Self-hosted Services als Alternative zu properitären & kommerziellen Diensten

Fortsetzung der Diskussion von Freifunk Slack Chat:

Ich hab gemerkt, dass sich der ursprüngliche Thread zu Slack ein bisscen zerfasert, daher hier ein neuer Thread für die Diskussion rund um Self-Hosted Dienste in unserem Netzwerk.

Evtl wäre es sinnvoll zuerst eine Art Zusammenfassund bzw best practice aufzuzeigen.
Die Paderborner haben z.B. ihre Dienste recht zenral aufgeführt: https://paderborn.freifunk.net/dienste/
auch im Freifunk.net Wiki gibt es eine Seite zum Thema: Dienste – wiki.freifunk.net

Aber auch hier ist das Problem, solche Verzeichnisse müssen gepflegt werden, weil Dienste die niemand findet, auch nicht genutzt werden.

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Aktuell habe ich das Freifunk Netz für mich entdeckt und beschäftige mich damit. Was mir aufgefallen ist, es ist doch stark gesplittet. Für zentrale Services fehlt es, IMHO, noch an entweder Information oder der logischen Infrastruktur. Klar kann ich irgendeinen Server ins FF Netz hängen, aber dann gehts schon los …

Ist dann mein Server aus allen FF-Netzen erreichbar oder nur in meiner jeweiligen Domäne?
Wo bekomme ich eine statische IP?
Gibt es ein „zentrales“ DNS?
Wie mache ich meinen Service bekannt?

Ich habe mal versucht div. Services die ich in den gefühlt 1 Million FF-Wikis fand zu erreichen. Ich konnte ja noch nicht mal einen .ff Domainnamen auflösen.

Mir wäre es lieber mal eine generelles Howto zu skizzieren wie ich einen Service im FF-Netz (Deutschland-/Weltweit) anbieten kann. Ich glaube da ist aktuell die größte Hürde.

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Auch wenn ich dafür sicherlich keinen Befall ernten werde, sehe ich in der Installation selbst gehosteter Dienste eine immense Verschwendung von personellen Ressourcen.

Freifunk scheint immer gleichbedeutend mit dem kompletten Aufsetzen komplexer Dienste zu sein.

Schlägt man vor Github, Dropbox oder auch nur den Mail Server des Hosting Partners zu nutzen, dann wird man angeschaut als hätte man den Namen des Messias beschmutzt.

Was dann entsteht sind seitenlange Anleitungen wie man jeden Pups Dienst aufsetzt die am Ende keiner mehr pflegt und nur ein Bruchteil der Menschen installieren kann. Von administrieren gar nicht zu reden.

Ich bin der Meinung dass Dezentralität nicht bedeuten muss, auf große etablierte Anbieter zu verzichten.

Aber das Rad muss ja immer neu erfunden werden …

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Nun ja, die Frage ist in den meisten Fällen eher, welche Dienste sich wirklich für das FF Netz eignen. Gerade bei Kommunikation bin ich mir da nicht wirklich sicher, denn die will man am liebsten in einer App oder einer Anwendung mit einem bestimmten Protokoll nutzen. diese Sachen sollten dann nach möglichkeit immer funktioniert und nicht nur im Freifunk Netz, denn was macht $User, wenn er mal nicht im Freifunknetz ist. (Ich komm per VPN rein, aber eben auch nicht jeder?)

Im Grunde kannst du hier den DNS Server deiner Domain nutzen, und deklarierst einfach freifunk.example.com mit dem entsprechenden eintrag… Allerdings ist das halt doof. schöner wäre es, wenn die DNS Server schon in eigener Hand hat, anhand von Anfragender IP die entsprechende interne oder externe IP-Adresse mitteilen könnte, was aber dank IPv4 NAT eben nicht geht. Also bleibt nur als alternative dann doch öffentliche IPv4 Adressen zu nutzen und für IPv6 vielleicht eine entsprechende interne und externe Zone einzurichten, das funktioniert dann aber auch nur dort, wo die Public IPv6 auch geroutet wird. Also irgendwie liegt hier ein ziemlich großer Hase im Pfeffer…

Tja, das ist halt so das nächste, man wird die Services wirklich nur schwerlich finden, da 9/10 „noname-User“ eben diverse Suchmaschinen benutzen statt eine URL einzugeben und das Gewurstel aus HTML für das Internet halten. Hier müsste man also erstmal die Endanweder irgendwie auf einen Level bringen, in dem sie das verstehen, wofür ich im Moment wenig Hoffung habe… Naja, aber sagen wir, wie finden wir die Halbwegs fitten User die Dienste? Eine Interne Suchmaschine wäre ein Anfang, alternativ eine Schnittstelle, die die bereitgestellten Dienste in der örtlichen FF-API einfügt. (Ja, wirklich, da gibt es ein Dienstefeld, dass nur spärlich benutzt wird).

Wie man vielleicht rausliest, sehe ich einfach das Hauptproblem darin, dass die aktuelle Netzstruktur das Betreiben von internen Diensten nicht unbedingt leichter macht und sich nicht alle Dienste als interne Dienste eignen. Allerdings habe ich dafür ehrlich gesagt auch keine wirklich Praktikable Lösung parat.

Also hier sehe ich speziell Kommunikationsdienste (Mail, IRC, Social Media) und Mirror z.B. bekannter Distributionen. Sicher macht nicht alles Sinn, aber ich möchte nicht wissen wieviele sich ihre Debian Updates via Freifunk ziehen. Via Mirror könnte man Traffic am Ausgang sparen.

Als Alternativ zu Dropbox und Co könnte man einen internen Speicherplatz-Sharing anbieten. Ich würde gern verschlüsselte Backups redundant auslagern und irgendwer hat bestimmt viel Platz dafür (oder dicken USB Stick am Router). Dafür gebe ich dann welchen von meinem ab. Mit einem Freund funktioniert das zwischen Root-Servern ganz gut. Schick verteilter Storage.

Möglich ja, aber bedingt 1) eine statische IP im FF Netz und 2) vlt. möchte ich ja gar nicht namentlich (über WHOIS) der öffentlichen Domain in Erscheinung treten.

Hier würde sich wieder ein zentrales internes Wiki anbieten. Aber es macht für mich eben keinen Sinn wenn es dezentral in der Domäne Ganz-Hinten-Im-Wald-Dritter-Baum-Rechts ohne ICVPN und ohne DNS betrieben wird.

Ja, ich stimme dir zu, dass bringt nichts.

Ne, Wiki halte ich für eine doofe Idee, denn das will gepflegt werden. Zumindest wenn ich mich selbst eintragen muss. Das Finden von Diensten wäre auch meiner Sicht ebenfalls ein Dienst, so wie im clearweb eben auch. Suchmaschinen, die eben das Netz nach neuem Kontent durchsuchen.

Ich kann z.B. für meinen Teil sagen, ich erlaube für meine Server den Zugriff auf die meisten meiner dienste auch per Freifunkinterner IP, allerdings nutzt es halt keiner und ich verstehe, warum. Es ist halt wirklich nicht überall verfügbar und man nutzt eben gerne etwas, was immer erreichbar ist.

Da stimme ich dir zu, ich sehe die Vorteile des Freifunknetzes in anderen Feldern. nämlich Regionalität. Alles was ich nur vor Ort haben will, kann ich im Freifunknetz hosten. z.B. einfache Webseiten ,die z.B. die Geschichte eines Hauses anzeigen, als alternative zur großen Geschichtstafel an dem Haus. eine Digitale Speisekarte, ein Regiogeld hust ich meine natürlich Gutscheinsystem. Jedenfalls sehe ich darin die Vorteile von Freifunk, da diese Dinge nicht im Internet präsent sein müssen. viele Dienste die nur als Proxy dienen/wie ein Proxy funktionieren sind aus meiner Sicht momentan einfach nicht praktikabel und werden demensprechend auch nicht genutzt.

Naja, Freifunk stellt aus meiner Sicht nur die Plattform… Quasi L1-2 oder 3. Was du draufbaust ist dir überlassen. Warum soll z.B. jede Community eine eigene .ff tld pflegen? halte ich für ziemlich nervig. Aber gut, mich stören schon diese ganzen anderen neuen/„fancy“ Domains, wie .website, .horse, .expert und was es da sonst noch alles gibt… Es macht diese ganze Sache so unübersichtlich.

Hier würde sich was auf Basis von Tahoe-LAFS anbieten.

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Ich finde solche Tooldiskussionen immer toll.
Am Ende hat man seine Community dann zerfasert, weil man für jeden Dienst nur bestenfalls 50% der aktiven begeistern kann.
Weil ja OAuth&Co niemand mag und allein das Anlegen des x-ten Accounts und die Notwendigkeit eines weiteren, nicht zu teuren Passworts eine Hürde für die Meisten ist. (wobei man da dann nochmal die PW-Manaager-Diskussion forken kann.)
Ich stehe dann auf dem Standpunkt: „Ich habe seit Jahren Irc, Google und Dropbox. Alles was damit geht benutzte ich. Ansonsten pro Projekt maximal ein weiteres Platform-Login.“
Und das ist hier das Forum. Das kann schließlich auch Wiki.

Meines Erachtens prädestiniert sich ein MAN für lokale Dienste.
Leider hakt es noch an einigen Stellen, das betrifft z.B. die bereits angesprochene Auffindbarkeit, aber in meinen Augen vor allen Dingen das Nichtvorhandensein von Software die optimal von solchen Umgebungen Gebraucht macht.
Leider sind kommerziell ausgerichtete Unternehmen nicht an sowas interessiert, aber auch Community Software ist Mangelware.
Was ich vor meinem geistigen Auge habe sind Dienste die davon profitieren, dass es quasi ein großes LAN bzw. MAN ist. Praktisch stelle ich mir das so vor:
Jemand multicastet innerhalb der Wolke / Domäne z.B. dass er noch etwas Erbsensuppe übrig hat. Jemand aus der Nachbarschaft hat gerade Hunger aber nichts zu essen.
Anderes Beispiel, jemand postet, dass er gerade einen Schwingschleifer benötigt. Wie praktisch wäre es, wenn jemand aus der Nachbarschaft sich auf die Anfrage hin melden würde?
Dabei denke ich keineswegs an ein Web-Forum o.Ä., sondern viel mehr an eine (Mobil-) App, in der man sich einerseits anbietet als potentieller Verleiher z.B. für Werkzeug und dementsprechend über Anfragen innerhalb des Netzes informiert wird, oder andererseits als Requester.
Eine Software für diese Lösung ist noch nicht existent, aber in meinen Augen auf die Beine zu stellen.
Als nächstes kommen strukturelle Probleme des Freifunk-Netzes, z.B. dass man die meiste Zeit nicht im Freifunk Netz ist, sondern gerade zu Hause zumeist im privaten LAN. Aber solche Probleme ließen sich sicherlich strukturell elegant lösen.
Aber nur wenn man dieses Ziel vor Augen hat, man es auch wirklich erreichen möchte und man sowohl die Netzwerkstruktur und auch die Software darauf perfekt ausrichtet erhält man ein perfektes Ergebnis. Leider gibt es noch viele Zweifler.
Ich jedenfalls werde mich nicht von Dropbox, iCloud & Co. abhängig machen. Lieber verzichte ich auf deren Vorzüge. Happy Christmas from a Richard Stallman admirer

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Ich sehe die Gefahr so nicht ganz.
Freifunk ist als Bewegung in meinen Augen eine Plattform für diverse Communities die man auch als Interessensverbünde bezeichnen könnte. Die offensichtlichen Communities sind die, mit dem regionalen Bezug. Menschen die in ihrer Stadt eben den Netzausbau vorantreiben, eben die klassischen Nodeaufsteller und Infrastrukturbetreiber.
Freifunk als Plattform bietet eben auch einen Nährboden für Opensource, neue Konzepte/Ideen/Entwicklung für Dienste/Anwendungen/Apps, Nachbarschaft/Flüchtlingshilfe, Bildung durch Vermittlung von Wissen über die Technik, Experimente mit Routing Protokollen und Entwicklung dieser, politische Einflussnahme, sogar einige Prepper kenne ich innerhalb der Communities.
All diese Interessensschwerpunkte (und noch viele mehr) lassen sich innerhalb der Freifunkbewegung darstellen und sie haben alle ihre Daseinsberechtigung.

Leider merke ich viel zu oft, dass wir uns gegenseitig diese persönlichen Interessensschwerpunkte absprechen.
Wir sollten bewusst damit umgehen und auch innerhalb der Bewegung ganz bewusst Freiräume schaffen, in denen persönliche Interessen konzentrieren werden können, damit etwas Neues entstehen kann.

Dieses laute Zweifeln stört mich auch oft, gleichzeitig erwische ich mich selbst manchmal dabei.
Wenn wir es schaffen häufiger „mach mal, wie kann ich dir dabei helfen“ statt "das klappt eh nicht ,weil…" zu sagen, dann werden wir uns langfristig positiv entwickeln.

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Tahoe-LAFS ist genau was ich gesucht habe. Danke für den Tipp.

Am besten noch Community übergreifend. Aber dazu müssten die alle per Icvpn angebunden sein.

Also wenn übergreifend würde ich das gern mit testen wollen. Bin in Rhein Sieg. Keine Ahnung ob die am icvpn hängen.

Ich werde da mal was im Laufe der Woche testen.

Rhein-Sieg hängt nicht am ICVPN

Nur rein interessehalber: warum?

Da gibt es keinen Grund für , außer das sich niemand darum gekümmert hat bisher

Oder dass sich nicht lohnt hinsichtlich IPv4, da z.B. die neuen Ruhrgebiet-Splitdomains prinzipiell dort -wegen Adressraumkollision- nicht mitmachen können.

Auch wenn das weiterhin gilt, möchte ich euch folgenden Fund nicht vorenthalten: