Wenn Geflüchtete den Freifunk nicht nutzen sollen

Ich zitiere hier mal etwas ohne Ortsnennung, es ist leider jedoch symptomatisch für eine Entwicklung, die ich unter „wer hat Angst vorm Schwarzen Mann“ umschreiben möchte.

ich muss euch heute leider mitteilen, dass die Pfarrei […]
beschlossen hat, das Projekt Freifunk für das Pfarrbüro und das
[…]haus einzustellen. Dies liegt an einer vorher nicht absehbaren
Entwicklung: Unter den Flüchtlingen, die das FF genutzt haben, befanden
sich mehr und mehr Menschen, die im Verdacht stehen, Straftaten begangen
zu haben. Das führte dazu, dass sich unbescholtene Flüchtlinge von den
FF-Knoten ferngehalten haben, um nicht in Verdacht zu geraten, teil
einer kriminellen Bande zu sein. Offenbar wurde in den letzten Wochen
das FF nur noch von Menschen mit kriminellen Absichten genutzt.
Immer öfter war die Polizei vor Ort.
Als wäre das noch nicht schlimm genug, gibt es Anzeigen wegen sexueller
Belästigung. Frauen trauen sich nicht mehr über die Domplatte zu gehen
und nehmen Umwege - es gab Warnaufrufe per Facebook.

Von daher ist es bestimmt sinnvoll, Freifunk nur innerhalb der Geflüchtetenunterkünfte zur Verfügung zu stellen, damit die als Fremdkörper empfundenen nicht das Bild einer Domplatte stören.

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Ich würde das jetzt nicht als Angriff auf FF sehen.

Gäbe es dort freies WLAN von TNG Tcom oder wem auch immer in genau der Form wie ea FF bot, also komplett frei, wäre es auch abgeschaltet worden, oder man hätte den Bundesschnorchel dort angesetzt.

Nun die Frage ist, wie will man den guten vom bösen Flüchtling trennen? Wird die öffentliche Ordnung gefährdet, dann tut es mir leid aber dann muss der Störfaktor weg, auch wenn er Freifunk heißt.

Bevor ich nun gleich mit dem Knüppel zum Erschießungskommando geprügelt werde nich ein, zwei Argumente. Was will man denn machen? Traffic ausleiten um böse Flüchlinge aufzuspühren? Registrierungszwang für jeden Nutzer? Einfach ignorieren und tun als wäre nichts?

Es gefällt mir auch nicht, aber das Leben ist hart.

Nachtrag:
Bevor man daraus ableitet, dass man dann auch gleich alle öffentlichen Hotspots abschalten könne, dies sehe ich nicht als Argument.

Hier geht es um ein lokales zentriertes Problem. Zugegeben ein übertragbares.

Das aber im gleichem Atemzug auch sagt, die WLAN Abschaltung wird u.a. mit Übergriffen auf die Bürger gerechtfertigt oder dies trage als Grund dazu bei, empfinde ich auch als vorgeschobenen Quatsch. Aus meiner Sicht wäre die simple Erhöhung der verdeckten Polizeipräsenz deutlich zielführender, dann könnte man diese Menschen inflagrantie erwischen und an den Hammelbeinen packen.

Das wird aber nicht gemacht weil die Polizeikräfte dafür schlicht zu wenig Leute haben.

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Aber gerade im Bereich der Domplatte gibt es doch auch anderes kostenloses WLAN:

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Das rückt das ganze wieder in ein ganz anderes Licht.

Geht es hier um was ganz anderes? Sucht man einen Sündenbock?

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Nur als Hinweis:
Es geht hier nicht um Köln, sondern um eine andere Ortschaft in NRW.
Parallelen zu Köln mag natürlich jedeR ziehen wie ihr oder ihm beliebt.

Davon gehe ich leider aus. Wenn auch vielleicht nicht seitens der Pfarrei, aber dann doch zumindest seitens der Leute, die die Neuankommenden gar nicht haben wollen in ihrer Mitte, sondern allenfalls geduldet am Stadtrand. So wie früher die Friedhöfe für die Nicht-Getauften.

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Erst:

Das führte dazu, dass sich unbescholtene Flüchtlinge von den FF-Knoten ferngehalten haben, um nicht in Verdacht zu geraten, teil einer kriminellen Bande zu sein.

und dann im nächsten Satz direkt

Offenbar wurde in den letzten Wochen das FF nur noch von Menschen mit kriminellen Absichten genutzt.

Also erst beschrieben wie die Flüchtlinge versuchen sich vor dem Generalverdacht zu schützen und dann den offensichtlich bedenklichen Generalverdacht nochmal bestärken.

Wäre es nicht so traurig, wäre die Ironie amüsant.

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Das ist Blöd-Zeitungs-Niveau:

Man hätte fairerweise auch schreiben können:

Vermutlich wurde in den letzten Wochen Freifunk an diesem Ort hauptsächlich von Menschen mit kriminellen Absichten genutzt

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Ich denke nicht, dass es sich hier um Internetkriminalität im großen Stil handelt, sondern es um die Kommunikationsweg geht. Und da liegen die Herrschaften falsch. Ein bisschen Whatsapp oder Facebook kann man auch für 4 € im Monat mit einer Aldi-Talk-Simkarte machen.

Ich weiß gar nicht wie hier festgestellt worden ist, dass das Netz missbräuchlich von diesem FF Spot aus genutzt wurde. Wenn doch würde mich das auch interessieren. Wenn die Ordnungsmacht vor der Einrichtung steht ist dies bedauerlich, aber ich weiß nicht wie die Abschaltung des Nodes hier etwas ändern kann oder wird. Vorsichtig würde ich hier ehr „Unsicherheit“ und die Gefahr „etwas falsches zu machen“ unterstellen. Vielleicht kann man hier nochmal erklärend auf die Gemeinde zugehen.
Zumal sehe ich es genauso, dass eine AldiTalk OHNE große Registrierung für 3,99€ für WA oder FB mehr als ausreicht um kriminell zu arbeiten. Macht die Welt nicht sicherer.

Hallo ihr alle,

ich bin von Heinz Niski um eine Stellungnahme gebeten worden und möchte der Bitte gern entsprechen. Mein Name ist Mark Bothe und ich bin der für das Freifunk-Projekt verantwortliche Pastoralassistent der Pfarrei St. Urbanus in Gelsenkirchen-Buer, um die es hier geht.

Zunächst möchte ich noch einmal verdeutlichen, wie sehr ich es bedauere, die FF-Knoten abschalten zu müssen. Ich habe dieses Projekt selbst in unserer Pfarrei aufgebaut, wie Andreas sehr wohl weiß - er war nämlich hier und hat einen Nachmittag lang mit mir Kabel zurückverfolgt, um den Router ans Laufen zu kriegen.
Andreas wie auch Heinz waren auch meine Ansprechpartner als es darum ging, FF-Knoten in GE-Scholven aufzubauen um die dortige Notunterkunft für Flüchtlinge mit Internet zu versorgen.
In dieser Woche hat unsere Pfarrei eine Kirche in Hassel leergeräumt und neu eingerichtet, sodass nun Flüchtlinge dort untergebracht werden können.
Die Kirchen in GE-Buer haben zudem den HelpLaden an der Apostelkirche ins Leben gerufen, der Helfende und Hilfesuchende zusammenbringen soll.

Wenn wir also ein Flüchtlingsprojekt einstellen, hat das aus unserer Sicht schwerwiegende Gründe. So bedauerlich das auch ist.

Andreas hat sich, vermutlich um meine Privatsphäre zu schützen, (danke dafür) entschieden, nicht alles aus meiner Email hier öffentlich zu machen.
Deshalb tue ich das:

"Liebes Freifunk-Team,

ich muss euch heute leider mitteilen, dass die Pfarrei St. Urbanus beschlossen hat, das Projekt Freifunk für das Pfarrbüro und das Michaelshaus einzustellen. Dies liegt an einer vorher nicht absehbaren Entwicklung: Unter den Flüchtlingen, die das FF genutzt haben, befanden sich mehr und mehr Menschen, die im Verdacht stehen Straftaten begangen zu haben. Das führte dazu, dass sich unbescholtene Flüchtlinge von den FF-Knoten ferngehalten haben, um nicht in Verdacht zu geraten, teil einer kriminellen Bande zu sein. Offenbar wurde in den letzten Wochen das FF nur noch von Menschen mit kriminellen Absichten genutzt.
Immer öfter war die Polizei vor Ort.
Als wäre das noch nicht schlimm genug, gibt es Anzeigen wegen sexueller Belästigung. Frauen trauen sich nicht mehr über die Domplatte zu gehen und nehmen Umwege - es gab Warnaufrufe per Facebook.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir das Freifunk wieder in Betreib nehmen - die Idee wird von mir und meinem Chef nach wie vor für sehr gut gehalten. Das Projekt ist unterstüztenswert. Allerdings wissen wir derzeit nicht, wie wir einer solchen Lage Herr werden sollen (und sind da für Vorschläge offen).

Der Router im Pfarrbüro ist von euch gespendet. Ich habe unlängst selbst welche angeschafft - ihr könnt den also gerne zurückhaben, wenn ihr wollt.
Lasst mich das einfach wissen.

Mit freundlichem Gruß

Mark Bothe"

Ich darf ergänzen, dass wir inzwischen konkret von der Polizei darum gebeten worden sind, den Router abzuschalten. Die Problematik ist also durchaus real.

Ich möchte den letzten Teil meiner Email besonders betonen: Wir haben schlichtweg keine Idee, wie sich ein Freifunk-Knoten aufrecht erhalten lässt, wenn wir begründet befürchten müssen, dass Menschen belästigt werden. Zudem erreichen wir eben genau nicht alle Flüchtlinge. Ich habe mit einigen gesprochen, die wir im Asylverfahren begleiten. Sie berichteten, sie hätten Angst, dort mit denen gesehen zu werden, die unter polizeilicher Beobachtung stehen.
Meiner Ansicht nach ließe sich das Problem wegen der baulichen Gegebenheiten auch nicht durch eine Ausweitung der Reichweite, oder der Einrichtung von Videoüberwachung beheben. Letztere würde zudem dem Grundgedanken hinter dem Freifunk Projekt widersprechen.

Genau deswegen habe ich, wenn auch in Klammern, um Vorschläge gebeten. Wenn ihr eine Möglichkeit seht, den Knoten in Betrieb zu nehmen, ohne dass die oben genannten Probleme wieder auftreten, schalten wir den Router wieder an.
Daher an dieser Stelle meine herzliche Einladung, sich die Situation vor Ort mit mir selbst einmal anzusehen. Meine Kontaktdaten:

Mark Bothe
St.-Urbanus-Kirchplatz 9
45894 Gelsenkirchen
Tel.: 0209-98895453

Email: post@mark-bothe.de

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Es tut mir leid, aber da gibt Deutschland gerade ein sehr trauriges Bild ab.
Was ist denn das für eine Gesellschaft, die Menschen, die zufällig nebeneinander stehen, das Gefühlt gibt, pauschal in eine Topf geworfen zu werden?

Und die Polizei soll doch bitte auch Ihre Arbeit ordentlich machen. Etwas mehr Präsenz z.B. anstelle von weniger Freifunk. Wo kommen wir denn da hin!

Währet den Anfängen. Gebt Angstmachern keine Chance!

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Schutzhaft ist auch eine Maßnahme zur Gefahrenabwehr. justsaying

Aber im Ernst: Hier steht also die Behauptung im Raum, die Polizei hätte das Abschalten eines Freifunk-Knotens eingefordert. (egal ob nun zur Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung, Verhinderung von Straftaten oder Auflösung von Zusammenrottungen oder was man sich sonst noch so vorstellen kann.)

Oder alles nur, weil sich Planer das mit „Belebung von Innenstädten nach Geschäftsschluss“ anders erträumt haben als dass dort dann NeubürgerInnen in Gruppen mit Smartphones in der Hand herumstehen.

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Hallo Mark,

vielen Dank dass du den Weg zu uns ins Forum gefunden hast.

Einen Freifunk Knoten ausgerechnet aus solchen Gründen abgeschaltet zu wissen ist wirklich schmerzhaft. Für diejenigen die sich Kriminell betätigen stellt der Preis von einigen € für einen mobilen Datentarif sicherlich kein nennenswertes Problem dar. Bei denen die sich nun ferngehalten haben schaut das möglicherweise ganz anders aus.

Gibt es denn eine Möglichkeit den Freifunk in die Unterkünfte der Menschen zu bringen um ihnen dort die von uns angestrebte freie Kommunikation zu ermöglichen?

In der Tat, ich hätte erwartet, dass es für die Polizei angenehm ist zu wissen wo sich ihre Pappenheimer üblicherweise aufhalten.

In Gelsenkirchen gibt es diese Möglichkeit aus Haftungsgründen nicht.
Die Stadt würde wohl zumindest auf dem Papier gern, hat aber den Weg dorthin verbaut.

Es ist vielleicht nur ein Stochern im Nebel, aber wie wäre es testweise mit der Zeitgesteuerten Abschaltung des WLAN über ssh ab einer bestimmten Uhrzeit. Dies ist im WIKI beschrieben. So bleibt das Mash an und nur das Clientnetz macht Pause.
Vielleicht ist das eine Möglichkeit nächtlichen Ansammlungen vorzubeugen und eine Alternative bevor Ihr alles ganz abschaltet. Welches sinnvolle Zeiten sind, muss man überlegen. Ja, nicht ganz der Gedanke von FF, aber besondere Situationen erfordern kreatives Handeln.

Sätze mit offenbar implizieren in der Regel nur einen Verdacht, den man nicht beweisen kann.

Ich denke, dass hier nur die halbe Wahrheit steht, und wenn mich die Polizei drum gebeten hätte, hätte ich das vielleicht auch gemacht.

Trotzdem verstehe ich es nicht. Bei konkreten Straftaten vor Ort hilft Kamera draufhalten und 112 wählen, z.B. auch bei sexueller Belästigung. Wenn es um die Organisation von Straftaten geht, hilft es wohl kaum, FF abzuschalten. (Wie oben bereits erwähnt, gibt es da genug andere Wege.)

Ich will niemandem was unterstellen, aber es wirkt so ein bisschen, als ob man hier versucht eine Situation nur zu zerstreuen, statt sie - was vermutlich etwas mehr Arbeit wäre - sie richtig zu lösen.

Schade um den Standort, hoffen wir, dass sich die Lage verbessert.

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Der zeitliche Ablauf, insbesondere der Umstand, dass es im Vorfeld der Abschaltung keinen Kontakt gab, sondern erst rund 5 Tage später, sagt mir das auch.
Zumal -wie schon oben von einigen vorgeschlagen- durchaus auch dort am Ort, allerdings auf der anderen Seite des politischen Spektrums (Linken-Fraktionsbüro), eine derartige Zeitsteuerung wegen AnwohnerInnenprotesten seit Monaten aktiv ist. (Die AP-SSID gibt’s dort nur während der Büro-Kernzeiten von 9 bis 17 Uhr. Meshnetzwerk läuft nachts weiter. Für den Fall dass ich andere Freifunkende berufen fühlen sollten, einen AP hinzustellen, der nicht am frühen Nachmittag die Clients herauswirft)

Ob das nun Gewiesel ist, ich verspüre keine Motivation, mich mit potentiell vorgeschobenen Argumenten abzustrampeln. Für mich war’s nur Beiwerk zur Kernaussage „Du kannst Deinen Router wiederhaben“

Das mag sich nun wie ein persönlicher Angriff anhören.
Mir ging es mit dem Thread aber explizit nicht um „Katholiken von Probstei XY gegen Freifunk“, sondern die sich derzeit ändernde Gemengelage zu beschreiben, so wie sie vielleicht auch anderswo auftreten könnte.

Dass sich hier jetzt Personen das nun personalisiert haben dürfen sie sich gern sich selbst zuschreiben.
(Und ja, ich sehe hier den Versuch, den Thread auf die persönliche Schiene zu derailen. Ich finde das schäbig, passt aber für mich zum Bild. Daher werde ich darauf auch keine Rücksicht nehmen.)

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112 wählen

Bei uns muss man für die Polizei 110 wählen :slight_smile:

Da der Mensch ein Gewohnheitstier ist, wird er sich auch daran gewöhnen, dass es an diesem Standort vielleicht nur WLAN von 8 bis 16 Uhr gibt … Besser als nix.

Glaubst Du, dass die im Raum stehenden Begründungen für die Abschaltung -so wie den zutreffen- sich dadurch lösen lassen?

Ich persönlich weiss zwar nicht, wie man Straftäterinnen durch simple Inaugenscheinnahme erkennt. Oder wie man Freifunknutzende in „solche die übergriffiges Verhalten ausüben werden“ und „solche, die unangemessen laut in einer fremden Sprache reden“ teilen könnte.
Mein Eindruck ist jedoch, dass eine „Zeitschaltuhr“ nicht das Problem löst, dass ein öffentlicher Raum (hier eine strukturschwache Vorort-Fußgängerzone mit einem eigentlich überdimensionerten gepflasterten Platz, der sich allenfalls von Kirmes oder Wochenmarkt halbwegs füllen lässt) von Personen genutzt wird, die dort früher nicht waren.

Öffentlicher Raum ist öffentlicher Raum und dort gilt zunächst der Erlaubnisvorbehalt. Und die Nutzung unterliegt dem Wandel.
Wenn die Frage lautet „wo kommen sie her?“ ist meine Antwort „von da hinten“.
Und auf „wo wollen sie hin“ sage ich wahrheitsgemäß „nach da vorn“. Und natürlich gibt es auch eine tageszeitliche Grußformel für die StaatsdienerIn.
Und weitere Fragen nach meiner Motivation oder meinen Ausweispapieren beantworte ich mit der Frage, welcher Ordnungswidrigkeiten oder Straftaten ich verdächtigt werde. Oder ob es sich um einen per Bekanntmachung veröffentlichten Kriminialitätsschwerpunkt handelt, der die Schleierfahnung zulässt.
(Das trifft natürlich nicht auf Bayern zu, dort sind anlasslose Personenüberprüfungen seit vielen Jahren zulässig. Im Hamburg hat man schlicht die halbe Innenstadt zum Gefahrengebiet deklariert. Aber das weiss man halt.)

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Tja, so ist die Demokratie leider schon einmal in Deutschland untergegangen. Aber dass Bayern immer brauner wird, ist ja vielenorts zu vermerken :frowning: