Ziele des FFRL Backbones / Dezentralität noch gewährleistet?


#27

Nun ein Einwurf einer Community die nichts mit dem FFRL zu tun hat:
Wir haben uns im Gründungsprozess bewusst dagegen entschieden, Dienste des FFRL zu nutzen und sind damit München und Regensburg (aus unserer Nähe) gefolgt.
yanosz beschreibt im Prinzip genau die Gründe, die für uns ausschlaggebend waren, insofern muss ich diese nicht erneut ausführen.
Natürlich ist es stellenweise mühsamer, aber die Idee des Freifunk steht mit der Abhängigkeit so vieler Knoten von diesem “zentralen” Backbone bzw. Verein im Widerspruch.
Am schlimmsten beobachte ich es hier im Forum, wenn sogar die Gateways vom FFRL gepflegt werden - lokal fehlt dann komplett der Bezug zur Sache.


#28

Was hindert Dich daran, einen eigenen Exit zu verwenden - sei es ein eigener VPN-Dienst oder ein eigener AS oder auch direkt?

Niemand wird gezwungen den FFRL-Backbone zu benutzen.


#29

Wenn mann einen eigenen Exit betreibt benötigt man gewisse Vorraussetzungen

  • Ripe Eintrag
  • Verein als Provider
  • Hoster der Abuse kann

Wenn man das über z.B. Mullvad-Exit macht dann hat man halt manchmal nur ne Bandbreitze von 40Mbit/s und die Router sind von Aussen nicht über V6 Erreichbar.


#30

Ich finde den Ansatz der Diskussion irgendwie ungeschickt. Wäre es nicht sinnvoller, darüber zu diskutieren, wie man Freifunk-Communitys helfen kann, ihren eigenen Exit aufzubauen? Ich fände es spannend, wenn da mal jemand vorstellen könnte, wie es in seiner Community abgelaufen ist und Tipps geben könnte.


#31

Ich sehe einen solchen Ausbau ebenfalls nicht als Gefährdung. Freifunk Rheinland hat also den Hahn aufgedreht und schaufelt 5 Gigabyte pro Sekunde ins Internet. Da hoffe ich natürlich das andere Communitys dies ebenfalls anstreben und eventuell einen Fallback ode Lastausgleich für kleinere Communities bereitstellen die bisher über Rheinland ausgeleitet haben. Schon heute haben viele einen 100/6 (Kübel Diotschland) oder 100/40 (Telekom) Anschluss bzw werden über LTE mit 61/12 beglückt (Vodafone, nachgemessen). Die nächste Ausbaustufe steht bereits in den Startlöchern. Die Telekom bietet für nur 120 Euronen im Monat Gigabit Down und die Hälfte Upstream an während Kübel Schland mit DOCSIS3.1 auf 10+ Gigabit aufreissen will. Bisher haben viele von uns auf den Routern Trafficlimit aktiviert was dann wohl wegfallen wird. Dann werden welche Maschinen auch immer dann gerade aktuell sind gnadenlos durchschaufeln was sie können.


#32

Die Firma firmiert inzwischen unter dem Namen “Vodafone - Kabel Deutschland”, demnächst sicher nur noch unter dem Vodafone-Brand.
Welchen Sinn die von Dir bevorzugte Namenswahl in diesem Kontext hat erschließt sich mir zwar nicht, technisch sei aber angemerkt, dass mit Docsis3.1-FD dann auch annähernd symetrische Bandbreiten zur Verfügung stehen und das Upstream-Defizit bei den Cable-HGWs endlich der Vergangenheit angehören. Und das traditinelle DVB-C als Broadcast-Medium wird auch in den nächsten 10 Jahren wegfallen.
Bezahlbare Consumer-Bandbreiten werden also auch auch abseits von FTTH mehr werden.

Und der Freifunk sollte davor die Augen nicht verschließen.
Ob man dafür nun

  • einen FFRL-Backbone skaliert
  • den FFRL-Backbone in einen neuen Community-übergreifenden Backbone in Form einer Genossenschaft überführt
  • mehrere Community-Backbones (ffrl, ffm, nw, hh, da…) im Wettbewerb betreibt

Notwendig ist vermutlich mehreres davon.
Denn “Freifunk ohne leistungsfähige Internet-Connectivity” (oder "ohne öffentlches IPv6) war in den Jahren vor 2015 nicht wirklich erfolgreich. Zumindest war es ein arges Nischenprodukt für ein paar wenige Hardcore-Nerds pro Großstadt. Und gar nichts in kleineren Orten.

Auch wenn es jetzt nach Manchester-Kapitalismus klingt: JedeR macht das, was lokal am Besten funktioniert.
Da braucht es dann weder politischen Dirigismus, noch paternalistische Verbote.
Und das erfolgreiche setzt sich durch. Und wenn es Nischen gibt, dann werden die natürlich nicht “verboten”, sondern behalten sie ihre Liebhaber, oder sie sterben weg mit der Zeit. Oder sie werden der neue Trend und setzen sich durch.

Wenn der FFRL keinen überzeugenden Durchsatz mehr liefert oder die Verwaltung/Beantragung von Tunneln irrwitzige Hürden in den Weg wirft, dann finden sich Leute zu Alternativen zusammen.
Das ist 2016 und besonders 2017 passiert. Und auch gut so.

Nun hat man beim FFRL den Bandbreiten-Bedarf erkannt, für die administrativen Flaschenhälse sind zwar nach wie vor keine durchschlagend erfolgreiche Konzepte gefunden (was man so hört), aber wie gesagt: Es ist ein Wettbewerb der Backbones. Und lediglich der Mangel an IPv6-PI-Adressen erschwert derzeit den Wechsel für die meisten Communities.


#33

Der Ausbau des FFRL Backbone wird von der Landesregierung NRW bezahlt, ein anderes Backbone müsste auch in NRW stehen, damit es bezahlt wird.


#34

Hallo,

zu:

Das sehe ich anders: Freifunk hat schon länger eine Zielvorstellungen entwickelt - z.B. das MoU

Das MoU in Berlin und Weimar entstanden und ist das Ergebnis einer überregionalen Diskussion. Es sagt, dass es keine Admins geben soll, die per Remote-Access Kontrolle über den Zugang zum Internet haben…

Es ist nicht einfach “das was lokal am besten funktioniert”. Wenn lokal andere Dinge beser funktionieren - ok. Aber dann ist’s nicht mehr mit den gemeinsamen Projektzielen vereinbar.

Ich bin Mitglied im FFRL e.V. - der Verein steht für Freifunk. Da erwarte ich schon, dass die gemeinsamen Projektziele eingehalten werden. Natürlich kann es bedeuten, die Ziele im Dialog mit anderen Communities außerhalb der FFRL-Blase zu ändern. Aber dazu braucht’s eine größere Diskussion (CCCongress, WCW, o.ä.) mit breitem Konsens. Stand jetzt gibt’s noch nicht mal einen Pull-Request für das MoU.

Die Argumentation “ohne Ausbau wird das Internet” langsam überzeugt mich nicht. Eine do-it-yourself Netz aus vermaschten Plaste-Routern ist von der Konstruktion her langsam und unzuverlässlig.

Gruß, yanosz


#35

Hallo yanosz,

also weder auf der Freifunk.net noch auf der Webseite vom FFRL, finde ich angaben
die sich mit deinen Aussagen decken zu einem “dezentralen” Netz. (Satzung/Ziele)
Davon mal ab, das uns das FFRL Backbone auch ein bisschen mehr Freiheit im
Netz zurückgibt, durch die “teilweise” Anonymisierung einer nicht vorhandenen
Nutzerkennungen etc., bewart es uns doch auch vorerst immer von der Willkür der Justiz
und der Provider. Ich möchte mal explizit auf die DNS-Sperren vor ein paar Jahren verweisen,
oder auf die Pläne bestimmten Datenverkehr zu Priorisieren. Das Backbone mag eine zentrale
stelle sein, da gebe ich dir Recht, aber sie wird kontrolliert von Menschen die unsere Werte vertreten,
und das ist mir um vieles lieber, als es Geschäftsgeilen Spezialisten bei den Providern zu überlassen.
Das MoU sehe ich persönlich nicht bindend, sondern eher als Leitfaden.

Gruß
Mattes


#36

Hallo,

Ich verstehe nicht so recht, was Du genau meinst. Zum einen gibt’s schon Referenzen auf die Ziele - kann ich gerne auflisten (siehe unten); kein Problem.

Oder meinst Du, dass Dezentralität kein Ziel in der Freifunk-Community ist?

Bei der Bewertung des MoU stimme ich Dir zu: Es ist nicht bindend - es gibt keine Norm vor - es will nicht sagen, was “falscher Freifunk” ist. Es reflektiert aber ein Projektverständnis, dass in der Community geteilt wird. Wenn’s nicht zu deinem Verständnis passt, kannst Du gerne einen Pullrequest stellen.

So - hier die Links, die auf die schnelle gefunden hab:

Gruß, yanosz


#37

Auch wenn es schwer fällt zu verstehen, wo genau eigentlich dein Problem liegt… hast du denn eine Lösung anzubieten? Wie genau sähe denn “dein” Freifunk aus?


#38

Hallo,

Zwei Dinge:

  • Lösungen gibt’s viele. Wie @rotanid beschrieben hat, haben sie sich gegen das FFRL-Backbone entscheiden. Bei Freifunk-Berlin gibt’s auch verschiedenen Möglichkeiten für VPNs nach draußen. Ich hab’ selber auch mal angefangen was zu basteln (Node_config: Hilfe gesucht - wer macht mit?).
  • Letzendlich ist’s nicht “mein” Freifunk, sondern es gibt außerhalb der FFRL-Blase einige Communities die dezentrale Netze bauen zu wollen. Hör’ Dich einfach mal um.

Gruß, yanosz


#39

Hallo yanosz,

ich glaube bevor wir darüber diskutieren können ob es das FFRL Backbone noch weiter geben kann, müssen wir wohl das grundsätzliche “Problem” Diskutieren. In diesem Fall läuft das auf die Teilfrage hinaus wie Dezentral will eine Community sein. Eigentlich ein Fass das ich nicht aufmachen möchte.

In der aktuellen Freifunk-Geschmaksrichtung ‘Gluon’ kommt man nicht drum herum das es eine Zentrale Stelle gibt. Die Effekte kann man abmildern in dem die Zentralen Komponenten von mehreren Personen/Vereinen/Entitäten, betrieben und verwaltet werden.

Genau das ist das zentrale Problem für mich an einem komplett Anarchischen und Dezentralem Freifunk, wir wollen hier eine alternative/eine eigne Infrastruktur schaffen, die nicht nicht einfach abgeschaltet werden kann und jedem offen steht. Doch was ist das ganze Wert wenn niemand plant, unterstützt und koordiniert? Dann haben wir ein Wild gewachsenes Netz, das man selber nicht verwenden möchte, weil es unbenutzbar geworden ist.

Für mich gilt es hier einen gesunden Kompromiss aus Dezentralität und Funktionalität zu finden. Nicht ganz einfach, aber auch nicht unmöglich.

Grüße, herrbett


#40

Hallo yanosz,

auch in den Verlinkungen von Dir wird nirgends Bezug auf den Dienst “Internet” genommen.
Für mich ist das Freifunk-Netz das Interne Netz selbst, welches sich auch ohne Gateways
und Backbone weiter betreiben lässt, weshalb ich den aufreger hier auch nicht nachvollziehen kann.
Auf welche weise sich eine Freifunk Community an das Backbone anschließt, oder auch nicht um den
Dienst “internet” anzubieten sollte man an die dort vorhanden Menschen koppeln.
Wenn man sich Stur an Werte klammern möchte, die nicht oder nur sehr schwer zu Realisieren sind,
läuft man eher darauf hinaus der ganzen Sache die Kraft zu nehmen und engagierte Leute zu verlieren.
Das es eine zentrale Stelle für den Internet Dienst gibt, ist sicherlich nicht unbedingt toll, aber
es wird ja bereits daran gearbeitet dies zu zersplittern, durch Communitys die den gleichen weg gehen
wie der FFRL (ASN/Peerings etc). Dazu muss man aber wieder das Gesamtbild betrachten, und nicht nur
den FFRL.

Gruß
Mattes


#41

Ein Netz was nicht einfach abgeschaltet werden kann ? Das ganze womöglich ohne zentrale Komponenten lauffähig und benutzbar ? Tja, es wird dran gearbeitet aber die momentane Struktur gibt genau das noch nicht her. Ja, ich weiss das Adorfer mich dafür in der Luft zerreissen wird da ja die Technik dafür durchaus vorhanden ist. Sie wird nur noch nicht so eingesetzt das daraus die Killerapplikation entsteht die sich einige wünschen. Zumindest nich beim Freifunk sondern eher bei kommerziellen Produkten wie der Gotenna Mesh deren Speed zum senden von Textnachrichten wohl einigermaßen klargeht. Dafür ist es ein dezentrales Netz. ÖK, went off the Rails on a crazy Train.

So wie es aussieht wird also der Internetzugang noch einige Zeit eine zentrale Rolle spielen. Erst wenn man in einer Wolke die gerade offline ist auf eine einfache Weise bestehende Dienste finden und nutzen kann könnte sich daran etwas ändern.

Beispiel:
Ich habe ein Notebook mit nem Linux drauf was ich auch häufiger mal unterwegs benutze. Es ist schon das 2. mit dem mittlerweile 4. Akku den ich verschlissen habe. Auf dieser Maschine läuft ein nginx auf Port 80, man kann also von aussen einen Dienst nutzen. Wenn das Gerät an eine Fritze hängt ist es unter nightcore.fritz.box erreichbar, an meiner EasyBox 904 als nightcore.rwp. Leider gibt es beim Freifunk diesen Luxus standardmäßig noch nicht. Abhilfe ist in Sicht da jemand wohl gerade eine Suchmaschine für Freifunk entwickelt.

Demnach ist das Netz im Augenblich weder wirklich dezentral noch vor dem unbrauchbarmachen gefeit. Es wird jedoch sowohl an dezentralem DNS als auch DHCP gearbeitet was weitere Meilensteine sein werden.


#42

Hi,

ein paar Sachen mag ich nicht unkommentiert stehen lassen:

Und damit sprichst Du mal eben allen Freifunkern weit und breit das Recht ab,

  • das “digitale Glas Wasser” stabil und loss-less bereit zu stellen?
  • professionelle Admins zu sein und die Fähigkeit zu haben, entsprechende Systeme und Netze zu bauen?
  • entsprechende Ansprüche an die Infrastrukturen zu stellen, die sie gebaut haben und betreiben?

Das ist mal bold. Ich persönliche empfinde das als frech und deplaziert. Hier ist glaube ich die entscheidende Frage - die sich letztlich jeder selbst stellen und beantworten muss - wie der lokale Freifunk wahrgenommen werden soll auf einer Skala von “Utopie / Bastel-Netz, das garantiert dezentral ist und manchmal halt nicht geht” bis “professionell betriebenes offenes und freies Netz, das im Normalfall einfach funktioniert und ggf. im Backbone zentralisiert betrieben wird”*

*da es Realiter üblicherweise nur eine kleine Hand voll Nasen betreiben, die das häufig schonmal gemacht haben und aus diversen Gründen gerne wollen, dass das läuft, damit sie auch noch etwas von ihrer Freizeit haben.

Wir als Freifunker-Gemeinschaft haben uns mittlerweile einen Namen gemacht, und sind an sehr vielen Stellen dort eingesprungen, wo Politik und andere Akteuere es nicht geschafft haben - warum auch immer - zeitnah Lösungen bereitzustellen. Dadurch werden wir als Community ernst genommen und sind zum Teil mit kommunaler, Landes- und/oder Bundespolitik im Gespräch und werden untersützt (NRW-Landesförderung, 100xWLAN, …) und gefragt. Das werden wir meiner Meinung nach primär deshalb, weil das, was wir bereitgestellt haben funktioniert und wir bestehende Probleme gelöst haben. Dafür braucht es laufende Infrastruktur. Das kann man jetzt gut oder schlecht finden, das ist letztlich jedoch erstmal Realität.

Ich glaube, Dir ist unklar, was das erreichen gewisser Performancegrenzen für Auswirkungen hat. Zum Teil haben wir Packet Loss, weil Leitungen voll laufen oder CPUs am Limit sind (primär letzteres). Der Effekt, den Otto-Normal-Mensch hinterher wahrnimmt sind kaputt Verbindungen und im Falle von Telefonaten (Skype, Hangout, Facetime, …) ein unverständliches Gegenüber. Wenn ich mich dann in Situation einer armen Sau in einer Flüchtlingsunterkunft denke, finde ich das traurig. Daher kann ich Deine Aussage weder verstehen noch unterstützen. Ich habe da andere Ansprüche an Dinge, für die ich mit verantwortlich zeichne und möchte niemanden ein “digitales Glas Wasser reichen”, das Sprünge hat (um mal im Bild zu bleiben).

D.h. Dein Freifunk-Netz nutzt kein B.A.T.M.A.N.adv. und keine Gateways, auf denen man filtern/loggen/zensieren kann? Natürlich könnte man sowas an diversen Stellen in jedem Netz tun; es ist aber doch genau der Freiheitsgedanke, der hinter all dem steht, was wir hier tun und damit der Grund, warum eben das nicht passiert und passieren wird. Punkt. Der Logik nach darfst Du garkeine Art von Tunnel nutzen und musst überall lokal ausleiten. Dann hast Du einen Haufen Hotspots geschaffen und vermutlich immernoch ein bisschen Restsorgen und einige Leute, die nicht mitmachen.

Wäre die vordringlichste Frage nicht erstmal, ob “der FFRL e.V.” diese Ziele auch genau so als seine betrachtet?

Polemik aside, ist das erstens nicht ganz so einfach und zweitens müsste auch hier die Frage aufgemacht werden, ob “der Verein” das überhaupt will. Spoiler Alert: Ich wage das zu bezweifeln.

Der entscheidenste Punkt ist: AS201701 ist eben genau nicht “ein VPN-Anbieter unter vielen” und will das auch garnicht sein, geschweige denn werden. Es ist ein Enabler/Kick-Starter für Freifunk Communities in Neuland. Nicht mehr und nicht weniger. Mag sein, dass die Störerhaftungssituation besser geworden ist, das ist aber noch lange nicht die ganze Miete, wenn man Dinge auf einer technische Ebene betrachtet. Dazu haben hier genug Leute etwas geschrieben. Optimalerweise wird die Welt an der von IPv6 bald etwas einfacher, aber auch mit IPv6-PI brauche ich einen Upstram, der BGP mit mir spricht etc. pp.

Welche genau?

  • So groß wie nötig
  • Wie bisher, mit mehr Automatisierung, damit Changes weniger Arbeit machen und Leute nicht mehr so lange auf Tunnel warten müssen
  • In diversen Communities. Bitte Mesh-Netze und Backbone-Infrastruktur gedanklich trennen.

VG
Max


#43

Hallo,

Kurz: nein.
Ausführlich - zur Klarstellung.

  1. Wenn ich sage, eine Sache entspricht nicht meinem Zielverständnis eines Projekts, spreche ich niemanden das Recht ab etwas zu tun. Es ist nur außerhalb eines Projekts.
  2. Mit Nicht-professionell meine ich, dass es ehrenamtlich und nicht beruflich geschieht.
  3. Ich sage “Beschwerden finde ich daneben” - damit sind keine Ansprüche gemeint: Wenn Du Ansprüche an Deine Arbeit - hast, gut genial. Das ist aber etwas anderes als eine Beschwerde.

Meine Wahrnehmung hat mehr Dimensionen als eine Achse “Funktioniert” (von Utopie bis Technokratie), weil ich durchaus noch mehr Dinge sehe, die Freifunk erreichen kann.

Da habe ich keine Einwände. Macht weiter und habt Spaß dabei.

Jetzt wird’s polemisch. Um es ganz klar zu trennen:

  • Ich finde Dein Engagement gut und richtig.
  • Von den Prohjektzielen her bin ich aber ungefähr bei Knlx:

D.h. dass Du einen ISP baust, ist gut. Mach weiter.

Gleichzeitig gibt’s jedoch den inherenten Konflikt zwischen Freifunk und einem ISP-Betrieb. Die Frage ist, was will der FFRL? ISP oder Freifunk oder einen anderen Weg für den Konflikt finden?

Ich möchte mich nicht in einen ISP in dieser Form einbringen, sondern Freifunk als dezentrales Netz aufbauen.

Nope. Für mich ist Dezentralität sozial und nicht technisch. Es geht um „Wer herrscht über was?” und nicht um technische Redundanz.

Technisch kann jede / jeder filtern, loggen und zensieren, dass durch den eigenen Knoten geht. Damit entsteht aber keine zentrale Stelle, an der es möglich ist, alles zu kontrollieren. Es gibt zunächst erstmal keine Autorität, die die Macht hat. Die Hackerethik sagt hier: “Misstrauen gegenüber Autorität und Bevorzugung von Dezentralisierung.”

Jepp - da stimme ich zu und hoffe auf eine Diskussion im Verein. Ich bin recht erwartungsfroh, dass wir hier ein paar gute Ideen entwickeln. Von meine Seite her, wäre es enorm entäuschend, ohne interne Konsensfindung einfach auszubauen.

Das Ziel “VPN-Anbieter unter vielen zu werden” war nicht polemisch gemeint. Ich stehe dazu. Sofern jede Community gut zu anderen Anbietern wechseln kann, gibt es keine zentrale Admin-Autorität.

Da hab’ ich Bauchschmerzen: Die aktuelle “Enabler/Kick-Starter”-Mentalität schafft schnell technische Abhängigkeiten, die dann sozial gesehen zentrale Strukturen festigen und ausbauen.

Richtiges “enablement” hieße, verschiedene Optionen zu ermöglichen, die nicht zwingend solche Abhängigkeiten schaffen - z.B. enablement im Sinne von Know-Transfer (Doku, Veranstaltungen, etc.).

Das meinte ich organisatorisch und nicht technisch.

Nope - da gehe ich nicht mit. Für mich gilt die Forderung nach Dezentralität für Mesh-Netze und Backbone-Infrastruktur gleichermaßen. Sie kommt aus der Hackerethik, wird von Freifunk referenziert und bezieht sich auf das ganze Projekt.

Gruß, yanosz


#44

Hallo,

Eigentlich bin ich gegen einen Ausbau. Für einen Abriss würde ich aktuell nicht eintreten.

Viele Stellen finde ich gut. Damit gibt’s keine Abhängigkeit mehr von einer Stelle oder wenigen - wichtig ist, dass andere das System einfach nachbauen können. Ein AS, samt RIPE-Mitgliedschaft, 40 GBit/s und LIR ist eine hohe Hürde - da wird es nicht viele geben, die es nachbauen können.

Das sehe ich genau so - es wird nicht einfach sein, einen guten Weg zu finden. Gleichzeitig bin ich guter Dinge, dass die Diskussion im FFRL nun Fahrt aufnimmt.

Zwei Anmerkungen noch:

  • Ich hab’ schon Vertrauen in selbstverwaltete Strukturen. Ich seh’ schon Potential für Koordination
  • Die Frage ist auch, wofür ein Netz verwendet wird. Es ist auch irgendwo “experimentelles Forschungs- und Bildungsprojekt” vs. “Internetzugang mit hoher Datenrate”. Beide Use-Case sind zunächst legitim. Von der Projektidee ist Freifunk für mich aber tendentiell ein Forschungs- und Bildungsnetz.

Gruß, yanosz


#45

Also lehnst Du auch Gluon und, per se, batman-adv-basierte Freifunk-Netze ab, korrekt?

Das mit den “dezentralen Netzen” ist ein schicker Slogan; allein, wenn man dies konsequent umsetzt, ist es eine technische Notwendigkeit, daß das erbaute Netz unbrauchbar für Nutzer ist. Gluon bzw. der Einsatz von batman-adv ist hier ein Kompromiß, der “Freifunk-Backbone” in Folge ein weiterer.

Ich sehe in dem Kontext aber einen anderen Punkt: für viele Communities ist der FFRL-Backbone zu dem Punkt geworden, durch den ihre Netze eben doch “einfach so abgeschaltet” werden können (bzgl. des “Dienstes Internet”; bei denen, die FFRL-VMs nutzen, auch tiefgreifender). Hier wäre Diversifikation IMHO wünschenswert, d. h. daß andere Freifunk-ASe parallel zum AS201701 des FFRL erwachsen und in einer Art Verbund diese Abhängigkeiten aufbrechen. Das ist technisch leichter, organisatorisch schwerer zu lösen — denn dafür muß Zeit und Geld investiert werden.

Das geht hervorragend im Klein-Klein der Single-SSID-APs, das geht eben nicht in einem Verbund von APs, die “irgendwie” vermascht sind. Insofern ist die Frage, ob Du Maschennetzwerke um der Machennetzwerke bauen willst, oder Maschennetzwerke, die im realen Leben einen Nutzwert haben.


#46

Hallo,

Nein. Ich sehe das Problem bei sozialen Strukturen - nicht bei der Technik.

Nein - sehe ich nicht so. Steile These.
Fehlender Zentral-Admin != Niemand kehrt.

Sehe ich anders: Technik begünstigt zwar soziale Strukturen, aber soziale Kompromisse dürfen nicht durch Technik entstehen.

Das Freifunk-Rheinland ist für mich ein Hack gegen die Störerhaftung. Es entstand, wo der FFRL auf dem Geld aus der Operation Störerhaftung saß.

Hier stimme ich Dir zu. Die Situation finde ich problematisch.

Naja, für mich ist ein eigenes AS nicht alternativlos. Einerseits sind Aufwand und Kosten sind gewaltig. Andererseits gibt’s in AS’n häufig eine Hand voll Admins, die Access auf den Core-Routern haben.
Für mich macht Freifunk aus, aktiv Alternativen zu bauen und dezentrale Wege zu gehen.

Das sehe ich nicht so. Sozial gesehen können sich alle zusammen anstelle einer Autorität um den Betrieb des Netzes kümmern. Die soziale Strukur einer Community hat direkt nichts mit der Anzahl der ausgesendeten SSIDs zu tun.
Sozial != Technik.

Hast Du https://kbu.freifunk.net/2016/05/Seid_dezentral/ gelesen?

Gruß, yanosz