Freifunk in Südafrika?


#1

Ich hoffe, ich poste das in der richtigen Kategorie.

Ich war gestern in einem Township namens Langa in Kapstadt unterwegs. Zwar bietet die Bibliothek dort kostenlos Computer mit Internetzugang an, aber man kommt dann nur vor Ort ins Internet und muss auf einen freien Platz hoffen. Die meisten Bewohner haben auch Smartphones, aber es gibt keine kostenlosen WLAN-Hotspots und Datenvolumen ist ziemlich teuer (1GB = 10€).

Ich habe mich noch nicht genauer mit dem Thema auseinander gesetzt, aber generell würde hier offenes WLAN sehr viel Sinn machen. Bewohner könnten das Internet nutzen um zu lernen, Jobs zu finden und so weiter.

Gab’s vielleicht schonmal Bemühungen in die Richtung Freifunk in solchen Regionen aufzubauen? Ich könnte 100-150 TP-Link WR841N Router beisteuern.


#2

Wie auch immer das zu verstehen ist.
Allein ein die Tatsache, dass hier bislang niemand geantwortet hat, könnte darauf hindeuten, dass die direkte Beantwortung ein Minenfeld ist, in das man sich nicht ohne Zwang begeben möchte.

Primär wirst Du auch in Deutschland ein Problem haben, wenn sich hier jemand melden würde
“Ich würde gern Freifunk in Wumpershausen machen, hier gibt es noch gar nichts, ich habe hier 100 Stück 841er. Wer setzt mir die Supernodes auf und erklärt mir alles”

Da wäre vermutlich auch eine Mischung aus Crickets und tumblewheed…
Allein die Vorstellung, so eine Menge von 841er versorgen zu müssen und sich mit den Klagen bezüglich Instabilität auseinanderzusetzen: Wird nicht motiveren, den Braten überhaupt anzufassen.


#3

Wenn es um reinen Internetzugang angeht, würde ich dann eher mit OpenWrt/Gluon selber eine image bauen (nicht für den 841, besorg dir lieber weniger, dafür dickere Router) mit mesh+batman, autoupdate mit eigenen Firmwareserver; sqm mit cake und autorate-ingress (schlechtes Internet?); dazu gekaufte Vpn Zugangangsdaten und mit eigenen ssh key ausstatten. Das wäre die sinnvollste Aktion die du Solo machen kannst.

Ich würde mich aber an deiner Stelle peinlich genau in die südafrikanische Gesetzgebung einlesen und notfalls ein Anwalt vor Ort fragen ob es geht. Nicht das freie Hotspots vor Ort irgendwie verboten sind und du dafür verknackt wirst.


#4

Hallo Leon,

war selber schon mehrfach in ZA. Die Idee und die Motivation ist klasse, besonders für/in Townships.

Da Du Dich offensichtlich hier im Forum neu angemeldet hast, und nicht klar ist, wie dein Wissensstand ist, hier ein vorauseilender Hinweis:

Seit geraumer Zeit stellt sich heraus, dass sich einige Router nicht nachhaltig für Freifunk eignen. Es handelt sich um Geräte mit nur 32 MB RAM und 4 MB Flash (32/4 oder 4/32). Leider zählt der TP-Link WR841N auch zu dieser Kategorie.

TP-Link WR1043 wären da eine gute Alternative. Zwar etwas teurer, dafür aber Freifunk-technisch deutlich nachhaltiger.

P.S.
Spanendes Thema. Werde das hier auf jeden Fall verfolgen.


#5

Jason und Bigfat, Danke für eure Antworten.

Zu meinem Wissensstand bzw. ein wenig über mich: Ich bin arbeite in einer Firma, die viel mit WLAN zu tun hat. Ich verstehe zwar einiges von der Technik, bin aber hauptsächlich für die geschäftliche Seite zuständig.

Die 841er haben wir früher in der Firma genutzt und sie liefen zumindest einwandfrei mit OpenWRT + batman. Die Hardwarekosten müsste man wirklich absolut minimal halten. Dort wird verständlicherweise geklaut ohne Ende. Ich war in einem Kindergarten zu Besuch, bei dem mehrmals eingebrochen und selbst die Mikrowelle geklaut wurde. Evtl. könnte man hier die Images so weit anpassen, dass die Router nicht ohne weiteres neugeflasht werden können. Erste Priorität ist defintiv: Erstmal Internet. Die Verbindungsqualität kann man später verbessern.

Tatsächlich ist ein VPN hier nicht notwendig. Störerhaftung o.ä. gibt es nicht. Also eher kein Freifunk Image benutzen und lieber etwas individuelles dafür bauen? Welche Voraussetzungen müssen die Internetzugänge haben? Wieviele bzw. welche Bandbreite benötigt man für 10 000 User?


#6

Dann ist die Frage, welche Funktionalitäten Du benötigst.

Also z.B. “wie wichtig ist Wifimesh”

Prinzipiell ist mann dann schnell bei einem tradionellen Setup der Zeit “Freifunk-Westdeutschland vor 2015” mit “Drones” und “Queens”, also so wie es afaik es Menschen in Berlin nach wie vor praktizieren.
(d.h. es gibt dort erprobte Firmware für Mesh mit lokalem Exit)

P.S. Und danke dass Du das “in so einer Region” mit etwas Substanz hinterfüttert hast, so dass man explizit drauf eingehen kann und nicht das Gefühl hat, in eine Falle eigenen Vorurteile gelockt zu werden.


#7

Gerade wenn du nur die 841er auf Lager hast, kommt leider nur image selbst bauen (ohne Luci) in Frage. Wenn du nur den Imagebuilder nutzt, ist es nach ein wenig Übung sehr einfach Images zu bauen. Egal ob Gluon, Openwrt oder Lede (Gluon oder Lede ist für den 841 eher zu empfehlen wegen kleinerer Kernel und Gluon hat sogar noch ein paar Tweaks bezüglich RAM verbrauch). Hier ein paar Beispiele zum abgucken:

Theoretisch lässt sich auch der Bootloader so ersetzen, dass du nur noch über serieller Schnitstelle oder gar Jtag rankommst. Empfehle ich leider nicht wirklich… Wie das geht musst du dann selber suchen :slight_smile:

Auch wenn es solche Gesetze bei euch nicht gibt. Einfach um sich Ärger fern zu halten würde ich ein VPN nutzen. Pro 841 würde ich nicht mehr als 15 User einplanen. Wenn viel geklaut wird lassen sich diese auch gut verstecken dank der Größe gut verstecken.


#8

Es gibt fertiges, z. B. libremesh oder Hedy, ich würde nicht from scratch neu anfangen — man kann die Probleme, die andere schon umschifft haben, ja einfach auslassen :wink:

841er (generell 32-MB-Kisten) sollten nicht mehr als zwei Handvoll Clients bedienen müssen; gut, das ist ein Gluon+fastd-Erfahrungswert (wo die Datenverkehre noch im Userspace vom/ins VPN umgepackt werden, nachdem sie durch batman durch sind); dennoch, mindestens NAT werden die Kisten machen müssen, auch das kostet CPU und RAM.
Andererseits, wenn Ihr die in der Firma schon mit OpenWrt & batman betrieben habt, habt Ihr doch sicher interne Vorgaben/Erfahrungswerte?

Bandbreite ist nutzungsabhängig (»ach?« :smile:), imho sollten je Anschluß mind. 10 MBit/sec verfügbar sein, damit es auch bei >10 aktiven Clients noch was zu saugen gibt. Allerdings kenne ich das Nutzungsverhalten in Südafrika nicht; hierzulande erwarten einige Nutzer ja, daß Netflix in UHD aus dem freien Äther purzelt. In Geflüchtetenunterkünften hingegen sind wohl eher Sprach-/Vidhierzulandeeochat interessant? Appetit kommt allerdings ggf. beim Essen.


#9

Es gibt offenbar schon entsprechende Projekte. https://www.htxt.co.za/2018/09/11/the-current-state-of-free-public-wifi-in-south-africa/


#10

Qaul.net macht auch sowas ähnliches. Waren 2016 auf dem WCW.

https://wiki.freifunk.net/Wireless_Community_Weekend_2016/Timetable

http://www.qaul.net/text_de.html