Gesucht: Freifunk in Flüchtlingswohnheimen

Hi,

bisschen spät, aber: In Dortmund ist das Flüchtlingsheim Adlerstraße mit Freifunk versorgt. Es sind mit großem Abstand unsere meistgenutzten Nodes, wie unschwer zu erkennen ist:

http://map.freifunk-ruhrgebiet.de/DO/graph.html

Ich war gestern nochmal da um ein paar Einstellungen an den Nodes vorzunehmen. Den Leuten, mit denen ich gesprochen habe, war der Internetanschluss extrem wichtig, und sie waren hochbesorgt, dass ich das Internet wegnehme als ich an den Nodes hantiert habe. Konnte sie aber beruhigen. :smile:

Freifunk wird wohl dort viel und gern genutzt um in Kontakt zu bleiben mit Skype, Viber etc.

In dem Zusammenhang habe ich ein Zitat aus einer Fragen & Antworten-Runde bevor das Heim aufgemacht wurde:

Die Flüchtlinge werden in der Einrichtung voll verpflegt, d.h. von dem „Hartz IV“ Geld wird ein Leistungsaufwand bereits abgezogen, übrig bleibt pro Erwachsener (!) ca. € 140,- Taschengeld im Monat, von denen sich die Flüchtlinge der Erfahrung nach Telefonkarten kaufen, um mit Daheimgebliebenen zu telefonieren.

Das hat mich dann doch sehr schockiert, weil es deutlich zeigt wie wichtig die Kommunikation für Flüchtlinge ist. Ich vermute diese wenige verfügbare Kohle landet bei zwielichtigen Call-Shops, während es eigentlich heutzutage kaum Kosten verursacht, ein paar Zeilen oder ein Gespräch um den Erdball zu leiten. Entsprechend kann man sich den Stellenwert von Freifunk da denken, zumindest für diejenigen, die ein Handy mit WLAN haben.

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Hallo @markusl,

danke für Dein Posting und Dein Engagement in dem Flüchtlingsheim, das finde ich wirklich großartig! :thumbsup:

In Witten habe ich diese Woche ein Flüchtlingswohnheim über einen persönlichen Kontakt besucht und weiß nun, dass es dort bisher keinen zentral organisierten Internet-Zugang gibt. Stattdessen sind dort nach Aussage der Bewohner und eines Verwaltungsmitarbeiters wohl öfter Vertreter von Subunternehmen von Unitymedia unterwegs und versuchen, die Flüchtlinge dazu zu bringen, irgendwas zu unterschreiben! Dabei handelt es sich um ein Übergangswohnheim und die Stadt versucht, den Menschen möglichst schnell eine Wohnung auf dem regulären Wohnungsmarkt zu vermitteln.

Die Familie, die ich besucht habe, kennt glücklicherweise Leute, die schon länger in Deutschland sind und ganz normal wohnen. Dort gehen sie dann ins Internet und halte per Skype & Co. Kontakt mit den Menschen in der Heimat. Sie hat also Glück, zufällig jemanden zu kennen.

Ich will nun unbedingt dort Freifunk etablieren! Das ist definitiv sehr sinnvoll! Montag werde ich das auf unserem nächsten Wittener Freifunktreffen ansprechen.

Viele Grüße,

Stefan

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Ja, ist in DO genau so.

Ich habe das Gefühl, dass das Thema Internet für Flüchtlinge von den Städten überhaupt nicht ernst genommen oder unreflektiert als unnötiger „Luxus“ angsehen wird. Ich halte das für ein Grundbedürfnis, erst recht in einem fremden Land und erst recht wenn man weiß, dass viele einen Großteil ihres Geldes für den Kontakt zur Familie ausgeben (müssen).

Bei den Helfern/Betreibern vor Ort wurden wir übrigens sehr freundlich und wohlwollend aufgenommen.

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Da ich die lokale Migrantinnenhilfe gern ansprechen möchte: Gibt es da von Eurer Seite irgendeinen Showcase oder eine Checkliste mit verschiedenen Modellen, wie man es anstellen kann. (Oder schlicht eine Aufstellung, in welche Fallen und Fettnäpfchen man besser nicht hineinläuft.)

Ich weise mal auf dieses Thema hin: Projektantrag für gemeinnützige Funkzellen

Da es anscheinend keine festen Kriterien für die Vergabe von Projektmitteln gibt, ist das ohne Garantie, aber man kann es versuchen. Persönlich finde ich Flüchtlingsheime förderungswürdig.

Puh, also ein paar Erfahrungen haben wir gemacht:

  • Freifunk ist schriftlich sehr schwierig zu erklären, ein persönliches Gespräch mit den Verantwortlichen bringt viel mehr. Referenzen sind gut um zu unterstreichen dass wir seriös sind. Viele Menschen verstehen wohl nicht warum jemand was mit Internet macht ohne kommerziellen Hintergrund.
  • Alle beteiligten Helfer hatten sehr sehr viel um die Ohren, täglich kommen/gehen Bewohner, Internet ist nur eine klitzekleine Baustelle von vielen, dememtsprechend lassen die nicht alles fallen und lobpreisen den Freifunk, man muss selbst im Auge behalten ob alles funktioniert und ggf. Verbesserungen notwendig sind.
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Letzter Satz ist wie ich finde das Hauptproblem um Freifunk an den Mann zu bringen. Oft habe ich das Gefühl ich müsse mich zuerst rechtfertigen bevor ich irgendwas erklären kann…

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Zudem kommt bei vielen Menschen dann „was nichts kostet, kann auch nichts vernünftiges sein!“. Ich bin auch schon daran gescheitert zu erklären, dass viele kommerzielle Anbieter technisch nichts anderes machen und dass man für einen WR1043 nicht 170€ bezahlen muss.

Sollten wir vielleicht die Kosten, die dem Verein entstehen, transparenter kommunizieren? Also nicht innerhalb des Forums, sondern gegenüber dem Endbenutzer.

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hallo … ich versuch grad nen artikel zu freifunk und flüchtlingen zu schreiben.
Würdet ihr Euren Stand bitte bis morgen da reinschreiben, falls es schon etwas zu berichten gibt.
http://pad.freifunk.net/p/berlin-flüchtlinge

Danke Monic

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@monic
Das Pad sieht ja schon vielversprechend aus. Ich freue mich schon auf das Ergebnis.
(Auf dem Frankfurter Stammtisch gestern Abend haben wir den den Angang von zwei weiteren Ortschaften verabredet, bei denen wir die Gemeinschaftsunterkünfte versorgen möchten. Eine Handreichung in Form einer Pressemitteilung wäre also durchaus hilfreich.)

@adorfer könntest du noch etwas konkreter werden? s. pad

@monic Du darfst gerne den Stand, den ich hier im Thread geschrieben haben übernehmen. Fragen beantworte ich gerne bzw. können von @Sven beantwortet werden, der die Nodes im dieser Dortmunder Unterkunft initiiert hat.

Leider vermag ich im pad auch nicht erkennen, was die konkrete Frage ist.

Ich hoffe schlicht auf eine Art Artikel/Pressemitteilung „von Freifunk“, der zusammenfassend umreisst, was FreifunkerInnen landauf/landab schon hinsichtlich „Kommunikationsprojekten mit Asylsuchenden“ gemacht haben.

Natürlich kann ich auch bestehende Presseartikel nehmen. Aber ein aggregierender Artikel ist meines Erachtens zielführender. Ist ja nicht so, dass Gesprächsparterinnen unendlich Zeit haben, sich einzulesen. (Und google news bedienen können sie ggf. auch noch selbst. Was sie für einen Background-Check vielleicht sowieso tun werden.)

Ja genau … aber ich weiß nix über die Dortmunder Initiative und etwas mehr Text wäre hilfreich … welche Orte plant ihr, habt ihr schon Kontakt, habt ihr Partnerorganisationen?

Welche Initiativen von Freifunkern gibt es noch?

Naja, Dortmund haben die Kollegen oben ja schon ausgeführt.
Was fehlt Dir dan an Info?
Mag jetzt blöd klingen, aber hier ist halt der Techie-Ansatz: Schrauben bis es ordentlich läuft. Und wenn’s hängt, weiterschrauben.
(Oder anders: Kaum hochschwingende Strategie-Diskussionen im Vorfeld. Und noch weniger EigenPR im Nachgang.)

Was zwei „West-Frankfurter“ planen ist noch überhaupt nicht in trockenen Tüchern. Da gibt es noch gar nichts zu berichten. Wir würden halt nur gern, haben aber Schwierigkeiten schon mit dem Uplink.

Was es gibt ist die Versorgung einer Unterkunft östlich von Frankfurt/Main in Maintal (afaik), die auf Initative der der dortigen Verwaltung zurück ging, weil man sehr gerne den BewohnerInnen dort Internet zugänglich machen wollte, aber seitens der Stadt nicht nur Angst wegen der Störerhaftung hatte, sondern vielmehr sogar noch vor „Staatschutz&Co“, falls jemand sich von dem Anschluss aus politisch extrem betätigen sollte. Und da kam Freifunk als Lösung wohl gerade recht.

@markusl @Sven Wie habt ihr das mit dem Internet-Spender gelöst? Wir stehen hier mit einem Verein zur Unterstützung der Flüchtlinge in Kontakt, aber genau diese Frage haben wir noch nicht gelöst.
Übrigens tolle Aktion!!!

Hier bei mir werde ich selbst der Spender sein. Ich benötige nur noch einen Standort auf dem Balkon eines 20stöckigen (ab 10. Stock aufwärts, mit Nordwest-Sicht), das kann dann Relais machen. Und die Entfernungen sind auch im Bereich unter 200m jeweils.

Also bei uns in Dortmund gibt es in jedem Flüchtlingsheim ein Büro in dem ein Team sitzt das sich um
die Flüchtlinge kümmert.
Da die ja irgendwie ihren Verwaltungskram machen müssen haben die dort auch einen Internetzugang.
Da der Freifunkknoten, ja zum Supernode tunnelt, gab es bisher keine Bedenken unseren Uplink dort anzuschließen zu dürfen.

Und seit dem wir dort einen TP841 durch einen TP 3600 Ersetzt haben, muss auch nicht mal mehr einer der Mitarbeiter, unseren Knoten zwischendurch kurz vom Strom nehmen und wieder anschließen. (der kleine war durch die vielen Nutzer vorort gerne mal überlastet)

Dabei sollte der Trägen des Hauses übrigens keine Rolle spielen.
In Dortmund werden die Anschlüsse glaube ich sogar von der Stadt gestellt (genaueres kann ich in Erfahrung bringen wenn nötig) jedenfalls weis ich das es sich um einen Dokom21 Anschluss handelt.

Sven

Sollten die Verantwortlichen keinen Internetzugang finanzieren wollen, besteht die Möglichkeit als „Freifunk Verein“ einen Zugang für die Unterkünfte anzumieten. Die Kosten könnten wir z.B. durch Crowd-Funding vorfinanzieren.