Wer kann mir ESD für Dachinstallationen erklären?


#1

Moin,

wir planen gerade mal wieder eine Dachinstallation. Blitzschutz nach dem Kugelmodell habe ich mittlerweile verstanden.

Was ist ESD genau? Von Blitzeinschlag, Magnetfeldern und sich reibender Luft gibt es verschiedene Theorien. Wir haben es schlicht nicht verstanden.

Und was muss man tun? Ubiquity AirMax-Geräte haben ESD-Schutz mit drin. Muss man den Switch noch schützen?

Wäre super, falls jemand Plan davon hat, das mal kurz erklärt wird.

Viele Grüße
Matthias


#2

Für ESD brauchst Du weder Kugelmodell noch Blitzableiter.
Bei ESD geht es ausschließlich um Überspannungsschutz.

Was möchtest Du erreichen? Eine Installation, die

  • über den regelkonformen Blitzschutz erfüllt
  • gegen Blitzeinschläge in der Nachbarschaft widerstandsfähig ist
  • über den regelformen Blitzschutz erfülllt und trotzdem gegen Blitzeinschläge in der Nachbarschaft widerstandsfähig ist
  • eine Installation, die einen direkten Einschlag gegen die daneben stehende Fangstange unbeschadet überseht.

Als weitere Dimension kommt bei den letzten noch dazu “läuft ungestört durch”, “rebootet automatisch”, “braucht manuellen Eingriff/Powercycle”.


#3

Wir haben gerade das hier gefunden: https://community.ubnt.com/t5/airMAX-Installation/Protecting-against-ESD-amp-Lightning-The-basics/td-p/1256205

Demnach hat ESD nichts, absolut gar nichts mit Blitzschutz zu tun. Es geht darum, die Ethernet-Ports zu schonen. Den Blitzschutz lassen wir von der das Gebäude betreuenden Firma erledigen.

Da sowohl die Ubiquity-Router als auch die Switche das können, muss man unserer Logik nach nur darauf achten, dass die Massen angeschlossen sind. Und dann ist man vor Zerstörung durch statische Aufladungen geschützt.


#4

Das schrieb ich doch da oben!
Bitte definiere das Ziel. Wenn du über Kugelmodell in diesem Kontext sprichst dann meinst du Blitzeinschläge.

Die von Dir erwähnte “Masse” ist das Problem. Denn die gibt es nur bei schönem Wetter und solang niemand die Anlage anschaltet. Vom Blitzeinschlag mal ganz abgesehen.
Du musst schauen, wo die Massen in Sternen zu sammenlaufen und wie Du Ausgleichsströme vermeiden und Potentialunterschiede reduzieren kannst.
Es braucht auch gar keine 2kV (oder 6kV), um Ethernet-Ports zu töten. Das geht schon mit handesüblicher Niederspannung und Fehlern in deren Installatin.


#5

Blitzschutz habe ich verstanden. Da muss man bei den aktiven Komponenten nichts machen. Die Techniker bauen da Fangstangen hin und fertig.

Wieso ist die Masse das Problem? Man muss doch nur drauf achten, dass die beim Kabel sauber an den Stecker gekrimpt sind. Und um den Rest kümmert sich der Switch.

Und was hat das mit schönem Wetter zu tun?

Wollen wir uns kurz im Mumble treffen?


#6

besser ist das. Feel free to join.

Man sollte von der Blitzschutzanlage mindestens einen Meter Abstand halten und schauen, dass Lan möglichst UTP ist. Und sicherstellen, dass es nur einen einzigen Pfad gibt von der Masse der aktiven Komponenten bis zur Potential-Ausgleichschiene im Keller.
Bei jeglicher Zuwiderhandlung (Masseschleifen) gibt es im Falle eines Einschlages in der Nachbarschaft eine Sekundärinduktion, die zuverlässig alles tötet.
Wenn man also kann, dann verzichtet man komplett auf Massen und lässt alles “free floating”, dann verteilen sich nämich im Fall der Fälle die Spannungen/Potentialdifferenzen hoffentlich halbwegs gleichmäßig.


#7

Soweit ich es weiß geht es dabei darum entweder ein geschirmtes Kabel zu verwenden oder dedizierte "Erdungs-"Anschlüsse an den Geräten zu nutzen. Tritt eine Überspannung auf, so läuft es dadurch angedacht durch Schirm/PotA. und nicht durch die sensible Elektronik die z.B. mit den Leitern im Ethernetkabel verbunden ist. Das ganze ist nur ein PotA., kein Blitzschutz (um so zu gelten müsste das ganze Blitzstromtragfähig sein) . Übrigens induzieren auch Blitzeinschläge in einigen 100m Entfernung eine Überspannung in die Geräte. Das ist auch der Grund, warum man IMHO nicht damit rechnen sollte das etwas mit Mikroelektronik am Mast überlebt, wenn 1m daneben in der Fangstange 100kA und viele Tausend Volt niedergehen. Die Fangstange dient afaik primär dem Gebäudeschutz. Wenn was überlebt schön, aber man kann nicht davon ausgehen.

Übrigens: alle Kabel nach innen sollten/müssen (?) mit Surgeprotectoren möglich nah am Gebäudeeintritt an den inneren PotA. angeschlossen werden. Halt auch vor dem Hintergrund das man auf eine gewisse Induktion vorbereitet sein sollte (man suche: Teilblitzströme). Außerdem kann man nur mit 99.95% Sicherheit sagen, das der Blitz in die Fangstange und nicht den Mast selbst einschlägt. Blitzschutz ist Wahrscheinlichkeitsrechnung.


#8

Ein 1000TX sieht etwa so aus:

Übertrager (mit 8 Transformern) am Ethernetport
Und ein Array aus Schottky/Z-Dioden für die verbleibenen Spikes.

Dazu ggf. noch ein (hoffentlich galvanisch trennendes) POE-Eingangsteil.

Und jetzt überlege man, welche Vorteile man bekommt, wenn man (wie auch immer über Funkenstrecken, MOV, X-type-Kondensatoren) sekundärseitig eine Masse anschliesst, die man von draußen hineinbringt.

Das ist dann ein echtes Lotteriespiel, damit das nicht mehr Schaden als Nutzen macht.