Rückgang von Communities - Rettungsleine?

Moin zusammen,

im Moment habe ich das (subjektive) Empfinden, dass es allgemein einen Rückgang der Freifunk Communities zu geben scheint.

Was wird denn konkret benötigt um das zu verhindern? Mir ist klar, dass nun bestimmt wieder wir brauchen Admins und aktive kommen wird. Das lässt sich aber wohl eher nicht bundesweit realisieren.

Was man aber machen könnte wäre Serverkapazitäten zur Verfügung zu stellen.

Bestehende (nicht gemeinnützige Vereine)* die ISP sind könnten doch Server für andere anmieten wenn diese die Finanzierung sicherstellen. So könnte man zumindest den Fortbestand sichern.

*Ergänzung am 19.11.19 um 14:27

Das war der Grund für die Gründung von Freifunk Rhein-Sieg e.V..
Damit haben wir aktuell ein Wachstum der Nodes/Communties, ohne dass jede Gruppe das Rad komplett neu erfinden muss.
Ist mit oft unangekündigten Änderungen machmal etwas tricky, die gemeinsame Map aktuell zu halten, aber es läuft.

Ich sehe da bei noch gemeinnützigen Vereinen eine weitere Gefahr für jenen Status, generell satzungs- und haftungsrechtliche Probleme. Zudem: warum siehst Du gerade in der Serverhardware ein Problem? Server anmieten kann doch praktisch jeder? Und wenn der Wumms erstmal läuft, ist der zeitliche Aufwand doch auch eher überschaubar?

Das stimmt aber nicht alle sind ja gemeinnützig.

Direkt da sehe ich nicht das Problem, aber das ist das Problem, was man am einfachsten lösen könnte.

Vielmehr frage ich:

Stimmt aber den Wumms Community spezifisch zum laufen zu bringen kann ja nicht jeder.

Zumal alle die Freifunk „nach Script x“ (egal ob nun Münster, Eulenfunk etc) an jeder Stelle anhören dürfen, dass sie doch gar keine echten Freifunkenden seien, sondern nur bessere Hotspot-Anbieter und Router-Verteiler. Sprich: Die Anerkennung für die Unterhaltung stabil laufende Backends hält sich in Grenzen.

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Du hast leider nur den gemeinnützigen Teil adressiert; Vereine sind an ihre Satzung gebunden, Anmietung für Dritte dürften wenige Vereine dort stehen haben.

Ferner hast Du „Aktivisten (gerne einige mit IT-Einschlag)“ schon genannt, und das ist halt in jeder Gruppe (e. V. oder auch nicht) das Problem. Ohne Menschen, die aktiv Vereinsarbeit machen, verdörrt die Gruppe; bei einem reinen Infrastrukturverein kann das ok sein, wenn der nur als rechtlicher Rahmen konzipiert wurde.

Und lokal Menschen zusammenbringen, das kann man nicht zentral leisten — Infrastruktur und Administration hingegen schon.

Hint: guck’ mal nach forum.ffrn.de, da wird nun schon monatelang diskutiert, wie’s weitergeht, nachdem sich die vormaligen ‚Macher‘ zurückgezogen haben (und der Gemeinnützigkeitsverlust droht). Scheint mir eine Blaupause zu sein; einige andere Gruppen sind auch schon weiter und augenscheinlich tot (Möhne?).

Was mit Backends ist ja auch kein Freifunk!!!11!

SCNR :slight_smile:

sad fact

ägm ne Kai wo liest du das?

Das finde ich schade und würde sowas gern verhindern.

So leid es mir tut:

Es mangelt an Admins bzw. an Admins (Vereine…) die gerne dezentral ihr Wissen weitergeben und ihr Netz so bauen das andere aktiv mitmachen können (dazu zählt NICHT Router aufstellen die dank Autoupdater am Ende sowieso unter der Kontrolle des Vereins/der Admins stehen).

Serverkapazitäten sind 0 Probleme, da gibts mMn mehr als genug im Überfluss (wenn man sich umguckt mit wieviel Gbit da gefühlt jeder 2. Verein umsich wirft).

Gruß
Christian

Je nach Region fehlt es ggf. auch einfach an Menschen, die ‚aktiv [am Netz] mitmachen‘ wollen — evtl. reicht es manchen ja auch, die Dorfstraße mit Bekannten per Mesh und 841ern in Tupperdosen abzudecken, und es muß gar keine Richtfunkstrecke über 40km sein. Das kann auch an der Altersstruktur der Gegend liegen.

Anyway, auch das anknüpfungsfreudigste Netz wird nicht wachsen, wenn niemand neue Knoten aufstellt. Was Autoupdater angeht: sie sind ein Angebot, i. d. R. abschaltbar, und für einen Knoten in der Lieblingskneipe imho auch deutlich praktischer als die Alternativen. Aber ich gehe insofern mit, die Gluon-Infrastruktur hat sicher Freifunk-Netze und -Communities begünstigt, die ohne Gluon nicht abgehoben hätten. Finde ich nicht schlecht. Nun konsolidiert sich dies in der Fläche — und könnte aufgefangen werden, auch dank Gluon.

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[quote=„ChrisD, post:10, topic:21507“] Es mangelt an Admins bzw. an Admins (Vereine…) die gerne dezentral ihr Wissen weitergeben und ihr Netz so bauen das andere aktiv mitmachen können [/quote] Es mangelt an Admins, weil Freifunk nicht mehr attraktiv ist. Früher hat es IT-affine Leute angesprochen, die davon träumten, überall in der Stadt (naja, an vielen Stellen wo sie selbst häufig sind) Internet zu haben ohne dafür teure Mobilfunk-Daten aufzubrauchen. Heute hat diese Zielgruppe meist vom Arbeitgeber oder privat satte oder unbegrenzte LTE-Datenpakete in der Tasche. Daher lockt das Freifunk nimmer, wenn man mit dem Tragtelefon daheim nimmer mehr das eigene (private) Wlan nutzt, weil „vergesse Wlan anzustellen“. Natürlich ist das dekadent und es gibt auch Gegenden, wo man sich eine deutlich bessere Freifunk-Abdeckung bauen sollte, wo aus dem LTE eben wenig kommt. Aber „für die meisten“ ist es eher die Ausnahme als die Regel.

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Ich würde sagen der Gedanke Freifunk als reines Zugangsnetz hat sich überholt und wird in der Form (wie aktuell geschehend) aussterben. Das ist nicht unbedingt etwas negatives, sondern ein notwendiger organischer Prozess, der für das Scheitern des aktuell verfolgten Konzeptes steht. Am Ende steht auch nicht selten ein Neuanfang. Das Zulassen eines Scheiterns schafft Raum für Erneuerung.
Aus meiner Sicht wird Freifunk zu seinen Wurzeln zurückkehren und wieder ein experimentelles Community Meshnetzwerk werden.
Sollte man Freifunk als Zugangsnetz wieder stark machen wollen sollte man den ISP Gedanken stärker in den Vordergrund rücken. Dann ist Freifunk aber nicht mehr der richtige Rahmen dafür. Ein Konstrukt wie NYC Mesh wäre denkbar.
Die Wege, die unter Anderem auch Akteure aus dem Backbone-Umfeld eingeschlagen haben, zeigen, dass richtig gemachtes Internet für die meisten eben ein interessanterer Spielplatz ist.

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Ich versteh ehrlich gesagt nicht, warum hier alle auf der Gemeinnützigkeit herumreiten. Soweit mir bekannt und so hat es das Finanzamt Münster auch für 2017 anerkannt, zahlt ein nicht gemeinnütziger Verein mit einem Gewinn von ≤ 8.820 €/a keine Steuern (Kleinunternehmen).

Es gibt auch Grenzen im Umsatz, aber da zählen Fördergelder nicht mit. 8k Gewinn muss man erstmal machen. Man darf halt nicht zu groß werden :grinning:.

Ein paar Server für ein paar Tausender im Jahr kann man also recht problemlos durch einen nicht gemeinnützigen Verein schieben, ohne dass man Steuern zahlen muss.

Ja. Aber es geht weniger um die Steuern als um die Spenden. Solange nicht wenige Spender ihre Spende an die steuerliche Absetzbarkeit knüpfen, ist das ein Thema.

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Dein Filter filtert falsch; um die Gemeingefährlichkeit ging es in der Minderheit der Beiträge und auch nur am Rande.

Ist das ein offizielles Angebot von infrastruktur.ms oder nur Deine persönliche Meinung?

Mit einer Satzung wie der des Freifunk Entenhausen e. V. (cut & paste einer existenten Satzung mit Verlegung des Ortes) …

  1. Zweck des Vereins ist die Erforschung, Anwendung und Verbreitung freier Netzwerktechnologien sowie Verbreitung, Vermittlung und Zugang zu Informationen und Wissen über Funk & Netzwerktechnologien in der Region Entenhausen.

  2. Weiterhin fördert der Verein ideell, materiell und/oder finanziell:

    b) die Schaffung experimenteller Kommunikationsinfrastrukturen sowie von Bürgerdatennetzen

… weiß ich nicht, ob man da einfach so, für Nichtmitglieder im Auftrag, »ein paar Tausender für ein paar Server« durchschieben kann. (Geschweige denn, ob Vorstand und/oder Kassenwart da gesteigert Bock drauf hätten.) Das wäre wohl mindestens Umsatz, und auf die Diskussion, welchem Satzungszwecke dies denn diene (»4. Die Mittel des Vereins dürfen nur für satzungsgemäße Zwecke verwendet werden. …« — zum Mittel des Vereins wird es doch durch die Überweisung auf das Vereinskonto?), hätte ich als Vorstandsmitglied jedenfalls keine gesteigerte Lust, nicht mal mit dem StB.

Sollte das alles viel unkomplizierter sein als von mir erwartet, würde ich darüber gerne mehr erfahren.

Naja, wir machen das so und wie ich auch ausgeführt habe, skaliert das Modell nicht. Aus steuerlichen Gründen.

Das mit dem »reinen Zugangsnetz« vs. »experimentelles Community Meshnetzwerk« sehe ich nicht; die vielbeschworenen »eigenen Dienste« haben sich meines Erachtens überlebt: da es alles »im Internet« gibt, ist der Bedarf für »eigene Dienste« obsolet geworden. Bürgerradio o. ä. ist rechtlich un- nur schwer möglich, der lokale Veranstaltungskalender steht im Internet, zu dem wenn, dann das lokale Bürgernetz einen Weg ebnen muß.

»Echtes selbstgemachtes Internet« macht Spaß, ja :wink: (Ist aber auch eine Nischenveranstaltung wie Amateurfunk — quasi Amateurinter.net ;)) Aber warum solle »Freifunk nicht der richtige Rahmen dafür« sein‽ Zitat freifunk.net:

Freifunk steht für freie Kommunikation in digitalen Datennetzen

Wir verstehen frei als öffentlich zugänglich, nicht kommerziell, im Besitz der Gemeinschaft und unzensiert.

Nur weil das Netz ›direkten‹ Internetzugang hat, verrät es doch keine der Ideale?

Die freifunk-Community ist Teil einer globalen Bewegung für freie Infrastrukturen und offene Funkfrequenzen.

Unsere Vision ist die Demokratisierung der Kommunikationsmedien durch freie Netzwerke. Die praktische Umsetzung dieser Idee nehmen freifunk-Communities in der ganzen Welt in Angriff.

Ich sehe in einem freien, offenen Netz mit eigener AS-Nummer jetzt direkt keinen Widerspruch zu den Freifunk-Zielen — eher im Gegenteil? Jedermensch kann, mit hinreichend Aufwand, ›eigene‹ IP[v6]-Adressen sich besorgen und selbst eine AS-Nummer ist machbar — beim Zugang zu den Peeringpunkten aber wird es dann ggf. schwierig, denn mit drölfhundertfuffzich Privatpersonen oder auch Vereinen möchte i. d. R. kein Austauschpunktbetreiber arbeiten müssen.

Das IC[-]VPN hat sich überlebt, da dank IPv6 überflüssig geworden; den Platz hat quasi der Community-IX eingenommen.

Und mit Richtfunkbackbones wird die Vision des bürgerschaftlichen Netzes Realität — die Tunnelei durch andere Zugangsnetze ist Starthilfe auf dem Weg dahin. Das ist doch nur Umsetzung der Freifunk-Ziele mit aktuellen Möglichkeiten?

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Nicht dein Ernst. Das IC-VPN hat den großen Vorteil, dass man keine 1400€ im Jahr an die RIPE zu zahlen braucht. Muss man auch erst mal reinholen.

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Aber sowas von!

Das IC-VPN hat den großen Vorteil, dass man keine 1400€ im Jahr an die RIPE zu zahlen braucht. Muss man auch erst mal reinholen.

Eine Netzzuteilung PIv6 (die aus mehreren /48 oder kleiner bestehen kann, sofern der Bedarf nachgewiesen werden kann) kostet die Sponsoring LIR (die freundliche LIR am Ende der Straße, oder möglicherweise macht’s auch der FFRL?) 50€/Jahr netto, tendentiell abzüglich Überschußrückzahlung, eine ASN nüscht.

Alternativ kann eine LIR auch aus ihrem v6-Pool Netze zuweisen, das kostet die LIR nix, ist schließlich ihre Kernaufgabe; das macht z. B. der FFRL (aber AFAIK nur für die Nutzung „hinter“ AS201701?). Der Förderverein hingegen vergibt ein /44 explizit für die Nutzung mit anderem AS (IPv6:Prefixe – wiki.freifunk.net).

Eine LIR ist nicht zwingend ein ISP, ein ISP muß nicht zwingend LIR sein. Die 1,4k€/Jahr netto kannst Du gerne ausgeben, Du kannst es Dir aber genausogut sparen.

Anyway, für die Kommunikation zwischen Netzen braucht man mit öffentlichen IPv6-Adressen keine Krücke wie das IC-VPN mehr.

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