Freies WLAN - ein Freibrief für unrechtes

Mich interessiert Eure Meinung. Ich möchte keinen Streit.
Es geht um zwei Fragen, die mir gestellt wurden, die ich hier weiter geben möchte (in der leisen Hoffnung, dass auch die richtigen mitlesen :sunglasses:).

Danke schon mal.

Ich stelle die Fragen hier mit Absicht so, wie sie mir gestellt wurden:

Ist anonyme Nutzung des Netzes nicht ein Freibrief für unrechtes Verhalten?

Wenn jemand einen öffentlichen Zugang missbraucht, kann dieser ermittelt werden?

Bisher klappt es zumindest auch so. Wer anonymen Internetzugang braucht für Straftaten, kann sich die aus Funk und Fernsehen bekannten Wegwerfhandies kaufen. Zumindest wollte bei Discounter-Prepaid noch nie jemand einen Ausweis sehen.

Insofern kein Problem von freiem WLAN alleine.

Mir wäre WLAN nicht anonym genug, wenn ich nicht per MAC-Fälschung meine Wiederfindbarkeit verhindern könnte. Freibrief ja, aber eingeschränkter als anonymer Mobilfunk. Ne Kiste Billighandies+anonyme SIMs = perfekte Anonymität.

Erstens, Freifunk bietet nicht wirklich Anonymität. Insbesondere nicht für Smartphones, wo sich die Macs nicht ändern lassen.

Zweitens gibt es viel einfachere Wege, Tor, um echte Anonymität zu erlangen.

Und drittens verhält sich Freifunk da exakt so, wie es das Bundeswirtschaftsministerium vorsieht. Nur halt keine alberne Vorshaltseite und wer glaubt, dass die böse Dinge seitens jemandem verhindert, der das ernsthaft vor hat, sollte da nochmal drüber nachdenken.

Grüße Matthias

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Naja, man sollte es anders herum sehen:

  • Wer Straftaten begehen will, der benötigt dafür keinen Freifunk. Das geht bequem vom heimischen Anschluss aus - siehe die Diskussion um Hasskommentare. Da benutzen Leute ihre Klarnamen, um strafbare Äußerungen im Netz zu tätigen.
    Wer clever ist, nutzt TOR oder ähnliche Techniken. Das geht an jedem Anschluss - es dauert keine fünf Minuten, bis ich von „Otto-Normalsurfer“ zum nicht mehr nachverfolgbaren TOR-User geworden bin, der Waffen kaufen oder Straftaten planen kann, ohne, dass jemand dies nachvollziehen könnte.

  • Verschlüsselung ist heutzutage selbstverständlich geworden. Jeder 0815-Messenger aus dem Appstore verschlüsselt seine Kommunikation End-to-End. Auch hier braucht es nicht erst den Freifunk, um ein Abhören zu erschweren oder gar unmöglich zu machen.

Manche Communities vergeben weltweit gültige IPv6-Adressen. Unbedarfte Straftäter sind damit eher zu schnappen, als sie es an manchem Hotspot wären. Auch im nachhinein, weil die Adresse ja im Protokoll des Angegriffenen steht.

Und ersthaft betrachtet gilt das was oben schon geschrieben wurde. Anonymer Zugang geht einfacher, bequemer und performanter, auch innerhalb von Deutschland, außerhalb ist es eh kein Problem.

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Nein. Und weil wir hier innerhalb der Freifunk Community sind: Freifunk ist kein anonymisierungs Dienst.

Ja. Zumindest der Freifunk Rheinland e.V. als einer der größten Datenschubser im Freifunkbiotop muss und wird sich an geltendes Recht halten und mit Ermittlungsbehörden zusammenarbeiten sofern es dafür eine gesetzliche Grundlage sowie eine richterliche Anordnung gibt. Das wurde seitens der Verantwortlichen hier schon mehrfach kommuniziert.
Wer also tatsächlich mit dem Gedanken spielt, ein Freifunknetz für kriminelle Machenschaften zu nutzen, dem kann ich guten Gewissens davon abraten.

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Den Punkt von @rgr finde ich richtig gut, den muss ich in meine Argumentationssammlung aufnehmen.

Das beendet endlich den Mythos der Anonymität. Danke dafür!

Es käme auch keiner auf die Idee zu behaupten, dass öffentlich zugängliche, nicht überwachte Briefkästen der Deutschen Post kriminellem Verhalten Vorschub leisten. Auch dort könnte man fordern, dass Briefe erst nach Anmeldung eingeworfen werden.
Wie bei Freifunk ist beim Postweg die kriminelle Nutzung (Erpressung, Wirtschaftskriminalität, Briefbomben etc) nur eine kleine Untermenge aller Nutzungsmöglichkeiten.

Jemand der etwas kriminelles über das Internet tun möchte wird sicher nicht vorrangig das nicht anonyme Freifunk-Netz nutzen, sondern sich eher um echte Anonymisierung, Standortverschleierung etc bemühen.
Ich denke im Fall der Fälle würden alle Freifunkgruppen mit den Strafverfolgern zusammen arbeiten und die technischen Möglichkeiten ausschöpfen um einem echten Verbrecher habhaft zu werden.

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Ja das tut es in der Tat.

Aber wir sind ja im Freifunk. Und wenn man in einem Netz NICHT anoym ist, dann im Freifunk.
Die Überwachungsmöglichkeiten in Batman-Netzen sind selbst in Communities ohne PublicIPv6 so grandios, dass es der Traum einer jeden „Polizeigewerkschaft“ sein sollte.

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Diese Frage bekomme ich auch immer wieder gestellt. Ich verweise dann darauf, dass wir nur die Wege ins Internet bauen und nicht versuchen illegale Handlungen zu unterstützen. Mit Autobahnen und Bundesstraßen nehmen wir auch in Kauf, dass jemand dadurch Straftaten verüben kann. Jede Art von Dienst kann missbraucht werden, aber der positive Nutzen von Freifunk überwiegt bei weitem alles, was man Verwerfliches damit anstellen könnte. Im Endeffekt sehe ich die Dienste, die im Internet angeboten werden (Twitter, etc.), in der Pflicht sich gegen Straftaten zu sichern. Für die Sicherheit meines Gerätes bin ich verantwortlich. Dienste, die innerhalb des Netzes angeboten werden, werden auch nicht extra durch Freifunk geschützt wie es z.B. TOR versucht.

Ich betreibe (ohne Freifunk) mehrere Hotspots only mit Filter. Bei OpenDNS kann ich in die Liste schauen was die Woche blockiert wurde. Dort ist selten was dabei was P2P/File sharing angeht. Ca 0,03%. Das Meiste ist Web Spam/ Adware. Obwohl das auch nicht gesagt ist das die Inhalte bedenklich sind.

Ein anderes Argument ist, dass man für die relevanten Bereiche entweder Server oder Botnetz braucht, beides ist keine typische Anwendung eines Clients im Freifunk.

Statistiken zur Internetkriminalität in Deutschland | Statista nennt als Nr 1 mit knapp 30% Warenbetrug. Verbreitung von Pornos liegt bei einem Zentel davon, ebenso die Urheberrechtsverletzungen.

Ich sag immer: Wär doch super, wenn die ganzen Straftäter vom Freifunk angezogen würden und dann mit ihrem Laptop im Auto vor dem Haus mit der Node sitzen. Dort sind sie dann einfach zu erkennen. Als Zeuge kann man sie da einfach mit dem Kennzeichen fotografieren und die vorbei fahrende Streife sie gleich einsammeln.

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Zitat: „Daten und Fakten zur Internetkriminalität in Deutschland

Das Tatmittel Internet spielte im Jahr 2013 bei 257.486 polizeilich registrierten Straftaten eine Rolle.
…“

Hm, zu Tatmittel Briefpost (Stalking oder Erpresserschreiben) bzw. Tatmittel Schuhwerk (Zutreten bei am Boden liegenden Opfern) finde ich gar nix in der Statistica-Datenbank - komisch :grinning:

Werden denn diese IPV6 Adressen nicht irgendwann auch wieder an andere Clients neu vergeben? Ich erhalte doch icht immer die gleiche IPV6, oder?

Bei den Communities die SLAAC machen schon, sofern Du das nicht selbst wieder per privacy extensions verhinderst.

Es war Herr Direktor Grün mit dem Laptop im Arbeitszimmer :stuck_out_tongue_winking_eye:

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Selbst wenn, in Zeiten von Browser-Finterprinting, Broadcast-Quakenden Dropbox-Clients (und seinen Geschwistern) ist man mit keinem User-bedienbaren OS anonym.
Die Liste der Dinge mit denen sich selbst die konseqten Tor-DDG-Nutzenden doch wieder ihrer Anonymität versehtnlich berauben: Episch.

Und ja, dank der Freifunk-Broadcast-Domain ist es wirklch trivial, Devices (und Leute) zu stalken.
Erstaunlich, dass es so selten vorkommt. Oder es wird nicht publik.

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