Moin zusammen,
ich bin seit ca. 2019 bei Freifunk dabei und habe den damaligen Boom nicht mehr mitbekommen. Stattdessen habe ich viel Erfahrung beim von Übernehmen Gemeinschaften gesammelt, die sich aufgelöst hatten. Aus meiner Sicht sind folgende Faktoren für die aktuelle Situation ausschlaggebend:
Technische Komplexität und fehlende Vermittelbarkeit
Die Idee der Bürgernetze ist aus technischer Sicht faszinierend, lässt sich aber technischen Laien nur schwer mit einem direkten Nutzen vermitteln. Zwar ist es mittlerweile einfacher geworden, Firmware zu bauen und Server zu betreiben, dennoch bleibt das Thema eine absolute Nische, die ein tiefes technisches Verständnis und viel Zeit erfordert. Für Endnutzer ist Freifunk zwar großartig, aber der Betrieb ist einfach zu komplex, und es mangelt meiner Meinung nach an Community übergreifenden Best Practices.
Dezentralität als Hindernis
Es fehlt eine zentralere Infrastruktur für PR-Kampagnen. Im Vergleich zu politischen Organisationen muss jeder Freifunk-Verein in erster Linie alleine kämpfen. Ein höherer Organisationsgrad wäre hilfreich – etwa eine zentrale Arbeitsgruppe beim Dachverein, die sich um Promotion und Öffentlichkeitsarbeit kümmert. Es gibt bereits unzählige Diskussionen und unterschiedliche Meinungen darüber, wie man Freifunk technisch umsetzen sollte. Während sich manches wie B.A.T.M.A.N. durchgesetzt hat, ist anderes – wie etwa der Betrieb eines eigenen ASN – so divers, dass jede Organisation Spezialwissen benötigt.
Veränderte Zielgruppe
Früher war das Thema relevanter, da die Netzabdeckung schlechter und Tarife teurer waren. Heutzutage nutzen Freifunk hauptsächlich Menschen in finanziell schwierigen Verhältnissen, darunter Geflüchtete sowie ältere Menschen, die sich freuen, ohne viel Anleitung das Internet nutzen zu können.
Kommerzielle Konkurrenz
WLAN ist vom imagefördernen Aspekt bei Einzelhändlern zur Standardausstattung geworden. Gerade ehrenamtlich geführte Freifunk-Initiativen können mit großen Einzelhändler Ketten nicht mithalten, was die Verbreitung erschwert.
Fehlende Reichweite für Nachwuchs
Es fehlt an PR auf Plattformen wie TikTok und YouTube, die außerhalb der Community liegen. Videos im CCC Media-Archiv und Blogeinträge sind wertvoll, erreichen aber keine neuen Menschen, sondern nur solche, die bereits eine Affinität zum Thema haben. Dadurch ergeben sich kaum neue Chancen für Wachstum.
[KI wurde genutzt um Rechtsschreibung zu korrigieren und Absätze besser zu strukturieren]