Die leidige Störerhaftung

Hallo,

ich habe in Duisburg bei meinem Sportverein drei Freifunk-Knoten mit der offiziellen Firmware des Freifunk-Ruhrgebiet aufgestellt.

Nachdem sich das Vorhandensein eines offenen WLAN im Clubhaus herumgesprochen hat, ist natürlich jemand auf die Idee gekommen, das der Verein jetzt die volle Störerhafung hat und das Mitglied hat den Vorstand so sehr unter Druck gesetzt, das ich aufgefordert worden bin eine Verschlüsselung auf das WLAN zu setzen.

Das will ich natürlich nicht tun weil dadurch die Idee des Freifunk unterlaufen würde und alle Vorteile, die für den Betrieb als Freifunk Knoten sprechen, wegfallen würden. Ich nehme an, das der Vorstand meines Vereins mich in kürze auffordern wird, die Knoten wieder abzuschalten.

Leider habe ich keinen verbindlichen und aktuellen Artikel oder ein Dokument gefunden, das die Störerhafung rechtlich einwandfrei erklärt und die Sorgen des Vereinsmitgliedes und inzwischen auch des Vorstandes ausräumen kann, daher meine Frage, wo ich so etwas finden kann, oder ob es andere Lösungen zur Entlastung meines Sportvereins von der Störerhaftung gibt.

Noch eine Frage: macht es bei der Störerhaftung einen Unterschied ob ein Freifunker Mitglied im Freifunk-Verein ist oder nicht?

Viele Grüße

Oldman

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Hallo Oldman,

kennste?

Da sitzt auch ne Juristin mit im Radio.

Grüße
Jom

Hallo Oldman,

Die Störerhaftung greift bei uns nicht da keinerlei Verbindung zwischen dem DSL-Anschluss des Clubhauses und der Node hergestellt werden kann.
Des weiteren solltest du keinen Freifunk AP betreiben wenn dieser verschlüsselt ist bzw unzugänglich für andere ist, dann bitte doch besser abschalten :wink:

Da gibt es keinen Unterschied, im Grunde ist es ähnlich wie beim Fonera Projekt - Dort stellst du auch nur Bandbreite bereit aber nicht direkt die IP-Konnektivität deiner DSL Leitung.

Gruß
Cyrus

Hallo,

leider hat da wohl ein ganz schlauer und überzeugter Mitmensch in diesem Fall nicht zutreffendes Halbwissen verbreitet. Insbesondere der Fakt ob die Verbindung vom Router zu den Clients verschlüsselt ist oder nicht, hat kaum Relevanz. (Auch wenn das für Ottonormalrouterbenutzer gelten mag.)

Die Verbindung der Knoten der Domäne Ruhrgebiet zum Internet läuft verschlüsselt über Server des Freifunk Rheinland e.V.

Das bedeutet, dass nach außen nur IP-Adressen des FFRL e.V. als Provider sichtbar ist. Der Provider ist auch ordentlich bei BNetzA gemeldet und bei der RIPE eingetragen (und bezahlt dafür viel Geld :smiley: ). Damit genießen wir das Providerprivileg, welches die Störerhaftung für uns aufhebt. Dass eine Leitung eines anderen Telekommunikationsanbieters genutzt wird, ist dafür nicht von Relevanz.

Das kann man ein wenig mit den alten Modem-Onlinediensten vergleichen. Damals wurde die Verbindung auch über die Telefonleitung, die z.B. der Telekom gehörte, aufgebaut, aber die Verbindung wurde beim Online-Dienst terminiert, sodass man eben bei diesem Onlinedienst-Provider sein Internet bezog.

Um ein „Kunde“ bei unserem „Online-Dienst“ zu sein musst du kein Mitglied sein. Das Aufstellen eines Routers mit offizieller Firmware reicht da aus.

Eine Zuordnung von Vereins-IP-Adressen zu einzelnen Knoten kann nachher nicht mehr vorgenommen werden, da solche Daten nicht gespeichert werden. Das ist übrigens auch für Provider wie Telekom, etc. nur zu Abrechnungszwecken gestattet. (Vorratsdatenspeicherung ist in Deutschland verboten). Wir stellen keine Rechnungen aus, also brauchen wir auch keine Daten vorzuhalten. Bei zivilrechtlichen Ansprüchen (aka Abmahnungen) ist also an den Vereinsservern schon Schluss. Für einen Abmahnanwalt extra Daten zu erheben ist wohl kaum datenschutzrechtlich zu rechtfertigen.

Disclaimer: Ich bin kein Anwalt und fasse nur für dich eben zusammen, was andere im Forum zu dem Thema geschrieben haben. Mit der Suchfunktion kannst du dir das auch selber im Forum zusammensuchen.

Gruß
David

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Ganz einfache Lösung:

Treff dich mit dem Vorstand und den Menschen der meint was von Störerhaltung zu reden.

Nimm ein Gerät und verbinde den mit dem W-LAN des Vereins

Geh auf ipv6-test.com und zeig denen die IP und den ISP

Geh ins Freifunk und wiederhole den Test auf ipv6-test.com und zeige denen das es eine andere IP und IPS (Provider) ist.

Wenn die es immer noch nicht verstehen dann sag denen das Freifunk genau so ist wie der Telekom oder Kabeldeutschland Hotspot den die sich von den Firmen dahinstehen können aber alle ihre Mitglieder dann dafür Zahlen dürfen oder sie nutzen das kostenlose Freifunk.

Diese Information haben mittlerweile viele hier im Forum, die können wir auch weitererzählen, aber die Frage war spezieller:

M.E. brauchen wir immer noch eine offizielle Stellungnahme vom Verein, die wir ausdrucken und jedem potentiellen Node-Aufsteller in die Hand drücken können.

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Die wird es erst Anfang nächsten Jahres geben.

Quelle: ein Vögelchen

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Hat sich das geändert? Zumindest landen die Abmahnungen bei „Handlungen durch Fonera-Mitsurfer“ beim jeweiligen Anschlussinhaber des Fonera-Hotspots. Der darf dann hoffen, dass ihm die Firma in Spanien mit passenden Logfiles aus der Patsche hilft.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass Freifunk-Rheinland ebenfalls wieder kurzfristig auf dieses Betriebsmodell zurück möchte. Haben wir überhaupt ein aktuelles Formular für’s Installationsprotokoll? Im Gluon ist soetwas ja nicht mehr vorhanden.

Da ja alles stimmt was in der Zeitung steht :smile:

Evtl.: hilft Dir das. Ist von heute: http://www.aachener-nachrichten.de/news/digital/ohne-risiko-ohne-kosten-freifunk-will-gratis-wlan-fuer-alle-1.981330

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Das hilft auf jeden Fall schon einmal. Je mehr Informationen aus ‚neutralen‘ Quellen ich weiterleiten kann, um so schwerer wird es für die Halbweisen dagegen zu reden :slight_smile:

Gibt’s dazu eine LSR-kompatible Kurzzusammenfassung? (Webseite hier VGmedia-walled.)

Hmmm. Da war eigentlich keine Paywall drauf. Probier mal einen dieser Links:

oder

Ich schrob „VGmedia-LSRwall“, nicht „paywall“. Schade. Hatte auf eine kurze Einschätzung des Artikelinhaltes in einem/halben Satz gehoft. Scheint dann wohl nicht möglich zu sein.

Ich kopiere mal graden relevanten Absatz ein.

Merke:

  • verklagt werden oder sichts rechts bzw vetragskonforma verhalten sind 2 Paar Schuhe.
  • das was dazwischen liegt ist ein (hoffentlich kalkuliertes) Risiko

"Deshalb funk(tionier)t das Freifunk-System anders. Wer mitmachen will, kauft einen Freifunk-Router, stöpselt ihn in eine Steckdose und schließt sie an den Router seines Hausnetzes. Das ausgestrahlte Freifunk-WLAN-Signal ist für jedermann kostenlos nutzbar – ohne Zugangs-Code, Zeitlimit oder Volumenbeschränkung. Der Datenverkehr fließt über eine getrennte sogenannte Tunnelverbindung, einen komplett vom Hausanschluss getrennten Kanal mit eigener IP-Adresse. „So kommen wir aus der Störerhaftung heraus“, sagt Felix Bosseler.

Offizieller Anbieter dieses Anschlusses ist der eingetragene Verein Freifunk Rheinland. Er ist inzwischen Mitglied im Providerverband RIPE und genießt – so wie auch die großen Provider wie Telekom, Unitymedia oder 1&1 – das Privileg, nicht für den Datenverkehr haftbar gemacht werden zu können, der durch seine Leitungen fließt.
"

Für ich auffällig:

  • „So kommen wir aus der Störerhaftung heraus“, wird ja zumindest nicht flächendeckend von Juristen gestützt
  • Es wird über Leitungen gesprochen. Dem Verein gehört aber keine Leitung. Weder physisch, noch hat er Transit eingekauft im Sinne IP Connect.

Ich würde nach wie vor sagen: Risikosenkung durch technische Maßnahmen bei unverändertem juristischen Sachverhalt.

Habe Ich persönlich Null Problem mit.

Allerdings ist das offizielle juristische Statement des Vorstandes am Ende der entscheidende Punkt.

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Es gab mal eine Zeit vor dem Tunnel.

Reden die von Freifunk oder vom Freifunk Rheinland e. V. ?

Hier in Wuppertal gibt es auch noch ein paar Router die sofort und ohne Tunnel ins Internet Routen. (Wird bald auch auf die neue Firmware mit Tunnel aktualisiert) wir haben es halt nicht so eng mit der Störerhaftung gesehen, war auch nur eine Abmahnung an mich dabei und die ist jetzt auch schon verjährt.

Du kommst doch aus Essen oder? Essen gehört zum Freifunk Rheinland e. V.

Im Freifunk Rheinland e. V. Gibt es Internet mit Tunnel oder kein Internet.

Da es hier nur noch Firmware mit einen Tunnel gibt ist die Diskussion dann noch nötig?

Ohne Menschen die sich getraut haben einen Freifunknode ohne Tunnel an ein deutsches Internet anzuschließen wären wir heute noch nicht da wo wir jetzt sind. Ich habe von 2009 bis 2014 auch ohne Tunnel überlebt, jetzt ist es halt mit Tunnel komfortabler und die Personen die Angst vor der Störerhaftung haben können ja jetzt auch alle einen Node aufstellen.

Wie man aus meinem Eingangspost sehen kann, gibt es die Diskussion um die Störerhaftung natuerlich noch. Dies ist unter anderem auch in der unenheitlichen Nachrichtenlage begründet. Wenn man nach Freifunk und Störerhaftung bekommt man jede Menge Einträge, die sich mit ergangenen Abmahnungen befassen und das schreckt Neulinge und Nichtengeweihte ab.

Ursprüglich habe ich nur nach einem Dokument gefragt, in dem die Situation zur Störerhaftung allgemein verständlich beschrieben wird.

Mag ja sein. Aber für die Mehrzahl der Communities ist das „dank Tunnel“ Schnee von gestern.
Auch wenn so eine Tunnel-Lösung andere Probleme schafft.
Der schönste Benefit ist, dass es für die Clients in den technisch besser organisierten Domains native (öffentliche) IPv6-Adressen gibt. Und die sogar beim Roaming von FF-AP zu FF-AP bleibt.

Ohne die Störerhaftung hätte es diesen Luxus vermutlich nie gegeben.
(jetzt dürft ihr mich grillen)

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Es gibt in Teilen der Community die Auffassung, dass dieser Kampf um die Störerhaftung vielleicht in einigen Regionen (Berlin) zu politisch geführt wird. (Stichworte zu den Vorwürfen: Aktionismus, Linkslastig, Neulinge-verschreckend)

Ich teile das nur zum ganz kleinen Teil. Aber so wie die technische Infrastruktur der Freifunk-Communities völlig unterschiedlich ist, so unterscheidet sich auch das Betätigungsfeld der Aktiven.

  1. Die einen administrieren lieber Horden von redundandten
    Tunnelservern im Ausland
  2. Andere wollen gern der größte offizielle Hotspotprovider werden,
    größer als Telekom und KDG zusammen und alles professionell als
    offiziöser RIPE-LIR-Provider machen.
  3. Andere wiederum wollen den Abmahnhanseln mit
    Installationsprotokollen in die Suppe spucken und hoffen, dass diese
    sich an Freifunkas zu Tode rennen.
  4. Noch anderen ist eigentlich das Internet völlig egal, ihnen geht’s
    nur um Antennenbasteln und ein möglichst autakes Mesh für die
    Zombie-Apokalypse.
  5. Und noch anderen ist jegliche Technik egal, hautsache sie können
    twittern, podcastern und anderen SocialMedia-Bohei veranstalten. Und
    vielleicht noch Marketing und politisches Lobbying üben „für wenn
    sie mal groß sind.“

Ich übertreibe natürlich schamlos und unterstelle einzelnen Gruppen Dinge, die so nicht zutreffen. Und in Wirklichkeit gibt es diese Gruppen natürlich gar nicht bei Freifunk. Habe ich mir nur gerade ausgedacht.

@shad Wo Du jetzt diese „Freifunk statt Angst“-Kampagnenseite aufhängen möchtest, das sei Dir überlassen. Ich hätte da einen Vorschlag.

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