Freifunk - der Shop?

Als Diskussionsgegenstand möchte ich einfach mal die Idee eines Freifunk-Shops in die Community werfen - also eine Stelle, wo man einen Katalog aus kompatiblen Routern hat und die aufstellfertig bestellen kann.

Bei näherem Nachdenken komme ich eigentlich nur auf Contrapunkte, aber vielleicht vielleicht fallen ja auch Propunkte ein. :wink:

  • machen Umsatzsteuer und Porto aus Router zum Selbskostenpreis Minusgeschäfte?
  • hat man als Händler nicht Gewährleistungspflichten? Muss man kaputte Router austauschen und bleibt auf den Kosten dafür sitzen?
  • wird das Gefüge aus Communities und Firmwares zu schwer zuzuordnen? Zusammenarbeit mit lokalen Communities?
  • bringt ein Internetshop/eBay-Shop überhaupt etwas? Muss es der Computershop vor Ort sein?

Mich würde da eine weitere Frage interessieren:

Ich bin ziemlich sicher, dass man so einen Shop eigentlich als ordentliches Gewerbe aufziehen sollte. Dürfte dann ein gemeinnütziger Verein aber überhaupt sich so stark mit diesem Gewerbe verkoppeln, dass er 1. die Firmware liefert und 2. auch noch auf all seinen Webangeboten diesen Shop vorrangig bewirbt?

Nicht zu Verachten ist solch ein Vorhaben auf organisatorischer/logistischer und verwaltungstechnischer Ebene.
In Anbetracht unserer eh schon sehr knappen Ressourcen, fällt es mir schwer diese Idee gedanklich weiterzuverfolgen.

Wenn man eine Datenbank hinbrächte, die verlässlich Ausrüstung gibt was wo drauf gehört in welcher Community/Domain, dann könnte ich mir vorstelllen das da evtl. der eine oder andere Shopbetreiber ( Hallo @Lazybone) mitziehen würde.

Es sollte klar sein, das so ein vor installierter WR841 nicht für 18€ zu haben sein wird, sondern eher für 28€.
Ist halt eine Dienstleistung die zusätzlichen Beratungsbedarf vor- und nach Lieferung generieren kann und ggf auch Reklamationen gibt, die in die Mischkalkulation wollen.

Das wird der Verein nicht leisten können. Erstmal ist es gar nicht so einfach dann die Gemeinnützigkeit zu behalten, zweitens kann/muss man dann jemanden anstellen, der sich nur darum kümmert den Shop am Laufen zu halten und drittens ist das vermutlich auch ein finanzielles Risiko, was der Verein nicht eingehen will (Router kaufen, Garantie, Personalkosten…)

Außerdem führt das definitiv zu einem Anspruchsdenken. Man hat schließlich bezahlt, also muss das 24/7 ruckelfrei laufen.

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Die Domain ist ohnehin schon vergeben, leider…

Gewährleistung ist da ein ganz wichtiger Punkt. Durch das aufspielen der Fremdfirmware verliert man ja erstmal die Ansprüche gegenüber dem Hersteller. Gewissermaßen wird man sogar selbst zum Hersteller, mit allen Folgen. Man müßte also defekte Hardware austauschen, ohne das man die beim Hersteller reklamieren kann.
Da fände ich es besser, wenn ein lokaler Computershop sich da mit einbringt, selbst Freifunk anbietet und ein paar fertig geflashte Router im Regal stehen hat, und evtl. auch mal eben nach Kundenwunsch (Name, Bandbreitenbegrenzung) einrichtet.
Der Kunde geht dann mit einem fertig einsetzbaren Gerät nach Hause, Stecker rein, fertig.

Ich finde übrigens, dass die Idee an sich durchaus Charme hat. Eine zentrale Anlaufstelle für Leute ohne technisches Wissen würde es einfacher machen. Außerdem hätte man dann auch für die „Aktiven“ eine Möglichkeit Flyer, Aufkleber und Co zu bestellen.

Allerdings halte ich die Umsetzung zum jetzigen Zeitpunkt für schwierig bis unmöglich.

Bisher biete ich in meiner Community an Router zu besorgen und fertig einzurichten und liefere die dann inklusive Original-Rechnung ab. Ohne Aufpreis oder so. Ich finde auch das ist ein Teil des Freifunk-Gedankens. Und das möchte ich auch weiterhin so machen. Ein Freifunk-Shop würde bedeuten, dass ich damit gegen den Verein arbeite.

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Das stimmt so imho zumindest nicht ganz.

Grundsätzlich gibt es doch die Möglichkeit auch für Händler gegenüber Endverbrauchern durch geschickte Kniffe in der Offerte die Beweislastumkehr sofort einzuleiten, statt wie üblich erst nach einem Jahr - dazu braucht es nicht zwingend einen zweiseitigen Handelskauf?

Sobald man den entsprechenden Router als gebrauchte ungeprüfte Bastlerware verhökert liegt man da m.E. schon eine ganze Spur näher auf der richtigen Linie. :wink:

Über diesen Sachverhalt hinaus besteht die Möglichkeit das Geschäft dann noch erweitert zu trennen, indem der Kunde eine Dienstleistungsvereinbarung als Nebengeschäft eingeht. Erst diese tauscht dann im unmittelbaren Auftrag des Kunden aktenkundig die Software auf dem Gerät gegen die vom Kunden benannte Software aus - lediglich als Dienstleistung!

Jede Änderung innerhalb oder an der Software müsste dann ebenfalls eine Änderung der Haftung auslösen, da die erbrachte Dienstleistung sich nicht auf durch den Kunden eingebrachte oder zugefügte Änderungen erstreckt.

Müsste man im Zweifelsfall noch einmal professionellen Rat einholen, aber das wäre bestimmt in einem kurzen Telefonat zu klären…

Zumal es sich ja auch noch um Individualanfertigungen handelt, also kein Rücktrittsrecht nach Fernabsatzgesetz.
(Sondern erst bei erheblichen Mängeln und erfolgloser Nachbesserung.)

Aber ehrlich gesagt: Wer möchte sich das zumuten als Verein?

Also ich hätte zwar die Möglichkeit für ein Shop, aber nicht wirklich die Lust :wink:

Das einzige was ich anbieten kann ist die Verteilung von Aufklebern und Routern zum Selbstkostenpreis von Porto und Verpackung. Verschicke eh täglich genug Pakete da kommt es auf ein paar mehr oder weniger auch nicht an.

Also, ich möchte mal eben kurz das Vorurteil aus der Welt schaffen, dass der gemeinnützige Verein keine Waren oder Dienstleistungen verkaufen darf.

Da ich selber für eine andere Organisation tätig bin, die mehrfach im Jahr, unter Anderem in der Weihnachtszeit Dinge verkauft, um Gelder für die Projekte zu erwirtschaften, kann das so ganz und gar nicht stimmen. Und dabei reden wir nicht von einem kleinen Verein, sondern einem weltweit aufgestellten gemeinnützigen Träger.

Gutes Stichwort.

Insgesamt geht es ja auch eher um den theoretischen Austausch. Keine Forderung an den Rheinland e.V., der hat besseres zu tun.

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Logischerweise, sonst hätte auch jeder Karnevals-/Schützen-/Dorfverein ein Problem, wenn auf dem jeweiligen Fest durch ihn Cola verkauft wird. Da muss man trotzdem aufpassen, dass man auf Dauer keine echten Gewinne erwirtschaftet bzw. diese dann direkt in irgendwas investiert. Ich kriege häufiger mit, dass dann mal Geld weg muss, weil sonst das Finanzamt die Hand aufhält. Das funktioniert sehr gut, wenn man eine Halle oder das örtliche Blumenbeet erhalten will.
Ich bin kein Rechtsanwalt, deshalb möchte ich nicht einschätzen wie das mit Server-Mieten aussieht, ob dann das Geld in Richtfunkstrecken fließen müsste oder wie man das geschickt verbucht. Und ich weiß auch nicht wie die Bereitschaft im Vorstand ist da aktiv zu werden.

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Ein großes Problem bei dieser Shop-Idee sehe ich darin, dass damit Freifunk (ob jetzt e.V. oder Communities etc) zum Dienstleister werden würde. Also die Leute die dort bestellen erwarten professionelles Auftreten und Arbeiten.
In Threads zur Infrastruktur wurde klar gemacht, dass wir das nicht bieten können, auch wegen der nicht zu garantierenden Qualität des Backbones.

Aber vielleicht kann man die Idee etwas abwandeln?
Man würde eine zentrale Anlaufstelle für Bedarf bei Freifunk aufbauen. Gedacht ist die Anlaufstelle sowohl für Neu-Freifunker als auch für „alte Hasen“.

Diese Seite hieße dann vielleicht boerse.freifunk.net

Was passiert dort?
Neu-Interessenten/Freifunker melden ganz formlos Bedarf an auf Hilfe zu Freifunk. Z.B.:

  • Wer würde mir helfen, einen Router zu flashen in <Community>
  • Ich würde mich gerne an der nächsten Router Großbestellung beteiligen
  • Ich brauche Sticker
  • etc.

Wenn man zu jeder dieser Anfragen bestimmte „Produkte“ wie Router, Sticker etc mit Anzahl pflegt, ist es möglich diese Anfragen zusammenzufassen.
Die Aktiven bei Freifunk können dann hingehen und sagen:

  • In meiner Community ist ein großer Bedarf für einen Workshop zum Router flashen. Mache ich!
  • Es ist ein großer Bedarf an Routern vorhanden. Ich bestelle und verteile diese weiter!
  • Es ist ein großer Bedarf an Stickern erreicht. Durch die Boerse kenne ich die Stückzahlen und bestelle nun welche!
  • etc.

Dadurch würde man Bedarf und Angebot crowdsourcen und hätte zudem eine übersichtliche Seite, die sich vielleicht sogar fast so wie ein Shop bedienen lässt (mit der deutlichen Angabe, dass Freifunk kein Dienstleister ist und dass man eventuell ein bisschen warten muss).

Grundsätzlich könnte ich mir vorstellen so einen Freifunk Shop zu betreiben. Die Vorraussetzungen sind vorhanden. Wenn Ihr meint das sowas gebraucht wird, überredet mich.
Gruß
Christian

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Die ganze Crowdsourcerei, so schon sie als Anschubfinanzierung ist: Für wenige Aktionen gut, aber für Massen Betrieb ist der Overhead einfach zu groß.

Man braucht nicht das große TamTam um 10 Router „fertig geflashed“ zu bestellen. Oder die nächsten 200 bis 500 Sticker.

Ein Shop mit durchlaufenden Geschäftsprozessen würde durchaus helfen.

Man kann in Vereinen gemeinnützigen und wirtschaftlichen Betrieb fahren, nur muss der wirtschaftliche Betrieb das ganze Handling und die Abrechnung stemmen können und mit entsprechender Manpower hinterlegt sein. Sehe ich bei uns im Verein gerade nicht. Wobei ich nie mehr nie sage, seit der ISP-Geschichte :wink:

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Ich fände auch nicht gut, wenn so einen Vertrieb vom Verein gestemmt werden müsste.
Das grenzt nämlich sehr, sehr schnell an kollektive Selbsdtausbeutung.

Da braucht es schlicht rührige Geschäftlhuber, die sich da ihre kleinen Nischen suchen. Bei den Nutzerinnen und Nutzern, die bereit sind, für einen ordentlich konfigurierten Router oder einen ohne 20 Forenpostings und Abholadressen/Gemeinsamversende-Forentread an ein paar Aufkleber zu kommen.