Was nun: Störerhaftung komplett(?) gekippt

Wenn Störerhaftung komplett gekippt wird?..
Dann würde ich mir trotzdem wünschen, dass Freifunk weiter ausgebaut wird, auch im ländlichen Raum.

Mit Deinen Worten zum Ausbaugebiet von Telekom und Co in ländlichen Gebieten hast Du bei mir einen Nerv getroffen.
Ich wohne am östlichen Teil vom Rhein-Sieg-Kreis (Windeck).
Nachbargemeinde Eitorf.

Vor acht Jahren gab es hier fast nichts an DSL.
Dann hat die Gemeinde Windeck mit einem Anbieter für Richtfunk-DSL Vereinbarungen getroffen, um wenigstens die größeren der 66 Orte anzubinden. Angefangen bei 3 MBit, später mit 4 MBit, 6 MBit und für Firmen 10 MBit. Natürlich teurer als Erdkabel, aber vorhanden.
Vor ca. 5 Jahren begann ich davon zu profitieren.2, 4 , 6 MBit.
Vor 2 Jahren wurde in beiden Gemeinden mit Telekom und NetCologne
Vereinbarungen zum Ausbau getroffen und an Vielen Stellen Glasfaser eingebuddelt. Allerdings hat sich Telekom nur Sahnestückchen rausgenommen und den Rest soll NetCologne machen.
In unserer Gemeinde bestehen Investitionsschutzabkommen für die ausbauenden Firmen.(Mehrere Jahre). Also nur der Ausbauende liefert die schnelle Verbindung, sonst kein Anbieter.
Vor 2 Monaten konnte ich endlich auf NetCologne umstellen und bis zu 50 MBit bekommen.
Es fühlt sich ganz toll an und es kommt laut Speedtest ca. 44 MBit an.

Aber meine Nachbarn und eine ganze Reihe Personen in diesem Flickenteppich der Gemeinde müssen jetzt erst mal bis zu einem Jahr warten, um auch davon zu profitieren.
Oft ist ein Wechsle erforderlich, der mit hohen formalen Hürden ausgestattet ist.
Meine Nachbarn erhalten von mir für die Wartezeit Freifunk (10 Mbit) spendiert.
In machen Orten gibt es theoretisch NetCologne, aber keiner kann sagen, wieviel wirklich ankommt.
In manchen Bereichen gibt es bis zu 6 MBit von Telekom - auch in Eitorf -. Und der Ausbau ist noch nicht durch.
Manche von den kleine Orten in Windech erhalten jetzt erst Richtfunk über den privaten Anbieter.

Mich wundert, dass hier die Menschen so wenig Freifunk gegenseitig anbieten.
Hilfreich wäre es für viele!

In kleinem Rahmen (Computer-Club) versuche ich darauf aufmerksam zu machen!!
Vielleicht kommt mehr Erfolg im nächsten Jahr.
Ich glaube hier wären Möglichkeiten für Freifunk auch - wenn die Störerhaftung komplett gekippt wird - (Was ich mir in Deutschland nicht vorstellen kann).

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Ich bin da ebenfalls Takts Meinung.

Die Abschottung gegen den Verdacht von Straftaten ist mir erstmal sehr viel wichtiger als gegen die Störerhaftung, und nur in einer zentralen Infrastruktur praktikabel erreichbar.

Denn auch ich möchte nicht, dass die aufschlagende Kripo meinen Nachbarn aus versehen erzählt, dass da gerade eine Hausdurchsuchung wegen des Verdachts auf Lagerung und Verbreitung Kinderpornographischer Inhalte bei mir im Gange ist.

Denn erstmal wird alles pauschal beschlagnahmt und wenn dann nichts gefunden wird, wird eben genau nicht noch einmal so ein Wirbel gemacht, um allen Nachbarn zu vermitteln, dass dies gar nicht der Fall war.

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Der Schutz vor der Störerhaftung ist doch durch den Zeitverzug gegeben. Wenn die Polizei anruft, und die IP sofort haben will, werden sie die auch bekommen und dann auch wissen, wo sie hin müssen.

Aber solange sie nichts finden, haftet derjenige auch nicht dafür. Weil im Strafrecht die Tat nachgewiesen werden muss. Jemand der strafrechtlich relevante Dinge tun will, wird Tor nutzen und nicht Freifunk. Daher habe ich da keine großen Bedenken.

Grüße
Matthias

Die Polizei ruft ja nicht an um die IP zu bekommen. Sondern um Name und Adresse zu einer IP zu bekommen. Da wir dazu aus technischen Gruenden keine Angaben machen koennen ist ersteinmal auch nicht mit Ermittlungen (Hausdurchsuchung und Aehnliches) in Richtung Knotenbetreiber zu rechnen.

Man haftet zwar als nicht Taeter natuerlich nicht. Aber so eine Hausdurchsuchung nebst Sicherstellung aller deiner Computer nebst Zubehoer ist sicher nicht angenehm.

VG
takt

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Ik freu mir! :slight_smile:

Heißt das, dass sich Freifunk in Zukunft dann die Gateways schenken kann?

Erst mal den Bundespräsidenten das dann beschlossene Gesetz unterschreiben lassen, aber trotzdem freuen!

Das wird jede Community für sich selbst entscheiden müssen.

Und wieso sollte man sich für den weiteren Betrieb entscheiden?
Ich hatte die Gateway-Geschichte so verstanden, dass damit die Störerhaftung für Knotenbetreiber umgangen werden kann?

Unter Anderem…aber eben auch viele andere Dinge, wie bspw. die virtuelle Layer2 Vernetzung, Schutz vor ungerechtfertigter Strafverfolgung, etc.

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Hat einer von euch schon die im erwähnten Änderungsanträge gesehen oder gelesen?

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Nicht vergessen, dass Abmahnungen auch ohne Störerhaftung versendet werden können, da die Abmahner natürlich davon ausgehen, dass der Anschlussbetreiber der direkte Verursacher ist, und dann auf dieser Grundlage weiterhin Unterlass verlangen kann.

Es wird natürlich jetzt hoffentlich wesentlich einfacher darauf zu reagieren, auch ohne anwaltliche Hilfe. („Ich wars nicht, ich hab hier so einen Hotspot, liegt es vielleicht daran?“) Für Leute, die aber absolut gar keine Lust auf irgendwelchen Stress haben, wird das VPN daher auch mittelfristig noch eine Möglichkeit sein.

Muss man jetzt natürlich schauen, wie sich das Abmahnergeschäft entwickelt. Vielleicht wird das jetzt ja so unprofitabel, dass sich das nicht mehr lohnt. Und wir alle von Abmahnungen verschont bleiben, Hotspot oder nicht.

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Das Fragezeichen würde ich aus juristischen Gründen bei der Antwort tunlichst unterlassen und eher durch ein Ausrufungszeichen ersetzten. :wink:

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Auch wenn sich Aussagen der SPD in letzter Zeit des öfteren als nicht haltbar oder gar gegenteilig herausgestellt haben… hier eine etwas konkretere Beschreibung des Gesetzentwurfes.
http://blogs.spdfraktion.de/netzpolitik/2016/05/11/wlan/

Hoffen wir mal, dass aus dem Privileg des „Accessproviders“ nicht nachträglich auch noch die Pflichten dieser auf Hotspotbetreiber abgeleitet werden und diese zur Vorratsdatenspeicherung verpflichtet werden (aktuell sind „Anbieter, die ihren Kunden nur eine kurzzeitige Nutzung des Telekommunikationsanschlusses ermöglichen“ ja eigentlich von der Speicherpflicht befreit). :stuck_out_tongue:

Wir wissen es nicht und müssen uns überraschen lassen.
Denn erfolgreich war zumindest unsere Lobbyarbeit in dieser Richtung bislang eher weniger, oder?

Und wenn der Bundespräsident irgendwann mal etwas unterschriebt, dann gibt es ggf. noch Durchführungsverordnungen, es wird Übergangsfristen geben und schlussendlich muss sich eine Rechtsprechung verfestigen für die „unklaren Fälle“.

Und das Problem mit den Sturmtruppen ist dann nicht gelöst, die morgens um 6 Uhr Wohnungstüren aus den Angeln stemmen, weil sie von befreundete Dienste aus zuverlässigen Quellen informiert wurden.

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Eben, ich habe keinen Bock ungebetenen Besuch auf dem Boden liegend zu empfangen. :wink:

Für uns ändert sich durch „Die schönste Beerdigung des Jahres“ (Zeit Online) vor allen Dingen eines: den Bedenkenträgern, die sich bisher gegen die Aufstellung eines Nodes ausgesprochen haben, gehen die Argumente aus. Und das sind hier nicht wenig.
Was es technisch bedeutet, ob es zur Vereinfachung oder Kostenreduzierung für Freifunk führt, kann ich nicht beurteilen.

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Nach längerer Abstinenz melde ich mich mal wieder zu Wort.

In meinen Augen sind die Nachrichten von Heute das endgültige Todesurteil für Freifunk, wie es heute in Deutschland besteht, und ich finde das toll!

Damit werden die Aluhut-Träger mit ihrem Traum vom Parallel-Netz endgültig kalt-gestellt, und das ist gut so!

Die gesammte Infrastruktur von Freifunk (bestehend aus Supernodes und Backbones) wird dadurch hinfällig (kein Mensch mit gesundem Menschenverstand glaubt an die Notwendigkeit eines privaten Internet, und die „Zombie-Apokalypse“ ist eher unwahrscheinlich)

Wenn es eine Zukunft für die Freifunk-Bewegung gibt, besteht diese imho darin, zwischen Nachbarn zu vermitteln und zu meshen, aber dazu bedart es einer völlig neuen Software, und weder „Supernodes“ noch „Backbones“, oder gar einen Freifunk-Rheinland e.V.

Alles, was man dazu braucht, sind Vermittler zwischen Nachbarn, die es ermöglichen ein Roaming zwischen den privaten Routern zu schaffen - das ist dann endlich wirklich dezentral, so, wie es die ursprüngliche Idee von Freifunk mal vorgesehen hat.

Eine Schlüsseltechnologie dazu ist ipv6, was aber von den grossen Providern bereits überwiegend angeboten wird, und inzwischen langsam Fahrt aufnimmt.

Wenn die Freifunk-Community nicht komplett in Vergessenheit geraten will, ist jetzt der Zeitpunkt, sich neu zu erfinden.

Denkt mal drüber nach!

Wenn gute Ideen auftauchen, und die üblichen Blockierer (ihr wisst schon, wen ich meine :wink: ) entmachtet werden, bin ich auch gerne wieder mit im Boot.

Harry

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Ich sehe immernoch einen Anwendungsfall für VPN-Gateways. Mal abgesehen davon, dass immernoch Post reinflattern kann:
batman-adv kann interface alternation. Man kann zwei VPN-Tunnel über 2 verschiedene Anschlüsse machen, um es auf dem GW wieder zusammenzuführen. Es sollte möglich sein, die 2. Leitung über Mesh zu verbinden.
Egal, ist OT.

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Nein. Ich glaube du meinst eher den Tod der Freifunk/Gluon Implementierung, die wir jetzt haben, oder? Freifunk ist IMO mehr als das.
Allerdings ist gluon schon ziemlich gut. Solange es keine bessere Alternative gibt, bleibt es die 1. Wahl.

Ich halte die jetzige Infrastruktur nur für einen Gesetzes-Workaround. Wenn das Gesetz aber nicht mehr umgangen werden muss und dennoch der Workaround bestehen bleibt, fände ich das ebenfalls unsinnig.
Ein privates Internet allerdings kann es nicht geben, ohne dass wir die Definition von „privat“ oder „Internet“ ändern. Ein dezentrales Nachbarschaftsnetz macht hingegen definitiv Sinn. Allerdings wäre das kein privates Netz, sondern ein öffentliches Netz und sogar das Internet, macht man es denn richtig (IPv6!). Internet bedeutet aber nicht, dass die Infrastruktur nicht öffentlich/gemeinschaftlich betrieben werden kann.

Alles in Allem glaube ich, dass unsere zwei Meinungen artverwandt sind, allerdings ist deine Frustration zwischen den Zeilen deutlich erkennbar.

Weil ich nicht den Eindruck habe, dass die Idee der Dezentralität im Freifunk Rheinland e.V. angekommen ist, habe ich freifunkcp ins Leben gerufen. Steckt noch in den Kinderschuhen, aber ich entwickle kontinuierlich dran.

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Unabhängig von der eigentlichen Freifunk-Idee: einfach mal durchlesen:

8 Beiträge wurden in ein neues Thema verschoben: (Nicht-)Vereinsmitgliedschaft, Kontrahierungszwang beim FFRL