Was nun: Störerhaftung komplett(?) gekippt


#88

Das wissen wir halt nicht.
Es gibt keine (bekannte) Beschlussvorlage.
Nur Lippenbekenntnisse.

Warum die Netzaktiven sich in Jubeltänzen überschlagen habe, das vermag ja hier auch niemand zu sagen.
Wenn die Mainstream-Presse dem dann auf den Leim geht: Nungut… Wie sollen sie’s auch wissen.
Liest halt nicht jeder die wirklich kompetenten Blogs… würde ja Zeit kosten.

Ansonsten: Wir können nur warten bis etwas Substanzielles da ist.
Bis dahin ist alles heiße Luft, Politikerworte wie Netzaktiven-Freude, aber auch Aufregung.


#89

Im durch und durch gesetzlich reglementierten Apothekenwesen vertraue ich nur auf bereits verabschiedete Gesetze und auch dann plane ich nicht mit einem größeren Geltungshorizont als zwei Jahre.
Insofern: Abwarten. Gesetze verabschieden lassen. Juristen auf den Gesetzestext ansetzen und Interpretationen abwarten. Letztlich Gerichte für die mit Sicherheit vorkommenden Unklarheiten bemühen.
Und wenn dann alles gut ist - was ich nicht erwarte - dann reden wir weiter.
Bis dahin: ungelegte Eier.


#90

Der akutelle Änderungsantrag ist raus und es sieht nicht danach aus, als ob man Leuten nun raten könnte, sein WLAN einfach aufzumachen.
Hier zwei Meinungen zur neuen Version:
Neue Mogelpackung zur W-LAN-Störerhaftung
Aktuelle Änderung des WLAN-TMG-Gesetzesentwurfs – eine kurze Analyse


#91

die Nutzern einen Internetzugang über ein drahtloses lokales Netzwerk

also bei zwei mit LAN verbundenen Routern ist das schon Essig, also immer, da ja mindestens der erste mit LAN verbunden ist. Also VPN wie bisher.


#92

Ist vlt. der falsche Threadtitel für die folgende Diskussion.

Kenne natürlich die Kritik, finde das Ergebnis jetzt aber eigtl. akzeptabel. Die Praxis muss zeigen ob noch mal nachgesteuert werden muss aber das wichtigste hat allein die bloße (vereinfachende) Ankündigung schon für uns Freifunker bewirkt: alle haben von gehört das “das jetzt erlaubt wird”. Juristische Details sind den Entscheidungsträgern egal. Aus diversen Gründen (z.B. SWATing) sollten wir meiner Meinung nach aber auch weiter auf das Supernodekonstrukt setzen. Wir kennen unser Recht und werden uns vor etwaigen Versuchen zu schützen wissen. Auch was den FFRL angeht wird nun sicherlich niemand hingehen und das mit viel Herzblut geschaffene rückgängig machen. Meine 0,02 €.


#97

Das ist meines Erachtens genau der richtige Thread für die Diskussion: Spekulation über das, was aus einer inzwischen gelakten, noch ziemlich unverbindlichen Beschlussvorlage wird, die handwerkliche Fehler hat…

Als Freifunkende können wir uns natürlich ganz freundlich freuen, solange der FUD vom den Gesetzgebung noch ein wenig aufrecht erhalten wird und das Thema “schön lang” als Sau durch’s Dorf getrieben wird.


#98

Wie in


angemerkt wurde, sind wir nun an dem Punkt:
Die Störerhaftung ist faktisch weg (von ein paar akademischen Überlegungen abgesehen)

Derzeit habe ich hier auf der Liste (Vollständigkeit desgignbedingt) für den Gluon-:Freifunk

  • Framework für eine zuverlässige (securitybugfixes) Firmware für Clientnetze
  • Gigantische Toolchain von großen Installationen ohne unerfreuliche Closed-Web-APIs
  • funktionsfähiges Client-Roaming innerhalb der lokalen Wolken
  • Gewissheit als Client bei “Freifunk” ein freies Netz ohne absurde Captcha-Seiten zu bekommen.

#99

Ich fasse es nochmal anders:

  1. wir haben die derzeitige Infrastruktur in den Domains
  2. wir verfügen über Erfahrungen für sehr viele Topologien
  3. wir kennen die Limits des 24/7-Betriebes genauso wie Skalierungsgrenzen
  4. wir haben organisatorische Strukturen, die weit über den Bereich “nur Technik” hinausgehen, um Projekte zu organisieren und sind dabei mit anderen vernetzt
  5. Viele Knotenbetreibende schätzten bislang nicht nur den Schutz vor Abmahnkanzleien, sondern auch die Unterschiede bei Ermittlungen im Strafrechtsbereich.

Was könnte man nun tun, um diese “neue” Freiheiten zu nutzen?

a) Traffic direkt aus Supernodes ausleiten,
b) Traffic direkt auf den lokalen Wan-Uplinks ausleiten.

Nur setzt es bei a) an den Supernodes voraus, dass Hoster-Abusedesks die Erklärung “offenes Wifi-VPN” akzeptieren und nicht mehr jede Woche mindestens 2 VMs “zugesperrt” werden wie anno Dunnemal bei Netcup und Webtropia “nach dem zweiten Abuse-Ticket”.
Und bei b) wird’s schwierigst mit PublicIPv6. Nicht nur weil viele Anschlüsse heute nach wie vor kein IPv6, mit Technicolor7200er auch keine Prefix-Delegation funktioniert und fixe Ipv6 geht natürlich gar nicht. Faktisch würde man dann v6NAT brauchen… und trotzdem noch haufenweise lokale RA/Prefixe, die nur innerhalb der lokalen Wolke gehalten werden. Viel Spass dann bei Wolken mit mehreren Uplinks…

Sprich: Ein Hotspot-Szenario mit Einzelroutern im Hinterzimmer kann bedingt profitieren, aber komplexe Setups mit mehreren Uplinks in einer Wolke sind -meiner Ansicht nach- noch nichtmal theoretisch so erschlossen, dass man wüsste, in welche Richtung da nun z.B. für Gluon entwickelt werden könnte.

Will sagen: Wir können auch im Freifunk davon profitieren, um Dinge besser/einfacher zu machen.

Wir wissen nur noch nicht, wie man lokale Ausleitungen auf Supernode und Consumer-Dialup-Ebene technisch sinnvoll nutzen können, außer “mehr Speed für Clients bei gleichzeitig weniger Kosten im Backend”.


#100

Ich habe in Berlin auch mit @monic über dieses Thema gesprochen.

Ich fände es technisch interessant lokales Ausleiten zu ermöglichen. Also nicht an irgendwelchen Gateways, sondern an den Knoten direkt. Natürlich nur auf expliziten Wunsch des Knotenbetreibers und mit einem dicken Achtung versehen und auch nur für Clients, die in der lokalen Wolke hängen. Das geht aber nur, wenn man Batman beibringen könnte, dass ein als Batman-Gateway deklarierter Knoten, dies nur in der lokalen Wolke bekannt geben soll, nicht aber an per VPN verbundene Knoten. Sonst brechen Netze, die wirklich funktionieren sollen und von ihren Betreibern nicht nur als Testnetze angesehen werden, in der Praxis recht schnell zusammen, weil sich irgendwelche Knoten am anderen Ende der Stadt einen nur über ADSL angebunden Knoten als Gateway suchen.

Ich sehe es als Chance, unser Netz weiter zu skalieren, weil man weniger Bandbreite an den Gateways bereit stellen muss. Roaming ist trotzem weiter möglich und einheitliches IPV6 wird auch weiterhin über die Gateways abgewickelt. Lokales IPV6 könnte dazugeschaltet werden, sofern verfügbar.


#101

Themen durch Moderation zusammengefügt, MPW.

Hallo,

der Titel ist natürlich provokant. Aber diese Einschätzung teilend, stellt sich mir die Frage, ob in bestimmten Situationen Freifunk noch “überzeugungsfähig” ist.

Jetzt mal ganz losgelöst von dem untereinander vermashten Bürgernetz, sondern eher auf den Teilbereich “freier WLAN-Zugang” für Alle betrachtend: warum sollte ich meinen Anschluss nicht direkt freigeben, bei nun entfallenem Risiko?

Ich schalte ja gerade an verschiedenen Standorten unserer Wohnbereiche für Menschen mit Handicap Freifunk an und werde auch dabei bleiben.

Aber helft mir mal ein bisschen auf die Sprünge, warum und wie ich Interessenten mit ähnlichen Vorhabeplänen überzeugen kann, auch FF zu nutzen und zu fördern.

Oder hat sich das in der Sparte “freier WLAN-Zugang” erledigt und ist obsolet?

Liebe Grüße,

Jürgen


#102

hi

nehmen wir mal du machst das und es passiert etwas GANZ schlimmes (mehr als bisschen Urheberrecht, setzt hier einfach irgendwas ganz ganz böeses ein ich möchte keine Standartbeispiele jetzt bringen) bei Freifunk steht erstmal eine Community/Verein/whatever dahinter wo sich die Kripo oder wer auch immer ermittelt hinwendet und dann schon sieht, das da wohl offenes WLAN für die gemeinschaft betrieben wird, bei deinen offenen WLAN stehen sie Sonntag morgen um 5Uhr mit 5 Polizeiwagen und Durchsuchungsbefehl vor deiner Haustür. Auch wenn man nix zu verbergen hat (hat man das wirklich nicht?) ist das doch recht unangenehm wenn man halb nackt die Tür öffnet und so überrascht wird ;). Die Nachbarn denken sich dann vermutlich auch ihren Teil :wink: Ob die dann einfach wieder abziehen wenn du denen sagst “Ich hab mein WLAN aber offen”, also ich bezweifel es :wink:

mfg

Christian


#103

Schau doch mal in diesen Thread:

(alternativ könnten wir natürlich auf jede Frage hier auf das entsprechende Posting des anderen Threads verweisen.)


#104

Andreas, dann mach den hier doch zu, dann geht es weiter im nun mehr nicht mehr “what if” :slight_smile:


#105

Bei Freifunk geht es nicht nur um offenes WLAN, sondern um den Aufbau eines freien Netzes ohne die typischen Drangsalierungen durch den Provider, d.h. keine Drosselungen, keine wild wechselnden IP-Adressen und möglichst auch kein seit 20 Jahren obsoletes IPv4-only-Netz.


#106

Danke, dass Du nochmal eine gekürzte Version von Felix’ darstellung verfasst hast.


#107

Dafür gibt es einen offenen PR seit vielen Monaten im Gluon.
Ich betrachte es als gelöst, da die Diskussion doch derzeit nur über die “Codequalität” (und den üblichen foo) geht.
Da nochmal die Grunsatzdiskussion in Richtung “ungelöst” aufzubrechen finde ich ziemlich unfair jplitza gegenüber.

Für V4 geht es mittels HopPenalty+lokalem dhcpd+iptable-rules an den vpn-Links derzeit schon.

Das IPv6-Problem ist jedoch ungelöst, zumal der Volumen-V6-Anteil (Google, Facebook, Portale der Erwachsenenbildung) gefühlt bei über 50% liegt (lange nicht mehr nachgeschaut…).
Und da sehe ich keine Lösung, die nicht zumindest extra-eklig ist (Ipv6-Nat, Sixxs…)


#108

Die Beiträge von #101 bis #106 hier waren vorher unter dem Titel „
3. Gesetz zur Änderung des TMG - braucht es dann noch Freifunk?
“ in einem separaten Thema und wurden zusammengeführt, weil es um exakt dasselbe Thema geht.


#109

Roaming im Sinne von Handover von AP zu AP im ESS wird funktionieren. IPv4-Verbindungen werden spektakulär scheitern, denn im ESS wird beim AP-Wechsel keine Adresserneuerung vorgenommen. Bedenke, batman_adv manipuliert DHCP-Pakete; wenn AP 1 lokal ausleitet, die anderen nicht, wüßte ich gerne, wie die 192.168.180.13/24 mit GW 192.168.180.1, die der Client von AP 1’ batman_adv im GW-Mode bekommen hat (in der Annahme, daß auch für batman_adv der lokale GW das beste ist), an AP 2, der über die zentralen GWs ausleitet und insofern in 10.12.0.0/20 arbeitet, funktionieren soll.

Vielleicht übersehe ich was, aber mir ist derzeit schleierhaft, wie in batman_adv-Netzen lokale Ausleitung funktionieren könnte.

ESS (ESSID) bedingt physisch eine L2-Kopplung aller APs und logisch die Nutzung der gleichen L3-Parameter. Wenn lokal exitende APs statt mit “my.ssid” mit “lokal.my.ssid” laufen würden, klappte dies, vorausgesetzt, zwischen allen lokal ausleitenden APs liegen hinreichend “Fahrradminuten”, daß von WLAN auf Mobilfunk gewechselt wird.

IPv6, davon hat batman_adv noch nichts gehört; dies hat Vor- und Nachteile. Vorteil: irgendwo in der L2-Wolke kann jemand RAs reinplärren. Nachteil: irgendwo in der L2-Wolke kann jemand RAs reinplärren. Das “lokal zugeschaltete IPv6” würde sich das Gerät dann mehr oder minder lange merken und ggf. auch über andere APs nutzen wollen; vermutlich ähnlich erfolgreich wie bei v4.

Reden wir über dasselbe, stillgelegte, SixXS?!

Leider geht meine Nummerierung nur bis 97? FTR, so gut die Zusammenführung gemeint gewesen sein mag, wenn man den Reagenzglas-Thread liest, fällt man zwangsläufig ob nicht zusammenpassender folgender Beiträge auf die Nase; ich denke ein weiteres Mal, daß der moderierende Eingriff hier mehr kaputtgemacht hat, als die Ausgangssituation vermocht hätte. Bitte lassen …


#110

Es ist nicht sinnvoll, in zwei Threads über das gleiche Thema zu diskutieren. Ich sehe da keinen Grund zur Beschwerde.


#111

Neben allem was technisch nun möglich wäre, oder auch heute schon sofort möglich ist (Stichwort: “Alt-Exit SSID”) https://github.com/freifunk-gluon/gluon/pull/1094):

Freifunk kann jetzt auch dort profitieren, wo Leute in der Vergangenheit nicht mitmachen wollten (oder keinen Uplink spenden) wollten, weil sie befürchteten “Dass das mit dem Freifunk-VPN vielleicht doch mal nicht funktioniert” (im Sinne von: “Und wenn ich doch eine Abmahnung bekomme”).

Zumindest könnte man jetzt bei denjenigen nochmal nachhaken. (im Schlimmsten Fall müssen die sich dann eine andere Ausrede ausdenken, warum sie keine Bandbreite teilen möchten.)