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Moin!

Im Freifunk-Blog tauchte gestern Abend ein Artikel auf, der die momentane Entwicklung vieler Communities kritisiert. Knlx blickt auf die Leipziger & Berliner Anfangszeit zurück, als mit IP-Adressen aus Wikis hantiert wurde und selbst die Clients OLSR fahren mussten. Dann gab es immerhin DHCP mit NAT, welches aber als unschöne Hierarchie betrachtet wird.

Das jetzige Freifunk vieler Communities habe nicht mehr viel mit Freifunk zu tun, denn es herrschten zentralistische und regulatorische Ansätze. Die Bestrebungen einiger Communities, ISP zu werden, per default eingeschaltete Autoupdates, Vereine ansich, all das sei mit der ursprünglichen Freiufnk-Vision unvereinbar.

Als @Floh1111 und ich in Oldenburg vor ca. 6 Jahren mit den ersten Foneras rumbastelten, mit OLSR Erfahrungen sammelten und Netmon entstand, da war die Partizipation für nichttechnikaffine Menschen doch irgendwie schwieriger. DHCP-Ranges für die Router mussten festgelegt und VPN-Certs erstellt werden, und es war im Grunde erstmal nur „Nerdspielzeug“.

Einige Zeit später lernten wir dann auf dem LITOL ein paar Lübecker kennen, die uns von Tinc und Batman-Adv erzählten, und es entstand die Oldenburger Firmware, die als Fork immernoch bei den Franken existiert. Jahrelang gab es nur einen zentralen Gateway, aber Menschen konnten bei dem Netzsetup ohne viel Configaufwand Router aufstellen.

Vor 1,5 Jahren kam dann die Idee auf, einen Verein zu gründen. Die Idee war mitunter, dass man Gateways auf den Verein mieten kann (jaja, hätten wir damals die Gewerblichkeitsdefinition der BNetzA gewusst), und nicht mehr Privatpersonen ihre Server zur Verfügung stellen müssen. Somit läuft das Netzsetup unabhängig von Personen und jeder, der sich einbringen möchte, kann beispielsweise die Gateways mitadministrieren.
Der Verein agiert nur als Konstrukt zur Finanzierung, Miete von Servern etc.

Jeder Mensch, egal ob Vereinsmitglied oder nicht, kann aber mitmachen. Trotz unserer ach so zentralisierten Struktur gibt es viele Menschen, die sich irgendwie einbringen. Menschen, die irgendwo in der Region Router aufstellen, und irgendwann erfahren wir dann mal, dass sich irgendwo auf dem Land ein halbes Dorf vernetzt hat. Wo geschieht da Regulation?

Sicherlich gibt es auch dann ein paar Leute, die Freifunk für eine billige Alternative zu kommerziellen Anbietern halten, beim nächsten Routing-Hickup wird dann eine unpassende Erwartungshaltung offenbart und sie sind dann wirklich besser bei einem Anbieter mit SLA aufgehoben, wo sie Kunde sind und eine Dienstleistung einkaufen - und nicht Teil einer Community.

vg
bjo

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Wie ich schon in einem anderen Thread schrieb, sehe ich Freifunk NG ein bisschen so wie die Freiwillige Feuerwehr - auch eine Aufgabe, bei der man niemals glauben würde, dass sie irgendwie in Bürgerhand geraten ist. Vereine finde ich da eine super Sache, auch Organisation, weil dann nicht mal eben ein Haus abbrennt weil niemand dafür zuständig war den Löschwagen zu tanken.

Freifunk Rheinland und angeschlossene Domänen / Communities sind ja eines dieser komischen Konstrukte im Westen, auf die der Blogartikel zielt. Im Moment ist es so offen wie nie - keine Registrierung, keine Zwangsmitgliedschaft. Und wer Freifunk Classic nicht kennt, wünscht sich manchmal sogar etwas weniger Offenheit, um das Level zu halten.

Das VPN-Konstrukt sehe ich als Fix für einen Exploit in unserem Rechtssystem. Sobald der Exploit behoben ist - was noch dauern kann - bleibt der Fix bestehen. Und wer aktuell fit in Linux ist, der kann auch in einer Freifunk Rheinland Firmware die VPN-Nutzung abschalten.

Was mir tatsächlich ein bisschen fehlt, ist die Community an sich - die Nachbarschaftsdienste, die exklusiv im Freifunk verfügbar sind. Zumindest hier im Ruhrgebiet sind mir keine bekannt und solange der Weg zum Internet so kurz ist, wird sich jeder auch lieber im Internet präsentieren statt nur im Freifunk-Netz.

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Meiner Meinung nach eine Mischung aus „früher war alles besser!1!!11“ und einem Zerrbild was entsteht, wenn man der Presse über FF folgt. Zum Umgang mit der Presse gibt es ja schon ein/mehrere Themen.

Zudem ist es jedem freigestellt an seinem Knoten sämtliche Einstellungen zu ändern oder eine eigene Firmware aufzusetzen und zu präsentieren. Es wird und wurde mit den Füßen abgestimmt :wink:

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Vor allem sind wir nicht zentralisiert :wink: Autoupdates kann man abschalten, genau wie das VPN.
Wer möchte kann seinen Router komplett ohne Internetuplink betreiben, IPv6 ist immer verfügbar und bietet Autokonfiguration für Client Adressen selbst ohne Gateway.
Aber möchte man das? :smiley: Ich glaube das die Leute die diesen Blog betreiben ein etwas narzisstisches Weltbild haben. Ich würde auch nicht viel drauf geben, denn er Erfolg spricht für sich.
Während in Berlin teils mit uralten Konzepten eher User bzw Node-Aufsteller vergrault werden, steigt bei uns die Zahl der Nodes fast täglich.

Es zeigt das der Verfasser des Blogbeitrags sich nicht richtig informiert hat. Denn hätte er dies getan wäre er auch zu dem Schluss gekommen das VPN und Autoupdate eben optional sind und schon alleine aus diesen Grund sind alle Argumente die gebracht werden ausnahmslos ohne Gewicht.
Auf Twitter konnte ich auch schon lesen das unser Netz ja mit einem einzigen Rogue-Gateway außer Gefecht gesetzt werden kann, was so schon nicht stimmt. Klar stört dieser Gateway das Netz aber im OLSR Mesh ist es genau so möglich das gesamte Mesh zu stören. (Z.b. Rogue HNA’s usw)

Es ist also alles nur Schall und Rauch.

Gruß
Cyrus

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Zumal eben Gateways in unserer jüngsten Struktur gar nicht mehr ins Server Mesh auf tap1 reinkommen können, aber woher soll jemand der Freifunk Classic als Ideologie, statt als Instrument betreibt das nötige Wissen haben :wink:

Freifunk Classic (aka Freifunk Legacy) ist ein überholtes Gedankenprodukt, das lediglich das Potential hatte die überschaubare Community über das letzte Jahrzehnt zu retten. Technisch der falsche Weg. Hierarchisch nicht für den Massenmarkt tauglich. Durch den Zwang sich sozial engagieren zu müssen, um notwendiges Wissen und Hilfe zu erlangen, um überhaupt mitmachen zu können werden Barrieren erzeugt und diskriminiert. Die Freibeuter Manier einzelner Personen, die es nicht ertragen können das Freifunk Classic stirbt, scheint der ursprünglichen anarchistischen Ideologie des Freifunk Classic geschuldet.

Freifunk-NG ist ein barrierefreies Produkt für den Massenmarkt, auch wenn es kostenlos bereitgestellt wird. Die flachen Hierarchien wurden ersetzt durch technisch versierte Personen, die sich in Communities und Vereinen zusammengeschlossen haben, um Freifunk Netze jedem Benutzer zugänglich zu machen. Kompromissfrei. Barrierefrei. Einfach. Zentral organisiert gibt es für Interessenten keine Pflicht sich Gedanken um Technik, Freifunk, Störerhaftung, Strafverfolgung, etc machen zu müssen. Entsprechend hat nicht mehr jeder umfassendes Wissen und auch teilweise nur noch einzelne Motive für das Mitmachen. Auch beim Freifunk-NG gibt es Freifunker aus der Classic Zeit, die das gesamte Gedankengut des Freifunk Classic haben und transportieren.

Ob man es nun Freifunk-NG, Freifunk 2.0 oder noch anders taufen mag, Freifunk-NG ist die in der Neuzeit angekommene Evolution des Freifunk. Konsequent weiterentwickelt um Massentauglich zu sein und um möglichst gut und barrierefrei zu funktionieren.

Der Freifunk wird befreit - bereits erkennbar am Erfolg aller Freifunk-NG Communities!

Man kann sich nur wünschen, dass dies schnell genug bei gewissen Personen ankommt und ein Umdenken auslöst, bevor es zu spät ist.

Die dauerhaften Angriffe gegen die Freifunk-NG Communities, initiiert von einzelnen Personen aus Berlin, egal ob über Twitter, über angestiftete Dritte, Blog-Beiträge usw. müssten aufhören, bevor der Förderverein und die verbliebenen Freifunk Classic Communities ernsten Schaden nehmen.

Die Zielsetzung die Freifunk-NG Communities in einen offenen Schlagabtausch zu verwickeln und konstant durch Diffamierung zu sabotieren wird nicht funktionieren.

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Ich bin kein Freund von pauschalen Verurteilungen. Auch in Berlin ist nicht alles schlecht und es gibt dort viele Menschen, die Freifunk aus der „Embedded-Linux-Admin“ Ecke rausholen wollen. Wenn man sich erst frei auf der Konsole bewegen lernen muss, um einen Router zu flashen, dann läuft da was schief.

Diese Art von Blogposts sind aber viel schädlicher für das gesamte Freifunk Projekt, als ein unglücklicher Artikel einer Provinzzeitung, der den Anschein erweckt, Freifunk sei nur ein kostenloser Hotspot Provider.

Ich frage mich daher auch, ob ich/wir auch die Möglichkeit bekommen, einen Blogpost auf Freifunk.net zu veröffentlichen um diese elenden Vorwürfe dort zu entkräften.

Langsam fange ich nämlich an, Aussagen von einzelnen Akteuren aus dem Umkreis des Berliner Förderverein Freie Netzwerke e.V. persönlich zu nehmen.

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Ich sehe es so, dass es wenig Grund gibt Dienste in FF exklusiv anzubieten.
Wenn schon etwas aufgebaut wird und im Freifunknetz hängt, warum soll man es dann von außen vernageln? ich fände es sehr bedauerlich, wenn community-interne Dienste nur abrfubar sind, wenn ich im Netz jener community bin. IPv6 macht es doch möglich alles offen zu lassen.

Anders gefragt: Sind überhaupt Dienste vorstellbar, die nur im Freifunknetz sinnvoll sind?

Jemand zum Spaß seinen raspi an den Router hängt und blogcasts, texte, Dorffotos anbietet, dann sollen doch da möglichst viele Leute ran.

Oder verstehe ich falsch was mit Diensten im FF-netz gemeint ist?

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Dito, deshalb schrieb ich auch:

wenn auch ohne weitere Nennung…ich meinte schon sehr explizit, wie geschrieben, einzelne Partisanen und wollte nicht pauschal wie im Blogpost den ganzen Osten verurteilen, denn ich bin auch kein Freund von pauschalen Verurteilungen oder Vorurteilen… :wink:

Im Moment machen solche Dienste vor allem Sinn bei bandbreitenintensiven Anwendungen. Das Problem wird sich aber sowieso in den kommenden Jahren immer mehr lösen, wenn Glasfaseranschlüsse zur Norm werden. (Ja, es reichen auch ein paar Telekom-Glasfaser-Light-Anschlüsse mit 200/50 MBit/s, dann ist das WLAN schon der Flaschenhals…)

Manchmal werde ich das Gefühl auch nicht los, dass da manche Leute einfach mit dem Nachbarn drei Häuserreihen weiter ein NAS mit ihrer Filmesammlung teilen wollen, und dafür alle Nachbarn auf der Strecke zu Helfern in der nötigen Eimerkette verpflichten wollen. Und das darf natürlich auch niemand im Internet wissen, da sind ja die Abmahnanwälte.

Ansonsten halte ich noch ein internes DNS für sinnvoll, wo man eine .ff Fake-TLD hat, bei der man ohne großen Aufwand mal eben eine Domain registrieren kann. Ist dann auch schön für Jugendliche, die Webzeugs experimentieren wollen, aber keine Möglichkeit zur Zahlung einer richtigen TLD haben. Aber sowas kann man auch als Subdomain einer richtigen Domain, die im Internet auflöst, umsetzen (siehe Wuppertal).

Diese Idee finde ich gut. Optimal wäre ein Blogpost im Konsens mit multiplen Communities.

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Jo, dann sollte aber auch gut sein… Drama ist nur, wenn man auch mitmacht :stuck_out_tongue:

Und man wird nie die Gegenseite überzeugen. Ist ja nicht so, als ob die keine Argumente hätten.

Leider gibt es im Freifunkblog keine Kommentarfunktion, deshalb lasse ich hier meinen kurzen Senf ab.

Da scheint es Leute zu geben, denen das was „da im Westen passiert“ nicht so passt. Bisher hat mich das nur gestreift, aber nun scheinen diese Leute über „offizielle Kanäle“ ihren Senf abzugeben. Die Frage die ich mir stelle ist: Wo sind diese Leute nicht mitgekommen und wie nimmt man sie mit? Es gab da wohl damals™ die Bewegung, die Nerds erlaubt hat von Fensterbrett zu Fensterbrett zu kommunizieren.
Zeitsprung 2015: Es gibt eine Bewegung, die Nerds erlaubt von Fensterbrett zu Fensterbrett zu kommunizieren. Da hat sich in meinen Augen nichts dran geändert. Neu ist nur, dass man nicht zwingen ein Kommandozeilendirigent sein muss um sich einen Router einzurichten. Die Geräte selber sind, entgegen des Textes, immer komplett in der Hand der User (außer die Universal-Keys würden eingeführt, das wäre ein berechtigter Einwand).
Der Kommandozeilen-Nerd profitiert davon, dass „sein“ Netz jetzt noch weiter wächst.
Das Dilemma ist nur, das a) ohne Dienste und b) ohne Internet nur wirklich interessierte Eingeweihte an Freifunk teilnehmen würden. Und ohne genug Eingeweihte kein Netz. Und ohne Netz wiederum keine Dienste…
Ich denke, Freifunk hat sich einfach gewandelt. Und zentrale Gateway-Server sind nunmal ein Übel* dieser Wandlung. Und es wird sich weiter wandeln. Wer weiß schon wohin.

*Interessant fände ich in der Tat den aus dieser „Ecke“ geäußerten Vorschlag sich seine Gateways (oder Supernodes) einfach selber aussuchen zu können. Dann kann jeder in seine eigene Ecke im Sandkasten gehen und dort das spielen, was er unter „Freifunk“ versteht

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Interessant an dieser Geschichte ist, dass die „Frontleute“ von damals die Entwicklung verpasst haben (nicht technisch) und plötzlich hinterher hinken. Das ist ja wie in der Politik.

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Ich spiele mal den Advocatus diaboli. Ich finde nämlich den Alleinvertretungsanspruch, den wir teilweise an den Tag legen auch nicht so toll, das macht nur unnötig Streit.

Die Argumentation ist so wie ich das sehe stark angelehnt an Argumente der Freien-Software-Bewegung, die vielen Techies bekannt sein werden, und die ich im Abriss auf das wesentliche noch einmal darstellen möchte. Software ist dort ein Vehikel um grundlegende Menschenrechte wie Informationsfreiheit, Meinungsfreiheit und Kommunikation auszuüben. Nun ist es ja so, dass die Software gewöhnlich von anderen Menschen entwickelt wird, denen man vertrauen muss, dass diese keine bösen Hintertüren einbauen (vielleicht nur unabsichtlich), die dann die Rechte aushebeln.
Da es um elementare Menschenrechte geht, kann man auch rechtfertigen, mal radikaler zu werden, und schnell Kleinigkeiten, bei denen man das Potential eines Schadens sieht, vehement abzulehnen.
Es ist grundsätzlich eine gute Idee, nötiges Vertrauen zu bestimmten Personen zu minimieren. Freie Software löst das Problem, indem der Community als ganzes der Sourcecode zur Verfügung gestellt wird, und jeder einzelne fähige Programmierer den Code nachprüfen kann (oder jeder andere einen solchen beauftragen kann).
Das kann man sich z.B. in diesem Video noch einmal anschauen.

Man wird sehen, dass man zwar den Aussagen durchaus widersprechen kann (ne eigene Meinung kann jeder haben, und Stallman hat nicht nur Fans). Man sieht aber, dass aber die Argumente in sich schlüssig sind! Merken wir uns das mal, wenn wir uns gleich die Argumentation der Berliner anschauen.

Wir wollen mal eine parallele zum Freifunkmodell des FFRL ziehen. Dort haben wir eine zentrale Infrastruktur, die von einigen wenigen Leuten administriert wird. Das bedeutet, dass man diesen Personen vertrauen muss, dass die alles richtig machen. Das mag für mich nicht so schwer sein (Ich kenne @nomaster und @Cyrusfox persönlich), aber für manche vielleicht ein wenig mehr. Oder man möchte aus Prinzip den Leuten nicht Vertrauen müssen, wie man es zum Beispiel in der Cryptographie immer tut. Macht vielleicht auch Sinn. Schließlich geht es bei uns auch im Endeffekt um elementare Menschenrechte, wie Zensurfreiheit.
Wenn man jetzt nachdenkt, wie man ähnlich zur Freien Software bei uns ein Kontrollsystem etablieren könnte, fällt mir zumindest nichts ein. Man kann zwar Konfigurationen des Servers veröffentlichen, aber ein böser Admin könnte immer noch einfach eine andere Konfiguration einspielen. Man kann Audits zulassen, aber dann muss man immer noch den Auditoren vertrauen (den infiniten Regress den man hier aufbauen kann, spare ich mir). Man müsste quasi jedem Interessierten Zugang zur Infrastruktur verschaffen. Aber ein Bösewicht würde das natürlich ausnutzen.

Genauso wie bei der freien Software ist diese Argumentation (so wie ich das sehe) in sich schlüssig, und nicht irgendwie logisch falsch, wie das alle hier darstellen. Wo es hakt ist einfach das Vertrauen. Deswegen glaube ich, dass man die Leute nicht so einfach „abholen“ kann, wenn man nur die richtigen Argumente findet, um sie zu überzeugen. Vertrauen kann man von außen nun einmal nicht überstülpen.

Ich bin daher dafür, den Streit einfach nicht hochkochen zu lassen. Vielleicht lesen die das hier auch, und merken, dass es nicht gut ist, einfach von der Seite auf Twitter ständig rumzuätzen, wenn es mal Schluckauf in der Infrastruktur gibt, oder irgendwas „ideologisch falsches“ gepostet wird. Meine Argumentation funktioniert jedenfalls auch im anderen Lager. Wir vertrauen unseren Admins eben, daher ist die zentralistische Struktur für uns nicht so schlimm. Das ist eine Meinung, die von anderen Ausgangsannahmen ausgeht, und nicht irgendwie widersprüchliche Logik. Und sollte der Fall eintreten, dass das Vertrauen enttäuscht würde (glaube ich nicht ;)), gibt es halt eine Meuterei oder man schaltet das Netz auf Dezentralität um. Ist ja nicht so als ginge das nicht.

Trotzdem wäre ich dafür, von Begriffen wie „Freifunk-NG“ und „Freifunk Legacy“ Abstand zu nehmen, implizieren sie doch, dass der Freifunk Rheinland irgendwas besseres wäre. Und Bescheidenheit ist eine Zier.

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Das hat imho eher weniger mit dem Freifunk Rheinland zu tun, sondern vielmehr mit allen Communities und Vereinen die Freifunk-NG statt Freifunk Classic betreiben…

Ja gut, sorry. Wollte nicht den Freifunk Rheinland irgendwie herausgreifen. Ich hab nur grade die Hamburger und Paderborner und Nordwester und weiß nicht wen noch alles vergessen. :wink:

Gilt aber natürlich für alle. Den Begriff finde ich doof und ein wenig arrogant, egal wer ihn führt. Lasst uns da doch die Vernünftigen sein und drüber stehen!

Ich habe meine Sicht der Dinge ja heute morgen schon verblogt, daher nur ein paar Sätze zu hier geschriebenem.

Ich habe meinen Text explizit nicht als Freifunk Gütersloh geblogt, denn ich sehe keinen großen Mehrwert an der Diskussion. Sie wird, wie getwittert wurde, ja auch nicht textuell stattfinden — wobei für Störfeuer twitter offensichtlich durchaus opportun ist. (Leider hatte ich Mittwoch vor einer Woche keine Zeit (Welt retten und so für den Hauptjob, Ihr kennt das), vielleicht klappt’s nächsten Mittwoch mit einem persönlichen Gespräch.)

Betreiber dürfte der Förderverein sein, steht jedenfalls im Impressum :wink:

Ich denke, der Autor (und einige andere altgediente Freifunker und -innen) ist einfach vom eingeschlagenen Weg überzeugt, so überzeugt, daß Alternativen nicht mehr sein dürfen. Daher habe ich auch wenig Hoffnung auf ein Ergebnis bei einer Aussprache.

Das kann ich so nicht stehen lassen. Ich habe schon mehrfach versucht, einen Knoten im Berliner Netz aufzustellen, vor Sommer 2014 war das eher bäh. Die aktuelle Firmware macht schon einiges richtig, das Aufsetzen ist relativ simpel geworden (Routermodell anklicken, Standort (Wohnung, öffentlicher Platz, … => daraus ergibt sich die Größe des zugewiesenen DHCP-Netzes), IP-Daten und Link zur Firmware kommen per Mail, dann Knoten flashen und die Daten eingeben …); wie ich allerdings zwei Knoten in Funkreichweite betreiben soll, erschließt sich mir nicht (jeder Knoten hat eigenen DHCP-Bereich). Naja, werd’s nächste Woche ausprobieren :wink:

Geht man allerdings gedanklich einen Schritt zurück, stellt man fest, daß ohne die ganzen Tools, die nun im Hintergrund zaubern, da auch nix mehr geht. Verglichen mit dem Schritt zu DHCP & NAT in Leipzig aus dem Blogpost ist Berlin schon fast Freifunk NG :wink:

Aber die dürften nach der reinen Lehre gar nicht existieren. Das ist doch der Punkt! Zentrale Strukturen sind bäh, inkompatibel mit der Freifunk-Idee. Also bitte nicht so nennen!!!11!!

Ack, und ich tue mir nach wie vor schwer, im Jahre 2015 diese mir zu erdenken. Würden wir hier auf der Grünen Wiese nach Katharina ein Notkommunikationsnetz aufbauen, ja, dann. Aber da es eigentlich alles im Internet irgendwo gibt, und unser Netz eben auch Teil des Internets ist, was soll es da für lokale Dienste geben, die exklusiv für Freifunk-Teilnehmer bereitgestellt werden?

Naja, das ist ja, was z. T. hinterfragt wird: sind zentrale Gateways der Weißheit letzter Schluß? Als ich mich mit den Fördervereinsleuten letztes Jahr traf (Ich glaube, @thomasDOTwtf war zufällig an dem Abend auch da ;)), sprachen wir in einer Raucherpause über Technik, und demnach denkt man wohl an batman_adv-Wolken für Plätze und OLSR im Backbone für’s Routing. Erscheint mir erst einmal nicht doof, wohingegen ich 1000+ Geräte in einer Broadcastdomain erst einmal für voll doof halte. Sowas „macht man nicht“ als normaler Netzwerker, oder? :wink:

An Dir ist Werbetexter verloren gegangen :wink: Was ich in der bisherigen „Diskussion“ nicht verstanden habe: wieso kann eine Community nicht auch flachhierarchisch sein? Von Vereinen halte ich nicht viel (been there …), aber auch ein Verein muß nicht als Bremsklotz konzipiert sein.

Wir haben den Code auf github (Gluon, site.conf). Wie so ein Gateway aufgebaut wird, ist hüstel dokumentiert, ja gar in puppet gegossen => jedes Individuum könnte prinzipiell ein GW für z. B. Freifunk Gütersloh aufstellen, es müßte nur dessen Key in die site.conf rein. Einmal FW neu bauen, Autoupdate-Manifest signieren, und schon könnte dieses GW genutzt werden … Da bei unseren VMs immer mind. zwei Leute root-Zugang haben, ist für mich diese Zentralismusdebatte ziemlich an dern Haaren herbeigezogen.

Anyway, muß ins Bett :wink:

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puppet, nagios, auditing. Den bösen Admin kannst Du technisch schon ziemlich gut ausgrenzen, und mit Automation sein Schadpotential eingrenzen. Und die Logs können direkt auf github/eine revisionssichere Site, zum öffentlichen Audit. Fragt sich nur, ob jemand seine Freizeit auf Servern vergeuden will, die strenger gesichert sind als die von Google — für Leute, die ihm, der unentgeldlich seine Zeit opfert, weniger trauen als der NSA? Das ist ggf. die Kehrseite.

Natürlich kann ich Gott und der Welt mißtrauen (vorausgesetzt, es gibt sie überhaupt; vielleicht sind wir ja auch nur alle Teil eines großen Computerprogramms?). Wenn mir das lokale Setup nicht gefällt, kann ich entweder nicht mitmachen. Oder mich engagieren, um es evtl. zu ändern. Oder eine Alternativveranstaltung aufziehen. (Das mit-den-Füßen hatten wir ja schon.)

Aber darum geht es derzeit ja gar nicht. Es geht nicht um eine lokale Diskussion mit Betroffenen. Es geht darum, daß (aus dem Osten) ein Störfeuer gegen die Art und Weise, wie viele viele Communities (im Westen) ihr Netz aufbauen – batman_adv-/Gluon-basiert, und damit ganz klar mit zentralisierten Strukturen – gefahren wird, und dies u. a. von einem Vorstandsmitglied des Fördervereins freie Netzwerke e. V., Domaininhaber von freifunk.net:

Diese Konstellation macht es etwas schwer »die Vernünftigen [zu] sein und drüber [zu] stehen«. Und der Inhalt macht es unmöglich, die »dies ist ein privater Account und eine private Meinung«-Karte zu ziehen.

Obige Aussage in dIeser Konstellation stellt für mich eine Rufschädigung aller Gluon-basierten Communities dar. Denn diese Communities haben ja, attestiert vom freifunk.net-Vorstand, »die Freifunk-Idee, sozial und technisch, nicht verstanden«.

Und so ganz alleine stehe ich da wohl nicht …

https://twitter.com/ohrensesselnet/status/556490309753118721

Ich muß ganz ehrlich sagen, daß ich weder die Schärfe noch überhaupt die Stoßrichtung nachvollziehen kann. Bislang war ich eiserner Verfechter, unseren Webauftritt unter guetersloh.freifunk.net zu halten (und eben nicht auf die freifunk-$ORT.de-Variante, die uns auch zur Verfügung steht, zu schwenken). Aber anpinken lassen muß ich mich ja nun auch nicht, Freifunk geht auch ohne .net …

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Mit etwas Abstand muss ich nun sagen, dass es wahrscheinlich für beide Positionen gute Argumente gibt. Man kann sicherlich über die technischen und gesellschaftlichen Aspekte ausgiebig diskutieren.

Mir gefällt die Art nicht. Leute die sich hinstellen und behaupten die allgemeingültige Wahrheit zu haben, waren mir schon immer suspekt. Freifunk sollte keine Religion und keine Ideologie sein.

Außenstehende denken wahrscheinlich grade, dass sich die judäische Volksfront und die Volksfront von Judäa streiten.

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Im vorliegenden Fall leider eher einzelne ideologische FreifunkerInnen der ersten Stunde, die mit den sich ergebenden technischen und organisatorischen Änderungen unzufrieden sind und dies augenscheinlich aus Hilflosigkeit in der Öffentlichkeit austragen müssen.

Wenn ich den Überblick richtig bewerte, so sieht es für mich so aus, als würden die Gluon Communities (Freifunk-NG) durchaus die alten Mentalitäten und technischen Ansätze (Freifunk Classic) in Parallelität akzeptieren - nur eben in Teilen leider anders rum nicht.

Tatsächlich ist mir jedoch nur eine einzelne Person bekannt, die aktuell den Stress auslöst. Ein paar wenige Sympathisanten - wie der Blogger - wirken eher von dieser Aktivistin auf die Schiene gesetzt. Durch die hohe Position im Förderverein wird diese Lobby überhaupt erst eröffnet, was mich zu der Frage bringt, ob diese Vorstandsposition tatsächlich richtig besetzt wurde, da imho die Aufgabe wäre unbewertet alle Freifunk Communities zu fördern und zu unterstützen.

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