensichtlich reicht ein einzelnes störendes Netzteil irgendwo an der falschen Stelle, um gute Links komplett zusammenklappen zu lassen, selbst bei der derzeit aktuellen „1200MBit/s“-Generation. Für den Preis kann man sich einen Haufen 841er hinstellen, die bei deaktiviertem Client-AP auf einem „separaten“ Kanal (z.B. CH13) nur Meshnetz machen. Und Strom spart es im Vergleich zu den Powerlan-Heizkörperchen auch noch.
  • uci set $sonstwas;uci commit; sleep 10; reboot; exit sorgt nach wie vor noch regelmäßig für hängende Router. Was auch immer da das FS nicht richtig synced, es ist blöd, wenn man remote bei 50 routern Einstellungen ändern lässt und dann jedes Mal 1-2 beim reboot nicht wiederkommen.
    uci commit; (sleep 240;reboot)&>/dev/null;exit hat sich aber bewährt. (Ja, das liest sich genau so schlimm wie es sich anfühlt.)
  • gute Patchpanel („die mit Staubschutz“) kann man so stecken, das Kabel klicken und rasten, aber keinen elektrischen Kontakt haben.
  • Wenn beim Ausrollen von Routern einzelne Geflüchtete zusätzlich einen Router haben möchten (auch wenn weder der Plan das vorsieht, noch es überhaupt sinnvoll wäre): Plant dafür 1-2 Router ein. Interessierte Leute bergen immer das Potential zum aktiven Freifunkenden und können sich als Router-Hausmeister ihre Sporen verdienen.
  • Wenn Ihr am Ende der Installation noch Material übrig habt und ihr schon mit einem Refugee zusammen arbeitet: Lasst das Zeug dort (so er es denn lagern mag). Allein wenn es in den Folgetagen doch noch benötigt wird und das jeweilige Team dann erstmal die Ware wieder von sonstwo her ankarren muss (Umweg, Zeitverlust, Termin erst in x Tagen): Sehr ärgerlich.
  • Nehmt immer auch etwas Werkzeug mit, mit denen man ggf auch ein Fahrrad reparieren könnte. Sobald Leute mit Werkzeug gesichtet werden dauert es nicht lange bis ein Kinderfahrrad auftaucht bei dem ein Sattel eingestellt oder Lenker festgezogen werden muss.
  • Microtrenching „guerilla style“ funktioniert nicht. Selbst wenn die Pflasterung noch frisch ist. Das geht allenfalls, wenn man jemandem „Vom Fach“ dabei hat.
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@frankth hast du lust für das nächste mal eine Checkliste zu machen ?

Hatte ich in Site Phasen + Planung Template - Google Sheets
mal angefangen. Phasen und dafür notwendige Aufgaben sind beschrieben. Ich bin der Meinung, das müssen wir das nächste mal etwas feiner und noch detaillierter ausfüllen + durchführen.

Feel free to change add…anybody

Dazu reicht es offenbar schon, dass man den Anschein macht, man sei ansprechbar. Wir (= ein paar „Gutmenschen“, die die Welt etwas schöner machen wollen - nix Freifunk-related) haben vor einigen Wochen eine Grillfeier in einer Übergangsunterkunft in MG organisiert. Ich stand den ganzen Nachmittag/Abend mit Zange am Grill und hätte in der Zeit auch drei Räder reparieren können - wozu die Grillzange dann leider nicht geeignet war. :wink:

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Noch ein paar Punkte:

  • Wenn Gebäude von außen befunkt werden sollen und es keine Möglichekeit gibt, Router auf’s Dach per Kabel mit Routern drinnen zu verbinden: Lasst es. Der Frust (bei Freifunkenden wie bei Clienten) steht in keinem Verhältnis zum Nutzen.
  • Wenn ihr APs anschliessen wollt, nehmt auch drinnen POE, notfalls umrüstungen? Warum? Weil es sonst abstruse Verteilersteckdosen-Anklebe-Lösungen gibt. Die noch teuer sind, schlecht aussehen und jede Elektrofachkraft zum Stirnrunzeln treibt.
  • Niemand braucht in Unkterkünften SFTP-Cat6e oder Cat7 für Freifunk… für die Bandbreite. Für die Robustheit zum Kabel-Ziehen jedoch schon. Gerade wieder gestern zwei defekte Kabelstrecken mit „überdehntem“ CCA (Cat5 UTP) gehabt, wo es zwar POE, aber keinen Ethernetlink gab.
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Magst Du, @adorfer, nicht die drei guten Punkte noch in Deinen ersten Beitrag reineditieren?

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